Französisches Wagniskapital für Technologiegründer

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Venture-Capital-Geber wie die Crédit Agricole Private Equity suchen aktiv nach Firmen, die vielversprechende Technologien bieten. Frank Zscheile erklärt, wie das Unternehmen arbeitet.

»In Deutschland gibt es viele gute Ideen und eine starke Technologieszene«, meint Christian Claussen, Senior Partner im Venture Capital Team der Crédit Agricole Private Equity (CAPE), Paris. Als einer der aktivsten Wagnisfinanzierer im französischen Markt hat CAPE daher Anfang dieses Jahres seinen Investitionsfokus über den Rhein hinweg ausgedehnt.

Gesucht werden Firmen aus den Bereichen IT, Telekom und Internet; gute Chancen auf französisches Wagniskapital haben auch Unternehmen aus dem Bereich Life Science sowie dem Cleantech-Sektor – hier insbesondere Unternehmen, die sich auf Technologien zur Energieeinsparung beziehungsweise Effizienzoptimierung erneuerbarer Energieerzeugung spezialisieren.

Die Homepage der Crédit Agricole Private Equity

Der Schritt nach Deutschland ist für CAPE vor dem Hintergrund der aktuellen Krise umso sinnvoller, weil die Einstiegsbewertungen fallen und sich – was die Qualität der Geschäftsmodelle und Unternehmer angeht – die Spreu vom Weizen trennt. Claussen kennt den hiesigen Markt – er war zuvor zehn Jahre beim führenden deutschen VC-Unternehmen TVM Capital, München, tätig.

Venture-Capitalisten haben Schwierigkeiten beim Fundraising
Auch unabhängig von der Krise stemmt sich Frankreich beim Thema Venture Capital gegen den Trend: Deutsche VC-Gesellschaften haben seit längerem Schwierigkeiten beim Fundraising, weil deutsche institutionelle Investoren (Versicherungen, Banken, Pensionsfonds, Fund-of Funds) traditionell und insbesondere nach dem Platzen der Internetblase 2000 wenig bis überhaupt kein Interesse an der Asset Klasse Venture Capital haben.

Selbst erfolgreiche deutsche VCs, die in letzter Zeit trotz aller Widrigkeiten noch Fonds auflegen konnten, haben fast ausschließlich internationale Investoren und finden in der Regel keinen deutschen »Cornerstone-Investor«. Die Lage in Frankreich ist diesbezüglich weitaus besser, denn zum einen finden sich zahlreiche institutionelle Investoren, die in Venture Capital investieren, zum anderen gibt es die durch Steueranreize der so genannten FCPIs gut erschlossene Quelle der Retailinvestoren.

Crédit Agricole Private Equity verwaltet insgesamt 2,8 Milliarden Euro und gehört damit zu den bedeutendsten Akteuren bei der Finanzierung innovativer KMU-Unternehmen am französischen Markt. Mit 375 Millionen Euro allein im Bereich Venture Capital, hauptsächlich in Form so genannter FCPI Innovation Fonds, investiert CAPE dediziert in junge Unternehmen mit starkem Wachstumspotenzial in den Branchen ITC und Life Sciences. Antoine Colboc, Leiter der VC Abteilung von Crédit Agricole Private Equity: »Deutschland ist für uns ein bislang unerschlossener Venture Capital Markt, den künftig intensiv bearbeiten werden.«

Was Portfoliofirmen haben sollten
Portfoliofirmen von CAPE sollten im Idealfall bereits über eine erste funktionierende Produktgeneration und erste Umsätze beziehungsweise Kundentraktion verfügen.

Christian Claussen war zehn Jahre beim deutschen VC-Unternehmen TVM Capital tätig.

Profitabilität ist dagegen noch nicht erforderlich, viel wichtiger sind überdurchschnittliche Wachstumschancen, die auf differenzierter und gut verteidigbarer Technologie und/oder Geschäftsmodellen basiert. Christian Claussen: »Wir investieren pro Unternehmen bis zu 7 Millionen Euro. Durch angestrebte Syndizierungen kann die Summe aber auch noch deutlich aufgestockt werden. In der ersten Runde sollte der Kapitalbedarf mindestens 750 000 Euro betragen.« Wer Interesse hat, kann sich per E-Mail unter christian.claussen@ca-privateequity.fr melden.
(Frank Zscheile/mt)

Weblinks
Crédit Agricole Private Equity