Mobile Webdienste am Start

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Apples iPhone und andere Smartphones haben mobile Webdienste auch bei privaten Nutzern populär gemacht. Dirk Spannaus von IBM erklärt, was hinter dem Boom mobiler Lösungen steckt.

Über mobile Internetdienste wird schon seit Jahren diskutiert. Doch hohe Gebühren und langsame Verbindungen haben die Entwicklung bisher behindert. Dirk Spannaus, Autor des nachfolgende Texts ist Managing Consultant und Mitglied von IBMs Technical Expert Council (TEC), . Er analysiert den Trend zu mobilen Webdiensten und erklärt, was Internetanbieter jetzt tun sollten.

In den letzten Monaten überbieten sich Analysten regelrecht mit rapide wachsenden Zahlen zum Wachstum mobiler Datendienste. Viel überzeugender ist allerdings die Zahl der Nutzer im näheren Freundeskreis, die sich neue Telefone und gar Datenpakete zulegen, um zukünftig auch mobil Zugriff auf das Internet zu haben. Nicht wenige davon hätten noch vor einem halben Jahr geschworen, ihr Handy nur zum Telefonieren und für SMS zu nutzen.

Mobile Nutzung nur bei early adoptors
Der große Durchbruch mobiler Lösungen wird spätestens seit der Goldgräberstimmung zu den UMTS-Lizenzversteigerungen in 2000 Jahr für Jahr aufs Neue wiederholt. Dennoch blieb die mobile Nutzung im privaten Umfeld eher beschränkt auf die sogenannten early Adaptors. Diese mussten sich mit einem eingeschränkten Auszug des Internets mit mehr schlecht als recht funktionierenden WAP-Browsern zufriedengeben.

Apples iPhone brachte den Durchbruch für die Nutzung mobiler Webdienste im privaten Bereich. (Foto: Apple)

Die breite Masse hingegen machte erst einmal schlechte Erfahrungen mit dem mobilen Internet, wenn das Handy unbeabsichtigt online ging und die ersten Kilobyte gleich ordentlich Gebühren verursacht haben. Warum hat es eigentlich bis 2008 gedauert, bis der erste Anbieter auf die Idee kam die ersten 30 MByte kostenfrei dazu zu packen?

Apple iPhone brachte den Durchbruch
Den Durchbruch im privaten Umfeld hat unbestritten das Apple iPhone gebracht. Sehr einfach bedienbar eroberte es sich zuerst mit dem Versprechen des uneingeschränkten Internets den Markt. Das iPhone hat dem gesamten Markt einen ordentlichen Schub verpasst. Geräte auf Basis des Betriebssystems Android sind stark im Kommen – die Plattform soll dieses Jahr auf Grund einer Vielzahl angekündigter Geräte sogar noch deutlich schneller wachsen als das iPhone.

RIM hat mit seinen Blackberries ebenso von mobilen Lösungen profitiert und wächst nach eigenen Angaben nun auch im privaten Umfeld deutlich. Auch Palm hat seinen hochgelobten Palm Pre ebenso kurz vor der Markteinführung. Selbst etablierte Plattformen wie Symbian und Windows Mobile haben sich einige der Erfolgskriterien von Apple abgeschaut und kommen demnächst mit ähnlichen Ansätzen auf den Markt.

Anbieter müssen Webdienste optimieren
Was bedeutet das nun für die Anbieter von Webdienstleistungen? Eigentlich könnte es ja ganz entspannt sein, da die neueren Geräte das »normale« Web mit teils sehr guten Browsern ganz gut anzeigen können. Das wird aber nicht reichen: War die Unterstützung des »echten Internets« wegen früherer Erfahrungen eine Grundvoraussetzung für die breite Akzeptanz, lässt sich bei – zugegeben nicht repräsentativen – Umfragen im persönlichen Umkreis eine wachsende Präferenz für native Anwendungen, oder mindestens aber für optimierte Webseiten feststellen.

Der Albtraum der Entwickler
Das ist natürlich der absolute Albtraum für Entwickler – hat doch fast jede Plattform eine eigene oft proprietäre Entwicklungsumgebung. Zukünftige Technologien werden den Unterschied wahrscheinlich minimieren, wer aber heute Anwendungen entwickeln muss, kann darauf nicht warten. Insofern könnte es passieren, dass wir tatsächlich vor der Neuverteilung von Märkten für den mobilen Kanal zum Kunden sind.

Mobile Surfer schauen bei der Auswahl eines Webdienstes verstärkt auf Nutzerfreundlichkeit. Die vielen oft sehr gut umgesetzten, mobilen Anwendungen die heute schon zur Verfügung stehen, machen es im Zweifel auch leicht, neue Lieblings-Internetdienste zu finden und altbekannten Webseiten Lebwohl zu sagen.

»Bei der Umsetzung eines mobilen Kanals muss sich der Entwickler auch in die Situation der Zielgruppe hineinversetzen können.« Dirk Spannaus, Managing Consultant, IBM

Daher wird es nun für traditionelle Anbieter höchste Zeit, die eigene Strategie für den mobilen Kanal auf den Prüfstand zu stellen. Da Deutschland mit der Adaption mobiler Webdienste immer noch ein wenig anderen Märkten hinterher hinkt, ist es jetzt vielleicht auch noch nicht zu spät dafür. Es sind durchaus auch nicht alle Branchen im Zugzwang. Wer aber heute Endkunden mit Webdiensten anspricht, die eine Relevanz für Reisen und Mobilität haben, sollte nicht mehr allzu lang warten.

Die Konzeption mobiler Lösungen
Bei der Konzeption von mobilen Lösungen berät IBM seine Kunden auch bei deren ersten Analysen. Welchen Einfluss hat der mobile Kanal zum Kunden auf mein Geschäftsmodell? Gibt es bereits neue Mitbewerber, die über den mobilen Kanal meine Kunden adressieren? Welche Erwartungen haben meine Kunden an mobile Dienste? Welche Inhalte sollten zur Verfügung stehen? Welche Endgeräte sollten unterstützt werden? Dies alles benötigt Zeit und die Unterstützung durch erfahrene Partner, der dafür bei Bedarf auch bekannte Techniken aus der Produktentwicklung, wie beispielsweise »Persona Design« einsetzen kann.

Es gibt gerade beim Einsatz von neuen Technologien ganz unterschiedliche Anforderungen durch verschiedene Nutzer. Für eine erfolgreiche Umsetzung muss sich der Entwickler unbedingt auch in die Situation der jeweiligen Zielgruppe hineinversetzen können.

Sobald die Ziele feststehen, untersuchen wir zudem verschiedene technische Architekturen und Möglichkeiten, um mit agilen Entwicklungsmethoden beginnend mit ersten Prototypen Schritt für Schritt an der Umsetzung zu arbeiten und bei der Einführung den Erfolg zu messen.

Eins ist sicher, der mobile Kanal wird auch hierzulande in diesem Jahr deutlich wachsen und geht auch ganz bestimmt nicht wieder weg. Die Untersuchung der mobilen Strategie und deren Integration mit bestehenden Kanälen zum Kunden sollte bald in Angriff genommen werden – sonst sucht dieser sich eventuell bald neue Internetdienste für seine mobilen Belange.
(Dirk Spannaus/mt)

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