EU-Ombudsmann kritisiert Verfahren gegen Intel

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Hat die EU im Kartellverfahren gegen Intel Indizien ignoriert, die den Chip-Giganten entlastet hätten? Das hält zumindest ein EU-Ombudsmann für möglich.

Nach einem Bericht des Wall Street Journal ist das EU-Verfahren gegen Intel nachträglich in die Kritik geraten. Der Ombudsmann P. Nikiforos Diamandouros wirft der EU-Kommission vor, sie habe es versäumt, ein Gespräch zwischen Ermittlern und einem hochrangigen Mitarbeiter von Dell aufzuzeichnen.

Dieser habe ausgesagt, dass Intel-Konkurrent AMD nur eine sehr schwache Leistung gezeigt habe. Daraus wiederum könnte hervorgehen, dass Dell sich nur aus technischen Gründen für Intel-Prozessoren entschieden habe und nicht etwa, weil Intel den PC-Hersteller eingeschüchtert habe.

Die EU-Kommission hatte hingegen den Schluss gezogen, dass viele PC-Hersteller sich deshalb auf Intel gestützt haben, weil sie fürchteten, andernfalls Preisnachlässe zu verlieren. Da es keine Aufzeichnung des Gesprächs gegeben habe, ist auch nicht mehr nachzuweisen, was der Dell-Mitarbeiter tatsächlich gesagt hat.

Kein Einfluss auf das Verfahren
Am Ausgang des Verfahrens wird die Kritik des Ombudmanns nichts ändern. Intel war im Mai wegen Monopolmissbrauchs zu einer Geldbuße von 1,44 Milliarden Dollar verdonnert worden.

Zudem war das Gesamtverfahren so komplex und vielschichtig, dass die vermutete Aussage des Dell-Managers den Ausgang ohnehin nicht wesentlich geändert hätte, schreibt das Wall Street Journal.
Die Kritik des Ombudsmanns beleuchtet allerdings eine peinliche Verfahrenspanne der EU-Ermittler.
(mt)

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