Google will HTTP durch SPDY erweitern

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Das neue Turbo-Webseitenprotokoll ist verschlüsselt und trotzdem 55 Prozent schneller als das betagte HTTP.

Google will mehr: Nach den Web-Inhalten und einem Großteil ihrer Vermarktung kapert sich Google auch schrittweise die Infrastrukturen dazu. Aktiv bei Browsern mit Chrome, bei Betriebssystemen mit Android für Handys und bald ChromeOS für PCs, bei Programmiersprachen mit Go, bei Online-Speicherplatz mit massiven Preissenkungen und nun auch noch bei der Web-Übertragungstechnik mit dem neuen System SPDY macht sich Google in allen Breichen des Webs breit.

Das heute genutzte HTTP hatte Tim Berners-Lee 1991 als »Hypertext Transfer Protocol« entwickelt und damit das World Wide Web begründet. Das 20 Jahre alte System werde den immensen heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht, jammern die Google-Software-Entwickler Mike Belshe und Roberto Peon. Das im Rahmen des Chromium-Projekts entwickelte SPDY (englisch gesprochen »speedy«) soll Schwächen des alten HTTP beheben und es um neue Übertragungsmöglichkeiten erweitern (der Protokoll-Aufbau ist hier erklärt).

So soll es gleichzeitig eine unbegrenzte Zahl paralleler Requests an den Server senden können, statt wie bisher nur sequentiell zu arbeiten, Header-Informationen komprimiert schicken, und Servern auch eigenständiges Senden ohne Nachfragen per Push-Technik erlauben (die nötigen Prioritäten können die Server abhängig von der Verbindung selbst setzen). Alle Neuerungen zählt die Whitepaper-Seite zum Projekt auf.

Ein SPDY-Webserver und ein SPDY-Chrome-Browser (Download des Quellcodes hier) sind fertig, in Laborsversuchen mit simulierten Netzverbindungen sei man trotz der zusätzlichen SSL-Verschlüsselung auf bis zu 55 Prozent Geschwindigkeitssteigerung gekommen.

Wie schon beim Programmiersprachenprojekt Go hat Google hier ein experimentelles System so weit gebracht, dass man sich damit an die große Entwickler-Community wenden kann und viel von ihrer Beteiligung erhofft. Klappt alles, könnte Google mit viel Kraft die stärkste Änderung im Internet seit dem WWW lostreten. (Manfred Kohlen)

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