Milliarden-Outsourcing: Schweden dürfen jetzt alte US-Netze steuern

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Ericsson steuert jetzt Sprints alte Netze: Outsourcing im Wert von 4,5 bis 5 Milliarden Dollar nimmt dem US-Telekommunikationskonzern Sprint die Qual der alten Netze. Wir vermuten: Das eingesparte Geld wird Sprint vor allem in die neuen digitalen Highspeed-Netze stecken.

Europäer sind gut, um uralte Traditionen hochzuhalten. Das muss sich wohl das Sprint-Management gedacht haben, bevor es entschied, auf diese Weise Kosten zu sparen. Am Freitag gab der Konzern bekannt, seine Netzwerk-Operationen komplett an Ericsson auszulagern – 6000 Sprint-Angestellte gehen mit zu Ericsson.

Das erinnert an die Deutsche Bank, die einst ihre komplette IT-Abteilung auslagerte (und nach Aussagen von Insidern dann doch nicht so ganz zufrieden war mit dem, was IBM seinerzeit lieferte – aber niemand hat damals laut gesagt, dass die Mitnahme der alten Mitarbeiter und ihrer Kostenstrukturen vielleicht Gründe für die Unzufriedenheit gewesen sein könnten).

Wie dem auch sei: Ericson hat Erfahrung mit Netzen und Service dazu und es ist zu erwarten, dass die relativ kosteneffektive schwedische Art die Amerikaner langfristig noch ein paar Arbeitsplätze kosten wird.

Sprint ist fein raus: Geld gespart, Arbeit gespart und Ärger mit Gewerkschaften schon im Voraus vermieden. Diesmal aber läuft der Outsourcing-Deal ein wenig anders, denn offenbar hat man aus den Fehlern der anderen gelernt. Sprint behält Kontrolle und Eigentum des gesamten Netzes, Ericsson kann sich auf Netzwerk-Wartung konzentrieren: Die CDMA-, iDEN- und Wireline-Netzwerke des Telekom-Konzerns werden nur technisch von Ericsson gemanagt. Und die (bald ehemaligen) Sprint-Angestellten werden zwar Ericsson-Mitarbeiter, bleiben aber da wo sie sind.

Damit hat Sprint eine Art kostenreduziertes Zwischenlager für seine 6000 Service-Mitarbeiter, die man ja gerne behalten würde, aber in Zeiten der Krise nicht mehr bezahlen kann – das Telekommunikations-Unternehmen hatte in diesem Jahr schon 8000 Stellenstreichungen angekündigt.  Zieht man diese und die ausgelagerten Jobs ab von den 56.000, die Sprint noch Anfang des Jahres hatte, sind plötzlich nur noch 42.000 zu bezahlen.

Sprint kann sich damit mehr auf den Ausbau von Netzen und Diensten der nächsten Generation konzentrieren. Seine auf Clearwire ausgelagerten WiMAX-Investitionen fürs drahtlose Internet, zusammen mit Intel, Google und anderen, haben sich ja auch noch nicht ausgezahlt. Da hilft eben vorerst nur: Teures zwischenlagern, bis die Krise vorüber ist. Ein Telekommunikations-Haus mit Hoffnung? µ

L’Inqs:
TGDaily: Sprint’s Now-Network now in Ericsson’s hands
Sprints Meldung zum Deal mit Ericsson

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