Facebook fegt MySpace vom obersten (US-)Platz

Allgemein

Bei sozialen Netzwerken in den USA haben sich MySpace und Facebook immer um die größte Verbreitung gestritten. Nun hat Facebook wieder einmal MySpace geschlagen. Ein kleiner Trost für MySpace: dessen Werbeinnahmen sind noch drei Mal so hoch. Goodie für Facebook: die Kosten wohl auch.

Da hat Facebook in Deutschland gerade den Prozess gegen StudiVZ verloren und musste mächtig schlucken, doch im Heimatland USA sind Nachrichten wie diese eine Erleichterung der Seelenpein: Facebook hat im US-Amerika wieder seinen ärgsten Konkurrenten MySpace überholt. Das sagt jedenfalls ComScore: Facebook konnte 70,278 Millionen Unique User anziehen, MySpace 70,237 Millionen. Immerhin, ganze 41.000 mehr! Ist das beim ständigen Rennen um den ersten Platz eigentlich maßgeblich?

Nachdem Facebook 2008 einmal geschafft hatte, mehr Nutzer für sich zu gewinnen als MySpace, hatte die Popularität von MySpace danach wieder zulegen können. Doch Facebook hat bei den registrierten Nutzern in den letzten Monaten mächtig aufgeholt. Seit April steht der MySpace-Nutzerzuwachs still – Chef Owen Van Natta gibt zu, dass man zu aufgeblasen gewesen sei. Der Konzern entledigt sich nun eines Drittels seiner Mitarbeiter, um wieder ein kleineres, kreativeres Team zu haben. Offenbar bleiben User-Karteileichen, aber sie steigen zusätzlich bei Facebook ein – weil sich bei MySpace nicht mehr viel Neues getan hatte.

Die glorreichen Tage von MySpace sind trotz höherer Werbeeinnahmen längst vorbei, erklärt Nielsen Online (PDF). Facebook sei weltweit inzwischen der größte Player im Social Networking, heißt es da. In vielen Ländern ersetze man langsam die Rolle von MySpace. Schön und gut, nur in Deutschland kommt Facebook nicht auf die Füße: StudiVZ hat trotz Problemen mit den Geschäftsbedingungen seine Nase eben eher im lokalen Wind.

Nichtsdestotrotz konnte MySpace im Jahr 2008 eine ganze Milliarde Dollar Werbeumsatz generieren, Facebook nur 300 Millionen. Ein großer Teil des Facebook-Appeals sei aber, dass es noch relativ übersichtlich und fast werbefrei sei, schreibt Nielsen. Bei MySpace könne man aber durch kreative Werbeformen, die den Nutzer mit einbeziehen, viel mehr Geld herausholen.

Wie viel Geld das »rein werbefinanzierte« StudiVZ (so die eigenen Seiten) umsetzen konnte, konnten wir auf die Schnelle nicht ausfindig machen. Doch immerhin mischt der Service die Nutzer-affinen und allgemeinen Werbeformen. Da der deutsche Werbemarkt aber derzeit relativ stillsteht und die übliche Sommerflaute gerade erst beginnt, könnte es dem Geldgeber, der Holtzbrinck-Gruppe, möglicherweise trotzdem bald unangenehm werden. Zeit für Facebook, anzugreifen? Nein, große Chancen sehen wir da eher nicht. µ

L’Inqs:
ComScore
Facebook
MySpace
Facebook verliert gegen StudiVZ
MySpace wirft ein Drittel seiner Mitarbeiter raus
Nielsen über soziale Netze und ihre Monetarisierung (PDF)
TGDaily über den US-Wechsel

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