Internetsperren: Netzaktivisten rufen zur Arcor-Kündigung auf

Allgemein

»Wegen der aktiven Rolle von Arcor beim Thema Internet-Sperren«  kündigt ein Kunde seinen Vertrag, veröffentlicht seinen Kündigungsbrief im Web und ruft darin indirekt auch andere zum gleichen Schritt auf.

Nach einer erfolglosen Petition  und zwei gegensätzlichen Umfragen zum Internet-Sperrgesetz  zieht ein Kunde von Arcor, die seinen Informationen nach den Internetsperren zugestimmt haben, die Konsequenzen. Ob sich der Name des Kunden-Weblogs als Programm für Arcor erweisen wird. Muss sich noch zeigen:  »Deesaster.org«  hat die öffentliche Kündigung ins Netz gestellt. Das eine e zu viel im Desaster bezieht sich auf den Namen des Blogbetreibers.

Im Brief erklärt »Dee«, er sehe sich gezwungen, seinen Vertrag aufzulösen, weil er die »aktive Vorreiterrolle« Arcors missbillige. »Es ist mir einfach unverständlich, wie Sie die geplanten Internetsperren der Regierung unterstützen können beziehungsweise auch noch so bereitwillig eine aktive Vorreiterrolle übernommen haben, indem Sie noch vor Gesetzesbeschluss einen Vertrag bzgl. solcher Internetsperren unterzeichnet haben«, schreibt er und verlinkt zahlreiche Artikel zum Thema zur Untermalung seiner Begründung..

Das deutsche Gesetz wird bei den Briten bereits »Zensurgesetz« genannt. Wie viele andere in Deutschland bezweifelt auch »Dee«, dass die Einrichtung von Sperren der richtige Weg ist und zitiert dazu den Verein »MissbrauchsOpfer gegen InternetSperren« (MOGIS): »Den Missbrauchsopfern ist damit sicherlich nicht geholfen«.

In seinem Brief an den Provider meint der Netzaktivist zudem: »Unter den über 130.000 Unterzeichnern der Online-Petition gegen die Internetsperren sind sicher auch zahlreiche Ihrer Kunden. Ich kann nur hoffen, dass diese die gleiche Konsequenz wie ich ziehen.« Seine Kündigung hat Dee in einem Blog veröffentlicht, das Mitglied eines Blognetzwerks ist, dessen Mitglieder sich großteils gegen die »staatlich verordnete Zensurinfrastruktur« wenden.

Für Provider wie Arcor ist es indes auch nicht leicht: Auf Druck der großen Mehrheit, die die technischen Hintergründe nicht versteht, muss sich ein Unternehmen manchmal für Dinge entscheiden, die nicht einmal die eigenen Mitarbeiter teilen – lieber ein Heer von 91 Prozent zahlenden Nichtwissern als nur 9 Prozent zahlende Kompetenz. µ

L’Inqs:
Deesaster.org: Öffentliche Kündigung
Inquirer UK zum deutschen Zensurgesetz
Rentnerstift befragt? 91 Prozent für Internetsperren
Provider sahen sich schon im März in die Ecke gedrängt

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