Einen hinter die Binde kippen: Telekom spendiert VDSL für Vodafone und 1&1

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Als wir die Pressemitteilung der Telekom unter den hunderten täglich eintreffenden herausfischten, hatten  es die Spatzen längst von allen Dächern gepfiffen, genauer gesagt von allen Websites (zum Beispiel Tom’s Hardware Guide schon gestern): Die Deutsche Telekom einigte sich mit 1&1 und Vodafone über ein »VDSL-Vorleistungsangebot«. Schön gesagt, doch im Vorfeld gab es durchaus viel Hickhack.

Soll heißen:  Das superschnelle Netz der Telekom, das bereits Befürchtungen einer zu hohen Marktmacht der magentafarbenen Telekomiker ausgelöst hatte, kann schon in den nächsten Monaten von anderen wiederverkauft werden wie bisher schon die DSL-Anschlüsse. »Der Telekom fleißigster Wiederverkäufer«, die United Internet (1&1), musste nur »eine Einigung« erzielen, mit Vodafone hat man dann doch noch besser einen Vertrag unterzeichnet.

Im Vorfeld des VDSL-Ausbaus gab es viele Hindernisse. Die Mitbewerber wollten die Telekom zwingen, ihre Leitungsrohre und Leitungen zu benutzen. Der Betreiber beschwerte sich – im April 2008 blitzte er dann bei der Regulierungsbehörde ab. Die Telekom muss ihre Leitungen zur Verfügung stellen, hieß es, nicht jedoch ihre Leitungsrohre. Seither hat die Telekom fleißig gebuddelt und gebaut, in den meisten Städten gibt es diese 50-MBit-Leitungen bereits.

Ein uns bekannter (auf eigenen Wunsch nicht namentlich genannter) Telekommunikations-Dienstleister: »Die waren so schnell mit dem VDSL-Bau, dass es oft nicht mal die Gemeinden mitbekamen«. DSL habe es an vielen Orten noch gar nicht gegeben, als »die dort schon VDSL verbuddelten und das noch verschwiegen«. Er selbst wollte Breitband-Alternativen in unterversorgten Gebieten mit Hilfe von WiMAX-Masten anbieten, doch gegen die Billig-DSL-Angebote auch wirtschaftlich anzukommen – und dann noch mit schon verlegten Highspeed-Leitungen langfristig zu konkurrieren  – war nicht möglich. Projekt eingestellt.

Im März dieses Jahres schließlich hatte die Telekom ihre Glasfaserleitungen für den Wettbewerb freigegeben – und verhandelt vermutlich seither, denn im ehemaligen Staatskonzern mahlen die Mühlen noch immer langsam. Der Verband der Breitbandanbieter BREKO fand die damaligen Angebote nicht gerade prickelnd, doch Zeit heilt eben alle Wunden!

Die Hintergründe des VDSL-Netzausbaus erinnern an eine Fernsehwerbung für Binden: »Die Geschichte von VDSL ist eine Geschichte voller Missverständnisse«. Für Freunde des schlechten Geschmacks: 1&1, Vodafone und demnächst noch einige andere dürfen sich endlich einen hinter die Binde kippen! Prost! µ

L’Inqs:

»VDSL-Vorleistung«: Pressemitteilung der Telekom

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