Endlich »schuldig!«: Spammer muss 7 Jahre in den Knast

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Der Spammer Alan Ralsky hat sich nach Jahren des Herumlavierens endlich für schuldig erklärt. Mit seinen Börsenbetrügereien durch Spam-Mails hat er 2004 und 2005 insgesamt 3 Millionen Nettogewinn erwirtschaftet. Haben wir was falsch gemacht mit unseren Berufen?

Nein, denn Ralsky muss für seine Umtriebe nun sieben Jahre sitzen. Sein Schwiegersohn war mit von der Partie und hat bis zu sechseinhalb Jahre Knast vor sich. Und US-Gefängnisse sind nicht so gemütlich wie die meisten deutschen.

Die Spams überzeugten seinerzeit Anleger, in schlechtgehende Aktien von chinesischen Firmen zu investieren – diese “Penny Stocks” seien unterbewertet und würden bald wertvoller, hieß es in den Mails. Kaum kauften die Investoren, stiegen die Aktienwerte tatsächlich, und die Eigner konnten sie mit Gewinn verkaufen – bevor das Kartenhaus zusammenbrach und ratlose Anleger zurückließ.

Die Aktienbetreiber im Reich der Mitte waren Komplizen der Familie Ralsky, wie das FBI nach mehreren Jahren internationaler Ermittlungen herausfand. Die vier Chinesen sehen sich vermutlich bald vor Gerichten der Volksrepublik.

Um die Ursprünge der Mails zu verschleiern, fanden die Ralskys viele Wege, um Adressen zu fälschen, die Herkunft durch Proxys zu verbergen, um Spamblocker herumzukommen, mit psychologischen Tricks Leser zum Klicken zu verleiten, und so weiter. Sogar schnell registrierte Domains wurden für nichts anderes verwendet als Spams zu versenden – kurz nach der Aussendung gab man die Domains wieder frei, der nächste Besitzer konnte sich freuen, auf vielen schwarzen Listen aufzutauchen.

Zu jener Zeit war Alan Ralsky einer der berüchtigsten Spammer der Welt. Heute ist er kleinlaut und gibt seie Schul zu,´. Das Gericht verurteilte nun ihn, seinen Schwiegersohn Scott Bradley und drei ihrer Komplizen. Einer der Konspiratoren (so heißt das in der amerikanischen Juristensprache eben) war John S,. Bown aus Fresno (nicht weit vom Silicon Valley), der Spams über sein Botnet verteilte. Er muss 5 Jahre hinter schwedische Gardinen.

Die Chinesen warten noch auf ihre Prozesse. Viele erwarten, dass dann nicht lang gefackelt wird (Erschießungen fanden übrigens früher im Fußballstadion in Peking statt, man konnte sie aus dem gegenüberliegenden Diplomatentreff »Franks Place« hören. Frank ist mittlerweile umgezogen, die Stadt ziemlich umgebaut, die Erschießungen finden anderswo und etwas ruhiger statt. Wir wissen natürlich nicht, ob das den chinesischen Aktienbetrügern blüht). µ

L’Inqs:
TGDaily berichtet über das Urteil
Wikipedia über Ralsky und seine bisherigen Strafen
Spamhaus-Projekt über Ralsky
Superspammer 2002 selbst “überspammt”

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