Tintensäufer: Kindle-Hersteller schluckt E-Ink

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Der taiwanische Hersteller Prime View International hat eine Vereinbarung zum Kauf von E-Ink getroffen. Etwa 215 Millionen Dollar ist der US-Hersteller der Spezialdisplays den Taiwanern wert.

Am Montag war es beschlossen und unterschrieben: Prime View erwirbt E-Ink. In dieser Kombination werden die beiden zur dominanten Marktmacht – oder wie es in deutschen PR-Meldungen heißen würde »zum führenden Anbieter« im E-Book-Markt.

Primeview kauft E-Ink

Hintergründe: E-Ink hatte eine Technik entwickelt, die stromsparend und dabei sogar noch besser für die Augen ist als herkömmliche Display-Technologien. Etwa 20 Hersteller weltweit greifen auf die E-Ink-Technik zurück. Prime View wiederum stellte zunächst Displays her, bis die Firma 2005 durch den Kauf des ePaper-Bereichs von Philips Electronics eine führende Rolle in der Produktion von E-Book-Readern eroberte. Zuletzt baute PVI für Amazon den Kindle. PVI ist bekannt für Innovationen, zum Beispiel für flexible Displays – ob es irgendwann ein flexibles E-Ink-Display geben wird, steht noch in den Sternen, da es sich um zwei völlig unterschiedliche Techniken handelt.

Die Zukunft des e-Book-Marktsegments sieht für beide Firmen rosig aus, denn der Markt prosperiert schon jetzt. 2008 gingen 1,1 Millionen Reader über die Ladentheke, bis 2012 erwartet Marktforscher iSuppli einen Umsatz von 20 Millionen E-Book-Lesern. Schon im März war durch die Ankündigung zahlreicher Geräte (Amazon, Sony, Txtr und andere) dieser Boom absehbar.

E-Ink konnte die Nachfrage nicht befriedigen, heißt es aus Industriekreisen, der Zusammenschluss mit PVI ermögliche eine rasant schnellere Produktion. PVI verlautbart genau das – ab kommende Woche schon werde man sehen, wie man gemeinsam das Produktionsvolumen steigern kann. Finanziell soll die Transaktion erst im vierten Quartal 2009 abgeschlossen sein.

Übrigens: Inquirer-Leser, die (zur Meldung über die Großflächenversion des Kindle) kommentierten, sie würden das Arbeiten mit dem Handy bevorzugen und bräuchten doch keinen teuren E-Book-Reader, sind dem Durchschnittsnutzer voraus: Zumindest aus Sicht der Marktforscher kaufen die meisten Nutzer lieber ein Gerät mit einem klaren Aufgabengebiet als die eierlegenden Wollmilchsäue der Handy-Anbieter; letztere sind Otto Normalverbraucher wohl zu kompliziert. Diese Einsicht wiederum führt zu den verheißenden Marktprognosen für E-Book-Reader. µ

L’Inqs:
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