AOL baut auf freiwillige Kündigungen

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Das kriselnde Unternehmen macht sich fein für den bevorstehenden Börsengang. Unfein daran ist, dass dabei Köpfe der Belegschaft rollen sollen. Noch unfeiner: Die Kandidaten sollen sich auch noch selber für den Rausschmiss vorschlagen.

Krise macht kreativ, so wird das ja auch immer gefordert. Bei AOL, dem einstmals größten E-Mail-Postfachvermieter der Welt treibt die Kreativität einem Blog zufolge freilich absurde Blüten: Weil vor der bevorstehenden Abspaltung vom derzeitigen Eigentümer Time Warner und dem darauffolgensollenden Börsengang unbedingt noch mal ein Drittel der Belegschaft in die Wüste geschickt werden muss, macht sich die Firmenleitung wohl Sorgen um ihr (widerum börsenrelevantes!) Image. Mitleid mit den Betroffenen wäre andererseits nur hinderlich. Sozial denken à la US-Wirtschaft bedeutet: Furchtlose Angestellte dürfen ihre Köpfe zum Kahlschlag selber in Richtung Personalbüro neigen bzw. sich zum Abschuss freigeben.

»Freiwillige vor!«, hieß es angeblich schon bei den alten Römern, wenn es darum ging, sich von zaubertrunkenen Galliern schmerzvoll in den Krankenstand befördern zu lassen. Gerettet hat es das Imperium nicht. Stattliche 2.500 amtsmüde AOLer müssen nun gefunden werden, ansonsten bestimmt die Firmenleitung die »Freiwilligen«. Viel Zeit bleibt nicht: Ab Anfang Dezember beginnt das große Aufräumen bei AOL. Dass in den Büros einschlägige Hilfsmittel zum sozialverträglichen Frühableben verteilt werden, ist aber nicht einmal ein böses Gerücht. Agenda 2010 auf amerikanisch.