nVidia: Markt erholt, Umsatz rauf, Verlust runter

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Trotz Sonderzahlung für fehlerhafte Chips kann das Grafik-Unternehmen seinen Verlust vermindern. Da sind die Aktionäre aber nochmal davongekommen!

Wir erinnern uns: Im Mai hatten Nutzer von Rechnern mit nVidia-Chips Sammelklage gegen den Grafikchip-Hersteller eingereicht, weil die schnelle Grafik der Firma zu zahlreiche Ausfällen der Rechner mit diesen Chiops führte. Das Geld, das der Hersteller  zur Schadensbegrenzung beiseite belegt hatte, reichte nicht. In diesem soeben beendeten zweiten Geschäftsquartal 2009 musste man dann nochmals 119,1 Millionen US-Dollar für den Produktionsfehler der überhitzbaren Chips nachlegen.

Insgesamt hat die Firma dann aber doch ihre Verluste senken können – von 120,9 Millionen im Vorquartal auf nur noch 105,1 Millionen Dollar in diesem. Hey, das wären ohne die Sonderausgaben doch glatt 37,7 Millionen Gewinn, frohlockt die Firma in ihrer offiziellen Verlautbarung. Und der Umsatz sei doch auch um 17 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gestiegen, also auf 776,5 Millionen!

»Aber Moment Mal«, kommt der Zwischenruf aus der Aktionärs-Ecke, »Verlust ist das immer noch, und der Umsatz ist 13 Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres!«

Ruhe in der zweiten Reihe, bitte! Nach den Grundsätzen ordentlicher US-Buchführung (GAAP) muss nVidia zwar 105,3 Millionen Dollar Verlust melden, aber das ist halb so schlimm, denn technisch ist der Lapsus mit dem defekten Chip schon längst beseitigt, und produziert wird das ausgelaufene Modell ohnehin nicht mehr. Psychologisch müssen also nur noch die Geldhaie aus dem Finanz-Aquarium beruhigt werden, denn ohne die Altlasten erwirtschaftete das Unternehmen tatsächlich Geld.

Das Geschäft erhole sich auch durch die neuen Produkte wie den Tesla (der Grafikprozessor, der schnell rechnen kann und in Supercomputern eingesetzt wird) und den Tegra (sozusagen ein stromsparender Computer auf nur einem Chip), erklärt nVidia-Chef Jen-Hsun Huang. Die strategische Entscheidung für diese Chips berge große Hoffnungen, denn man profitiere damit von den Trends Cloud Computing und mobilem Internet. Damit hat Huang die wichtigen »Buzzwords« für die Finanzhaie der New Yorker Börse genannt und bringt so auch diese langsam zur Ruhe.

Dass man dann für das folgende Quartal 5 bis 7 Prozent Umsatzsteigerung in Aussicht stellt,  ist wie die Ankündigung einer kleinen Haifisch-Fütterung – so bleiben die großen Fische in der Nähe und die Dollars im Finanz-Aquarium.  Börslich wurden es sogar ein paar mehr – vielleicht haben die Finanz-Haie ja noch ein paar kleine Fischlein ausgespuckt. µ

L’Inqs:

nVidia: Offizielle Quartalsmeldung
BörseGo: nVidia-Aktie überrascht positiv
Haifischbecken Grafikchips: Seinerzeit großer Schluckauf bei nVidia

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