Stützräder für Symbian

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Ein OpenSource-Päckchen von Symbian! Wer hätte das noch geglaubt? Nokias System-Arm steuert aber vorerst auf Nummer sicher mit den Eclipse-Rädchen von IBM, bis das Fahren in der großen weiten OpenSource-Welt halbwegs möglich ist.

Schon lange kündigt Symbian an, sein relativ sicheres Handy-Betriebssystem freizugeben für die OpenSource-Gemeinde. Lange ist aber nichts passiert und so konnte sich Google mit Android breitmachen und Apple die Entwicklergemeinde für sein iPhone erobern.

Haupt-Aktionär des in London beheimateten Symbian-Konsortiums ist Nokia, und Gerüchte über ein Android-Modell vom Smartphone-schwächelnden finnischen Anbieter wurden energisch abgestritten.

Nokias »Geschöpf« Symbian hat wohl eingesehen, dass man etwas tun muss, um nicht noch mehr Marktanteile an den Internet-Smartphones und an Glaubwürdigkeit in der OpenSource-Community zu verlieren.  Redakteure von Gizmodo, PC Professionell und eweek haben in ihrem gemeinsamen Podcast vergangene Woche schon ordentlich gelästert, obwohl sie die Stabilität des Systems wohlwollend betrachteten. Doch es hilft nix: Nokia und Symbian stürzen bei den Smartphones ab, Marktforscher sagen sogar, dass das iPhone den Handy-Marktführer bis 2014 überholen wird.

Die ersten zögerlichen Schritte in die offene Welt wagt Symbian nun erst einmal bei der Security-Software für sein System. Symbian-Entwickler Craig Heath brabbelt im Symbian Security-Blog glücklich aus: »Ja, ich kann auch OpenSource!« und »Ich veröffentliche sogar Quellcode!«.

Niedlich, er Kleine, gell? Das Fahren lernt er erst einmal mit Stützrädern von Big Blue, also mit der Eclipse Public Licence (EPL). Na, immerhin ist es das erste Softwarepaket, das von der geschlossenen Symbian Foundation License (SFL) zu einer offenen Plattform geschoben wird. So etwas Schweres wie das Fahren unter GNU traut sich der kleine Symbian ja noch nicht zu. Sei tapfer, du kannst das!

Mit diesen IBM-Stützrädern könne das Sicherheitspaket erstmals die britischen Exportbeschränkungen umschiffen, sagt der Kleine stolz  (okay, ein schiefer Vergleich, denn Schiffen mit dem Fahrrad ist schwer – aber Kindern gesteht man doch einiges zu im Rahmen der Kreativitäts-Entwicklung!).

Im Ernst: Nach britischen Gesetzen darf »öffentlicher« Code ohne Export-Kontrollen ausgeführt werden. Also darf man auch das ganze Kryptographie-Gekröse auf diese Weise exportieren.

Bis auch das ganze Symbian-Kernel offen wird, dauert es sicher noch ein paar Monate. Und um es Eclipse-tauglich zu machen, müssen wahrscheinlich noch ein paar größere Stützräder gebaut werden. Vielleicht ein halbes Jahr? Symbian verspricht, alle sechs Monate eine neue Version seines Betriebssystems zu veröffentlichen – vielleicht ist die nächste schon offen. µ

L’Inqs:
Symbian-Blog: Security als Open Source
Big Blue-Stützräder: Eclipse
Inquirer UK entdeckt Symbians erstes OpenSource-Päckchen
Nokia und ein Android-Handy?
»Igitt, wir machen nur nur Symbian!«

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