Interview mit Annette Hoxtell von Strato zum Thema Green IT
»Neuanschaffungen müssen wohl bedacht werden«

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Webhoster sind Vorreiter in Sachen »Green IT«, da sie unzählige Server betreiben und daher schon kleine Verbesserungen der Energieeffizienz zu deutlichen Kosteneinsparungen führen. IT im Unternehmen sprach mit Annette Hoxtell, Sustainability Advisor bei Strato, darüber, wie auch kleinere Firmen grüner werden können und ob »Green IT« tatsächlich schon im Bewusstsein der Verbraucher angekommen ist.

Aus Business-Servern werden Game-Server

IT im Unternehmen: Green IT ist derzeit eines der wichtigsten Schlagworte in der IT-Branche. Strato als großer Webhoster mit unzähligen Servern nimmt da eine Vorreiterrolle ein. Was haben Sie in den letzten Jahren und Monaten getan, um Ihr Rechenzentrum umweltfreundlicher zu machen?

Annette Hoxtell Eine ganze Menge, vor allem bei der Energieeffizienz. Energieeffizienz sollte nämlich nicht nur bei Kühlschränken oder Waschmaschinen ein Kaufkriterium sein, sondern auch bei Laptops und Servern. Bei Strato achten wir genau darauf, welche Komponenten wir in unseren Rechenzentren einsetzen. Bestellen wir zum Beispiel neue Serverprozessoren, so verbrauchen diese in der Regel weniger Strom pro Leistungseinheit als die Vorgängermodelle. Das liegt unter anderem daran, dass wir die Hersteller direkt nach energieeffizienten Modellen fragen und diese zum Teil mitentwickeln. Vom Netzteil bis zur Klimaanlage behalten wir den Markt für Rechenzentrumskomponenten genau im Auge und wenn Neuanschaffungen anstehen, dann entscheiden wir uns für energieeffiziente Geräte. Solche Neuanschaffungen müssen wohl bedacht werden, denn gerade bei der Herstellung werden viel Energie und Rohstoffe verbraucht. Gleiches gilt für die Entsorgung. Darum nutzen wir Geräte so lange wie möglich, wenn auch in unterschiedlicher Form: Was früher der leistungsstärkste Business-Server war, erfüllt heute noch gute Dienste als Game-Server.

Außerdem – und das ist quasi das Sahnehäubchen der Green IT – kann man den Strom, den man trotz aller Effizienzsteigerungsmaßnahmen noch verbraucht, aus erneuerbaren Quellen beziehen. Damit ist dann die Klimabilanz, zumindest was die Nutzung der IT-Komponenten angeht, neutral. Strato zum Beispiel betreibt die eigenen Rechenzentren seit Anfang 2008 mit Ökostrom, der in Wasserkraftwerken am Hochrhein erzeugt wird. Da unser Stromerzeuger, die NaturEnergie AG, gerade ein neues Kraftwerk baut, helfen wir mit unserem Strombezug direkt, die Produktionskapazitäten für erneuerbare Energien in Deutschland auszubauen.

IT im Unternehmen: Wie viel Energie können Sie durch diese Maßnahmen einsparen?

Annette Hoxtell Insgesamt gehen wir von einer Energieeinsparung von etwa 30 Prozent pro Kunde aus. Diese verteilt sich hauptsächlich auf drei Bereiche, die sich auch in kleinen Unternehmen relativ problemlos verbessern lassen.

Erstens die Hardware: Wie bereits angesprochen, achten wir bei allen Komponenten auf eine hohe Energieeffizienz. Wir legen von Anfang an fest, was wir brauchen und kaufen dann nach Bedarf ein – also passend und nicht überdimensioniert. Multifunktionalität ist hierbei ein wichtiges Kriterium: Der gleiche Server, der wochentags Webseiten anzeigt, sortiert am Wochenende Spam aus.

Zweitens Kühlung: Unsere Rechenzentren sind gut gedämmt und lassen keine unnötige Hitze hinein. Darüber hinaus kühlen wir nur die temperaturempfindlichen Servervorderseiten und nicht den ganzen Raum – in der kühleren Jahreszeit auch mit Außenluft.

Drittens wird Software wird bei uns nach Maß eingesetzt. Software, die nicht benötigt wird, installieren wir gar nicht erst. Wo es geht, wird die Software direkt an die Hardware angepasst und soweit optimiert, dass sie ihre Aufgaben mit möglichst wenigen Rechenoperationen erfüllt.

IT im Unternehmen: Bei einem Unternehmen wie Strato sind die Einsparpotenziale offensichtlich, aber wie sieht es mit kleineren Unternehmen aus: Ist Green IT für diese mittlerweile auch ein Muss?

Annette Hoxtell Das hängt stark vom Geschäftsmodell des Unternehmens ab. Ist es IT-lastig, wird das Unternehmen sicherlich einiges tun, um in diesem Bereich Kosten zu sparen und somit auch den Energieverbrauch zu senken. Anders sieht es bei Unternehmen aus, zu deren Kerngeschäft IT nicht gehört. Für diese Unternehmen stellt IT-Outsourcing eine spannende Alternative dar. Ein Mietserver, gerne auch ein virtueller Server, zum Beispiel von Strato, ist nicht nur günstiger als eine In-House-Lösung, sondern auch umweltfreundlicher. Wir betreiben circa 35 000 Server in unseren Rechenzentren: Da können wir viele Dienste zentral bereitstellen und das nicht nur günstiger als im kleinen Unternehmen, sondern auch klimaneutral und Basel-II-konform.

Geschäftsprozesse kritisch hinterfragen

IT im Unternehmen: Wie sollte ein Unternehmen vorgehen, das »grüner« werden will?

Annette Hoxtell Das Unternehmen sollte die wichtigsten Geschäftsprozesse identifizieren und im nächsten Schritt analysieren, ob und wie es diese effizienter gestalten kann. Bei Strato haben wir den Stromverbrauch an den verschiedensten Stellen im Rechenzentrum gemessen und dann überlegt, wie wir ihn verringern können. Sollte es bereits öffentlich zugängliche Daten zum Beispiel von vergleichbaren Unternehmen geben, kann man diese als Benchmark heranziehen.

Viele Einsparmaßnahmen lassen sich mit gesundem Menschenverstand recht kostengünstig umsetzen. Man muss nur offen dafür sein, seine Geschäftsprozesse kritisch zu hinterfragen. Darüber hinaus gibt es viele kleine Maßnahmen, die sich quasi nebenbei umsetzen lassen und die in der Gesamtsumme auch eine Menge Energie sparen, zum Beispiel den Computer-Monitor in der Mittagspause auszustellen, das Licht zu löschen, wenn man sich nicht in einem Raum aufhält und vieles mehr.

IT im Unternehmen: Üblicherweise kommunizieren Unternehmen ihre Bemühung im Bereich Green IT sehr gerne. Aber ist das Thema Ihrer Meinung nach überhaupt schon im Bewusstsein des Verbrauchers verankert, so dass er es bei seinen Kaufentscheidungen berücksichtigt oder schaut er nicht doch vor allem auf den Preis eines Produktes oder eine Leistung?

Annette Hoxtell Ein IT-Produkt verkauft sich nur, wenn Preis und Leistung stimmen. Wenn zwei IT-Produkte ein ähnlich gutes Preis-/Leistungsverhältnis aufweisen, das eine IT-Produkt jedoch noch einen ökologischen Mehrwert bietet, für welches Produkt würden Sie sich entscheiden?

Eine im Sommer diesen Jahres von der GfK durchgeführte repräsentative Umfrage unter Strato-Kunden hat gezeigt, dass 96 Prozent der Kunden begrüßen, dass Strato den Stromverbrauch massiv gesenkt hat und die Rechenzentren mit Ökostrom betreibt, ohne die Preise erhöht zu haben. Darüber hinaus geben 81 Prozent der Strato-Kunden an, beim Kauf von Produkten auf ökologische Aspekte zu achten. Ökologie scheint also die Mehrheit der Verbraucher zu interessieren, auch wenn die Begriffe »Green« und »IT« oder »Öko« und »IT« sicherlich noch nicht so eng miteinander verzahnt sind wie zum Beispiel »Bio« und »Lebensmittel«. Aber mit einer guten und vor allem glaubwürdigen Kommunikation kann man dem bestimmt ein Stück näher kommen.

IT im Unternehmen: Was kann man im Bereich Green IT in den nächsten Monaten und Jahren noch erwarten?

Annette Hoxtell Viel – schließlich ist die IT-Branche schnelllebig und Green IT rückt ja erst langsam ins Bewusstsein der Verbraucher. Dazu beitragen kann unter anderem die Kennzeichnung von Computern und Spielkonsolen mit dem Energy Star-Label, wie es sie bereits in den USA gibt und hier hoffentlich auch bald geben wird. Spannend ist auch die Entwicklung intelligenter Stromzähler und -netze, die unter den Begriff »grün durch IT« fällt, wenngleich bis zur Serienreife bestimmt noch ein Jahrzehnt oder mehr vergehen wird. Sicherlich werden uns in nächster Zeit die großen Trends Virtualisierung und Cloud Computing beziehungsweise Software as a Service (SaaS) begleiten, die auch dazu beitragen können, IT grüner zu machen.

Annette Hoxtell von Strato

Annette Hoxtell ist bei Strato Referentin für Nachhaltigkeit.