Lassen Sie sich nicht in der Wolke gefangen nehmen

Cloud

Was einige »Scharlatane« als Cloud Computing bezeichnen, befremdet selbst einen ausgebufften Marketing-Mann wie Kevin Cochrane. Eine Abrechnung und ein Ausweg.

Cochranes Arbeitgeber, die Firma Day Software, einst gegründet in der Schweiz und nun international aktiv, liefert kostspielige aber ausgeklügelte Content Management Systeme für große Unternehmen – und bezeichnet alles als Content, was sich per Software verwalten lässt. Also auch Java-Programmbibliotheken oder genutzte IT-Assets – und eben die sagenumwobenen Cloud-Systeme. Seine Meinung dazu:

Mit dem Begriff »cloud« (Wolke) verbindet man angenehme Assoziationen wie Offenheit, Grenzenlosigkeit und Freiheit.  Vor dem Hintergrund von endlosen finanziellen und politischen Turbulenzen sind dies sicher angenehme Konzepte, die tatsächlich auch auf das Cloud Computing zutreffen.

Wie viele Leser von eWeek Europe, sind auch wir große Anhänger von Cloud Computing. Es bietet Unternehmen die Möglichkeit, viel Geld zu sparen, die Zusammenarbeit zu verbessern und sogar die globale Erderwärmung zu bremsen.  Unser Unternehmen wurde während der Cloud-Generation gegründet, was sich in allen Geschäftsbereichen widerspiegelt – von der Software-Entwicklung über den Vertrieb bis hin zur Lizenzierung.

Wie jedoch bei allen großen Innovationen, die neue wirtschaftliche Möglichkeiten versprechen, hat die zentrale Casting-Abteilung der Software-Industrie auch hier denselben bunt gemischten Haufen von Scharlatanen, engstirnigen Visionären, Panikmachern und Ahnungslosen angeheuert, die alle zusammen bewirken können, dass jeglicher Optimismus und klare Vorstellungen der IT-Experten hinsichtlich dieser Innovation in sich zusammenfallen.

Üblicherweise verdient es keiner dieser Charaktere, die Bühne völlig für sich einzunehmen, letztendlich haben sich jedoch die Panikmacher ins Rampenlicht gesetzt und verbreiten erfolgreich die durchaus berechtigte Meinung, dass alle, die zu tief in den Cloud-Rummel eintauchen und dabei nicht aufpassen, aus diesem Strudel nicht mehr herauskommen und gefangen sind.  In einem kürzlich von Forrester veröffentlichten Bericht mit dem Titel ‘How Secure is Your Cloud’ (Wie sicher ist Ihre Cloud?) werden Anbieter ermahnt, wachsam zu sein, damit sie sich nicht in Clouds verstricken und gefangen nehmen lassen, so wie sie sich in der Vergangenheit von Architekturen bestimmter Hersteller abhängig gemacht haben. 

Tatsache ist: Jede Cloud bietet spezifische Möglichkeiten zum Erstellen von Server-Images und proprietären APIs, damit der zur Verfügung gestellte “dehnbare” Speicherplatz genutzt werden kann. Daher unterstützen Anbieter, die sich als “cloud-freundlich” bezeichnen, oftmals nur eine ganz bestimmte Cloud-Infrastruktur. Einer unserer Hauptkonkurrenten nimmt Benutzer beispielsweise gefangen, indem er sie an die Amazon-Cloud bindet. Die Software-Bereitstellung erfolgt über Server-Images und Back-End-Datenspeicherungsdienste von Amazon.

Warum ist das problematisch?  Zunächst bedeutet »gefangen sein«, dass Sie die Kontrolle über Ihre Kosten verlieren. Wenn Amazon die Preise erhöht oder ein anderer Cloud-Anbieter ein günstigeres Angebot für Bandbreite, Server-Rechenleistung und Datenspeicherung unterbreitet, haben Sie keine andere Wahl, als das komplette System neu aufzubauen oder eine teure Migration durchzuführen.

So viel zum Thema Offenheit, Grenzenlosigkeit und Freiheit. Ganz abgesehen von der günstigen Rechenleistung und der Flexibilität, aufgrund derer Sie sich in erster Linie für die Cloud entschieden haben.

Doch bevor Sie schreiend zum Notausgang rennen, möchten wir Ihnen ein erfolgsversprechendes junges Starlet auf der Bühne präsentieren – den vorurteilsfreien Pragmatiker.

Bei der ewigen Debatte über die Strafrechtsreform setzen sich vorurteilsfreie Pragmatiker für die Prävention von Straftaten statt für die Verhängung noch drastischerer Strafen ein. Ähnlich ist es mit der Cloud-Problematik: Wenn Anbietern der Anreiz genommen wird, Kunden in ihre Cloud einzusperren, löst sich das Problem allmählich von selbst.

Eine neue Generation von Softwareanbietern, die sicher sind, auch ohne das Einfangen in Clouds gute Geschäftserfolge erzielen zu können, fassen langsam Fuß unter den etablierten Software-Unternehmen. Diese Unternehmen erstellen ihre Software unter Verwendung von nicht proprietären Open-Source-Standards. Ihre Haupteinkünfte beziehen sie aus Service- und Supportleistungen, und sie geben weniger Geld für Vertrieb und Marketing aus.

Auch wir bei Day legen großen Wert auf die Portabilität von Anwendungen und haben diese Entwicklungs-Philosophie für die Cloud übernommen. Mithilfe unserer dem Industriestandard entsprechenden APIs sind unsere Anwendungen völlig unabhängig von der zugrundeliegenden Cloud-Infrastruktur, so dass unsere Kunden problemlos Web-Anwendungen in andere Clouds migrieren können. Daher werden wir Kunden nie zwingen, cloud-spezifische Server-Images oder propietäre APIs zu verwenden.

Wir arbeiten sogar mit würdigen Konkurrenten wie Nuxeo zusammen, um die offenen Standards zu verbessern und somit die Interoperabilität voranzutreiben, weil genau das unsere Kunden von uns verlangen.  Einer dieser Standards ist CMIS (Content Management Interoperability Services).


Warum Sie CMIS in Betracht ziehen sollten
Die CMIS-Spezifikation befasst sich hauptsächlich damit, Dokumente überall ein- und auszuchecken sowie zu erstellen, zu lesen, zu aktualisieren und zu löschen. In größeren Unternehmen, die noch über verschiedene ältere Systeme verfügen, die in einem oder mehreren zentralen Repositories gebunden sind, bietet CMIS einige Vorteile.

Day Software und Nuxeo waren sich sicher, dass die ersten für CMIS gesteckten Ziele nicht ausreichend sein werden, und haben daher das Projekt »Apache Chemistry« ins Leben gerufen, um eine generische Open-Source-Referenz-Implementierung des CMIS-Standards zu entwickeln. Das Projekt steht unter der Leitung der Apache Software Foundation (ASF), einem anbieterunabhängigen, gemeinnützigen Unternehmen. Seitdem unser jetziger Chef-Wissenschaftler Roy Fielding Apache vor 10 Jahren gegründet hat, ist dieses Unternehmen das Herz der Open-Source-Bewegung.

Basierend auf den Grundlagen eines offenen, gemeinschaftlichen Entwicklungsmodells und eines großzügig ausgelegten Open-Source-Lizenzierungsmodells fördert die Apache Software Foundation die gemeinsame Entwicklung durch unabhängige Softwareanbieter in einem Dachverband.

Als ein von der Branche vorangetriebener Content-Management-Standard ist CMIS der ideale Kandidat für ein von der Community getragenes Open-Source-Projekt, das von führenden ECM-Anbietern unterstützt wird, um eine für alle verbindliche Referenzimplementierung zu erstellen, die mittels des unternehmensfreundlichen Apache-Lizenzierungsmodells in ihre Produkte aufgenommen werden kann.

Als Mitbegründer des Projekts (am usrprünglichen CMIS-Standard sind auch Sun, Adobe, Microsoft, EMC und IBM beteiligt) haben Day Software und Nuxeo ihre eigenen maßgeschneiderten Implementierungen des CMIS beigesteuert, um eine für alle verbindliche, vereinheitlichte Implementierung für eine größere, dynamischere Entwickler-Community zu erstellen, die ohne das »Einfangen in Clouds« auskommt.

Also verzweifeln Sie nicht, wenn Ihre Wolke zerplatzt ist! Die Content-Management-Partner in Open- und Closed-Source-Unternehmen in der Branche sind hier, um Sie aus Ihrem Gefängnis zu befreien – wenn Sie beim Kauf auf Standards achten.