Twitter-Dämmerung: Tweeds von Geburten und eine Twitter-Oper

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Während die Ehefrau des Twitter-Chefs live die Geburt ihres Kindes mit Twitter-Feeds begleitete, bereitet das Royal Opera House in London die erste Twitter-Oper vor. Ich flüchte dann mal lieber ins richtige Leben.

Die Zeiten ändern sich, und sogar die privatesten Momente sind inzwischen im Internet zu finden. Sara Williams, Ehefrau von Twitter-Geschäftsführer Evan Williams, begann mit Einsetzen der Vorwehen am Montag um 8:46 Uhr, alle diese Momente mit Twitter-Feeds zu kommentieren. Dann begann sie die weiteren Wehen mit einer iPhone-Applikation zu timen und sendete Twitter-Meldungen bis zur ersten Windel.

Das interessiert an sich niemanden, doch Sara, geborene »Morishige«, die Halb-Mexikanerin ist, stammt auch von einem Elternteil, der halb japanisch und halb chinesisch ist. Und in Tokyo, wo sie vor ihrer Hochzeit lebte, liegt die Hochburg mobiler Kommunikation in jeder Lebenslage. Mit neuester Technik im Silicon Valley war es für sie also  offenbar keine große Umstellung mehr.

Der erste Twitter-Eintrag des Babys wird wahrscheinlich »waaaa« sein, kommentiert die LA Times lakonisch.

Sara Williams und der Geburts-Tweed
(Sara Williams und der Geburts-Tweed)

Nicht unbedingt von besserer Qualität werden wohl die ersten Opern-Librettos sein, die das Royal Opera House am Londoner Covent Garden mit Twitter-Feeds als Texten füllen will. Weil das Opernhaus will sich moderner präsentieren möchte, bat es die Twitter-Nutzer, ihre kurzen Feeds zu liefern; sie werden auf dem Blog des ROH gezeigt.

Die Grundstory liegt schon vor, doch die Librettos zwischendurch kommen per Tweeds. Heute korrigierten sich die Bewohner des Twitter-Universums gegenseitig in Pseudo-Shakespeare-Sprache:  »Youropera and thy sword have grown to the size of a halibut«, also Schwachsinn wie er (nicht einmal) im Buche steht – »deine Oper und dein Schwert sind groß wie ein Heilbutt geworden!«.

Anfang der Woche kam die Liebe zu den Haselnüssen zur Sprache, das Twittern eines kleinen Vogels oder poetische Worte für »Ich kann dich nicht mehr ausstehen, denn Du bist wie ein Pferd« (ging das vielleicht um Prinz Charles Lebensgefährtin Camilla?). Der nächste Tweed: »Ich dürste nach einem Ausbruch!«.

BBC-Musik-Korrespondent Jeremy Pound hofft auf diesen Ausbruch: »Wenn das nur einmal passiert, ist es ein schönes Experiment, aber insgesamt sollte es die ernsthaften Dinge des Opernhauses nicht beeinflussen, sonst ist sein Ruf dahin«. RoH-Mitarbeiterin Alison Duthrie entgegnet, dass es doch Oper aus der Bevölkerung sei, in die eben jeder Einfluss nehmen könne. Das sei doch toll!

Egal: Am Covent Garden gibt es schräg gegenübr der Oper einen legendären Musik-Club mit angeschlossenem Café, in dem es ebesi legendäre Cocktails wie den »Covent Garden Cooler« gibt – den man nach dieser Twitter-Oper möglicherweise auch dringend benötigt. Bitte mit extra viel Alkohol bestellen. µ

L’inqs:
LA Times über die Live-Geburt per Twitter
London Evening Standard: »Cosi fan Tweeti«
Opernblog des Royal Opera  House

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