Zeichen und Wunder – Ist WiMAX doch nicht tot?

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Marktforscher behaupteten zwar, die neue Technik LTE würde WiMAX ganz umbringen, und WiMAX-Technik-Produzenten stellten ihre Produktion ein. Doch die Erbauer von WiMAX-Netzen machen unerbittlich weiter. Da könnte sich ja doch noch ein Markt verstecken!

Heute haben die beiden taiwanischen Hersteller Vee Telecom und Global Mobile ihre Kooperationsverträge mit Clearwire unterzeichnet, um Unterstützung beim Ausbau der taiwanischen WiMAX-Netze zu erhalten. Vor allem bei der Kundenabrechnung und bei der Systemintegration sollen die Amerikaner den Taiwanern helfen. Und nebenbei wandern ein paar Dollars, man sagt nur nicht, dass es so etwas Ähnliches wie eine kleine Fusion ist.

Clearwire? Ja, genau die! Die mit viel Brimborium und Geld von Google, Intel, TimeWarner, Sprint und Co zusammengestellte Highspeed-Funknetzfirma deckt inzwischen schon viele große US-Städte mit schnellen Internet-Funkverbindungen ab. Die Technik WiMAX, eine Art »WLAN auf Speed«, kann mit weniger Funkmasten viel mehr Fläche erreichen als die herkömmlichen Mobilfunktechniken und trotzdem schnelle Datenverbindungen liefern. Nur Kabelmodem ist so schnell – aber eben nicht mobil.

Gestern musste sich der Clearwire-Aufsichtsrat den Bankern von JP Morgan stellen, und morgen ist die jährliche Aktionärsversammlung anberaumt. Weltweite Kooperationen wie die heutige sind das Balsam, das die Investoren für brauchen, um ihre Gelder in schweren Zeiten nicht ganz zurückzuziehen. Vee wird Clearwire mit Geld und Service-Verträgen beglücken – das ist genau das, was der umstrittene Verlustbringer Clearwire in den USA benötigt, denn dessen Aktien waren in den besten Zeiten über 13 Dollar pro Stück wert, heute kosten sie gerade mal unter 5 Dollar.

Die Konzentration von Taiwanern und übrigens neuerdings Chinesen auf WiMAX ist nicht erstaunlich, sieht man sich wirtschaftliche Hintergründe an: China hat, zumindest laut Inquirer-Gesprächen mit der TAITRA (Taiwan Trade Organisation) sogar einen »Downgrade« auf WiMAX vorgenommen. Dies soll dem asiatischen Wirtschafts-Austausch förderlich sein und wird von der taiwanischen Regierung finanziell unterstützt – die hatte ähnlich Sprint viel Geld in WiMAX investiert, ein Sprung auf die nächstbeste Technik rechnet sich also nicht.

In Europa warten die arg gebeutelten Telekommunikationsfirmen noch ab – schon UMTS hatte sich nicht gerechnet, weshalb WiMAX hier kaum noch ein Thema ist. Der französisch-amerikanische Zubehörbauer Alcatel-Lucent hatte voriges Jahr seinen Rückzug aus dem finanziell unbefriedigenden WiMAX-Business angekündigt. Der Markt war er übrigens auch schon vor der Wirtschaftskrise schlecht – und Marktforscher hatten LTE (“Long Term Evolution” ist noch schneller) mehr Zukunftschancen gegeben. Und dann kam unvermittelt die Wirtschaftskrise und auch LTE war verschoben.

Im Hsinchu-Technikpark bei Taipei (hier sitzen die meisten Fabriken der taiwanischen IT-Hersteller) findet übrigens ebenfalls am heutigen Dienstag eine Eröffnungszeremonie für das experimentelle WiMAX-Netz statt. Hier sollen alle Equipment-Hersteller ihre Hardware austesten können. Das Clearwire-Management ist auch anwesend, denn hier wird WiMAX-Befürwortern zufolge die Zukunft des digitalen Mobilfunks gebaut. Clearwire will aber in Wirklichkeit etwas lernen: Laut aktuellem Sidecut-Report will das Mobilfunk-Unternehmen für US-Gerätehersteller ein ähnliches Testnetz im Silicon ValleY bauen.  µ

L’inqs:
WiMAX-Verträge in Taiwan
Clearwire bei den Bankern
Clearwires Aktionärsversammlung
Report zum US-WiMAX-Markt

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