US-Richter: Verbietet Links!

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Einer der Richter des obersten US-Berufungsgerichts schreibt in seinem Blog, Links zu Seiten mit geschütztem Inhalt solle man verbieten – um so die Zeitschriften und Zeitungen zu retten.

In einer schönen Serie beleuchtet der Webdienst TechCrunch viele dumme Ideen, die gedruckten Zeitungen und Magazine zu retten, welche derzeit vom Internet »erdrückt« werden. Nach vielen relativ schwachsinnigen Vorschlägen von Zeitungsmachern, Micropayment-Fans, Presseagenturen und anderen Vertretern des Medienkapitalismus ist diesmal ein Richter dran, durch den selbst generierten Kakao gezogen zu werden.

Die mit dem Überleben kämpfende Zeitungsindustrie könne nur gerettet werden, wenn Copyrightgesetze erweitert würden, schlägt »Euer Ehren« Richard Posner in seinem Blog vor.

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Er glaubt, mit Gesetzen den Zugriff auf »copyrighted material« verbieten zu lassen, sei die Lösung und rette den Journalismus. Ja, richtig gehört: Auch Links zu den geschützten Inhalten sollen verboten werden, nicht nur der reine Cut&Paste-Journalismus, welcher auch unserer Meinung nach nicht ganz legal ist.

Aber viele »free riders« würden sich nur am teuer entwickelten Inhalt der anderen bereichern, schreibt Posner. Selbst reine Verlinkungen sollen ohne Zustimmung des Rechte-Inhabers verboten werden. Hallo? Das Verlinken bringt doch Leser, und von Links lebt das Internet!

Nun gut, seien wir mal nicht so böse: Posner sieht so verknöchert aus, dass er sich sicher das Kerzenlicht statt der Glühbirne und den langen Fußweg statt des Flugzeugs wieder wünscht. (»Die Dinosaurier wer’n immer trauriger«, tönt da ein altes Lied aus den 70ern in meinen Ohren.) Wir wollen Posner auf seinem Weg zurück nicht begleiten, denn nach siner Logik müsste man auch das Empfehlen gedruckter Magazine im nicht-digitalen Leben verbieten.

Sagte ich »Spiegel« oder »FAZ«, beginge ich nach »Posner’s Law« einen Gesetzesbruch (was uns wieder an den guten alten Monty-Python-Film »Das Leben des Brian« erinnert, der seinerzeit versteinerte Mythen der katholischen Kirche ungezogen auf die Schippe nahm: Wer das Wort »Jehova« in den Mund nahm, wurde gesteinigt. Wir verlinken also weiterhin und kommentieren ungezogen die verlinkten Fakten – »Jehova, Jehova!« (natürlich digital: »j3h0va, j3h0va!«)). µ

L’Inqs:
Blogpost des Richters: Verlinken verboten!
Erstaunter Nutzer auf Slashdot
Kommentar auf TechCrunch

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