Gefährliche Internet-Pandemien: Schweinegrippe und deutsche Rechtschreibung

Allgemein

Anfang der  Woche landete eine Pressemeldung in meiner Inbox: »PONS stellt die Deutsche Rechtschreibung ab sofort kostenlos ins Internet«. Wie, eine Konterrevolution? Hatten wir im deutschen Internet nicht schon die Anarchie der getippten und internationalisierten Sprache? Gestreamt, e-gemailt und gebloggt?

Gut, wir wissen ja, die offizielle nationale Rechtschreibung ist nicht so verbreitet im Internet, und beim schnellen Tippen ohnehin oft nicht mehr einzuhalten. Die neue deutsche Rechtschreibung, von der es verschiedene Versionen gab (unter anderem die spezielle Agenturschreibung von dpa und Co), hat es nicht leichter gemacht. Duden bietet übrigens schon länger an, im Internet nachzuschlagen, wie man Worte nach dem Duktus des (fast schon staatlichen) Hauses wirklich schreibt. Aber Begriffe wie »twittern« nennt erst der neue PONS. Als Deutsch. Dazu müssen wir jetzt ein »Emergency-Meeting« in dieser »Location« als »Event« ausrichten – jawoll!

Die Rechtschreibung

Nun haben wir eben einen zweiten Anbieter, der wohl trotz aller Widerreden (die Schweizer sträuben sich ja schon seit Jahrhunderten, das scharfe ß oder sz zu schreiben) die Bemühungen der ersten unterstützt.

Wenn die beiden Anbieter sich durchsetzen, könnte sich die »richtige« Schreibung wie eine höchst ansteckende Grippe verbreiten (wie einst das Web, das anfangs sehr kreativ war und sich dann mit der gefährlichen Massentauglichkeit vermengte).

So vermengen sich übrigens die Suchen und die verbreiteten Mythen rund um die so genannte Schweinegrippe. Nach aktuellen Nachrichten verbreitet sich das Virus rasend schnell – auch in Deutschland. Und im Internet sowieso: In den Google News Deutschland finden sich heute Morgen 500 Artikel zum Suchbegriff. Welt, Süddeutsche, Focus und viele Andere schreiben etwa heute, dass die Kassen nicht für eine Impfung aufkommen wollen, und sogar eine Website »Schweinegrippe-Deutschland.de« existiert schon. Mit eigenen Schweinegrippen-Nachrichten.

Die Google-Suchen nach dem Schlagwort »Schweinegrippe« beschränken sich auf Deutschland und die Schweiz – die österreichischen Netz-Nutzer verwenden die Suchmachine eben nicht für solche Dinge – sie gehen dem Thema eben online wie real aus dem Weg.

Der englische Ausdruck »Swine flu« wird vor allem in Großbritannien gesucht, sagt Google Trends – also dort, wo auch in der physischen Welt die meisten Ansteckungen in Europa stattfanden. In Mexico gibt es sicher noch mehr Fälle – aber keinen einzigen, der in Google nach der spanischen »gripe porcina« sucht – die Ecuadoriner haben da mehr Angst.

Die Schweinegrippe wird im deutschen Web übrigens häufiger genannt als gesucht. So eine richtige Internet-Pandemie ist das aber noch nicht – nach »Michael Jackson« haben mehr gesucht. Aber der war ja auch irgendwie lebensbedrohlich. µ

.

L’Inqs:

Schweinegrippe Deutschland
PONs DeutschBlog
Duden.de
Google Trends Stichwortsuche

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen