Microsoft-Cloud: Klare Kosten, wolkige Partner-Lockrufe

Allgemein

Windows Azure, Microsofts »Windows-Rechenzentrum« im Web, unterbietet Amazon – aber nur ein kleines bisschen. Die Informationen zu Partner-Möglichkeiten sind aber noch etwas wolkig.

Auf seiner Partnerkonferenz in New Orleans nannte Microsoft die Preise für seine Cloud-Computing-Plattform. Microsoft Deutschland veröffentlichte daraufhin erst einmal, man habe neue Partner-Modelle, mit denen auch Entwickler, Wiederverkäufer und Anbieter von Web-Services im Azure-Universum Geld verdienen könnten.

Neben Marketing-Geschwurbel zu Microsofts Web-Diensten Windows Azure, SQL Azure und .NET Services sowie der Nachricht, dass diese zur Professional Developers Conference 2009 im November 2009 erhältlich sein würden, war in der Meldung selbst noch nicht viel konkretere Information zu finden – dazu müssen sich Journalisten, Entwickler und Partner erst einmal weiter durchs große Informationsdickicht kämpfen.

Windows Azure

Informationen und Entwicklerkits zum Anbieten von Azure-Leistungen stehen aber bereits zum Download bereit. Der Aufbau des Ökosystems drumherum kann also schon beginnen!

Und für den Kunden? Ähnlich wie bei Amazon bezahlt der Unternehmenskunde pro Rechenstunde, für den genutzten Speicherplatz und für die laufenden Transaktionen. Das Microsoft-Rechenzentrum ist dabei mit 12 Cent immerhin einen halben Cent pro Stunde billiger als Amazons Service EC2 (Elastic Compute Cloud). Für 1 GByte Speicherplatz sind im Monat 15 US-Cent fällig, 10.000 Transaktionen sind für 1 Cent zu haben. Dabei verspricht Microsoft eine hohe Verfügbarkeit von 99,95 Prozent, bei Storage-Diensten 99,9 Prozent.

Preise für Europa sind noch nicht festgelegt. Und so sind auch die Webdienst-Preise von Microsoft nur für die USA definiert: SQL Azure etwa kostet 10 Dollar im Monat bei 1 GByte Speicher, in der »Business-Edition« mit 10 GByte 100 Dollar.

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Die Nutzung von gehosteten DotNet-Services kostet 15 Cent pro 100.000 Transaktionen. Der Internet-Traffic der MS-Cloud wird noch einmal extra berechnet, 10 Cent pro eingehendem GByte und 14 Cent pro zurückgeliefertem GByte.

Wie sich dies alles mit einem Euro-Kostenmodell umsetzen lässt,  ob Microsoft hierzulande auch Cloudserver betreiben wird, ob die Firma die Dienste per Internet aus den USA liefert oder sie hier mit lokalen Partnern betreiben will, ist noch nicht bekannt.

Die Erklärung, was Azure eigentlich ist, hat Microsoft auf seinen Seiten der jeweiligen Lesergruppe angepasst. Auf den Entwicklerseiten steht, dass es sich um ein »runtime environment in the cloud« handle und Entwicklern ermöglicht werde, Web-Anwendungen über Microsoft-Datenzentren zu hosten, skalieren und mangen.  Auf der Übersichtsseite für alle Azure-Interessierten steht geschrieben, es handle sich um ein »cloud services operating system« (um danach den gleichen Wortlaut anzufügen wie bei den Entwicklern).

Man ist bei MS offenbar Googles Plänen für dessen endgültiges ChromeOS ein ganzes Jahr voraus – und will dabei sein System eher in die Richtung fürs Web drängen, die man zuvor schon mit Windows für den PC innehatte. Wenn man so will, ist hier das Internet der Datenbus und das Microsoft-Rechenzentrum die CPU eines neuen globalen Computers. Das »P« im »PC« passt in globalisierten Internet-Zeiten eben nicht mehr. µ

L’Inqs:
Microsoft Deutschlands Mitteilung zu Azure
Azure für Entwickler
Offizielle Azure-Preisliste

Mirosofts genaue Azure-Erklärung mit vielen Schaubildern als PDF

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