ChromeOS: Alles nur geklaut?

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Google nennt die Hardware-Partner für sein neues Netbook-Betriebssystem. Und schindet damit  mächtig Eindruck. Aber irgendwie fehlt da einer: Dell. Es scheint so, als ob der Hersteller lieber abwartet und mit Microsoft im Boot sitzt – denn MS hat schon länger ein Browser-Betriebssystem in Planung: Codename »Gazelle«.

Gut, alle haben gestern über Googles ChromeOS berichtet – ein kostenloses Web-Betriebssystem, das wohl noch den Kaufpreis von Netbooks senken wird und Googles Cloud und Services zum Zentrum des User-Handelns macht.

Nicht lange wartete Google-Vize Sundar Pichai ab, um klarzustellen, wer mit von der Partie ist. Und veröffentlichte es im Google Blog: Acer, Adobe, Asus, Freescale, Hewlett-Packard, Lenovo, Qualcomm, Texas Instruments, und Toshiba – »und andere«.

PC-Professionell-Macher Daniel Dubsky mutmaßt, dass Softwarehersteller Adobe unter all den harten Jungs von der Rechnerproduktion steht, weil die Installation von Flash auf ChromeOS vielleicht nicht geeignet für den einfachen Linux-inkompetenten Nutzer ist.

Hinter den Link zum Google-Blog fügte Michael Pietroforte in seinem Blog »4sysops.com« noch die ketzerische Frage an: »Und Dell?«

Was den Inquirer wieder zu neuen Gedankensprüngen anstachelt: Ist Dell vielleicht mit Microsoft-Plänen verbandelt, dessen eigenes Web-Betriebssystem »Gazelle« weiterzuentwickeln? Gazelle ist schon seit einiger Zeit in der Entwicklung, ohne großes Medien-Brimborium. Microsoft Research veröffentlichte schon im Februar ein PDF zu den Plänen. Zu den Problemen der Architektur eines Web-Betriebssystems schrieb Microsoft-Mitarbeiterin Janie Chang Ende Juni einige Punkte auf, die sich jetzt in Googles Web »Chromium« in ähnlicher Form wiederfinden. Die Architektur der beiden Websysteme ist durchaus verwandt.

Die Vermutung von Gizmodo-Autorin Jaqueline Pohl, Gazelle sei die Antwort auf Googles ChromeOS, liegt damit völlig daneben – es ist wohl eher andersherum.

Doch, so vermutet es Gartner-Marktbeobachter Ray Valdes, könnte sich nun das Muster von 2003 wiederholen. Damals schon hatte Microsoft ein Office geplant, das Realtime-Collaboration erlaubte – also in etwa das, was später Google mit seinem Online-Office umsetzte. Das Microsoft-Projekt erblickte nie das Licht der Welt. µ

L’Inqs:
Google zu seinen Partnern
PC-Professionell über ChromeOS-Partner
Microsoft-PDF zu Gazelle
Gizmodo zu »Microsofts Antwort«
MS-Frau Janie Chang über die nötige Architektur von Web-Betriebssystemen
Chrome-Entwicklerblog »Chromium« mit technischen Daten
Gartner-Marktbeobachter Ray Valdes zu Microsofts Irrwegen

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