ARD und ZDF specken Web-Angebote ab

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Die öffentlich-rechtlichen Sender haben neue Konzepte für ihre Online-Angebote vorgelegt, die sie wegen des neuen Rundfunkstaatsvertrags kräftig abspecken müssen. Künftig will man stärker auf Videos als auf Texte setzen, auch wenn die Clips nach einer bestimmten Zeit wieder aus dem Web verschwinden müssen.

Mit einigen Änderungen im Rundfunkstaatsvertrag schränkten die Ministerpräsidenten im vergangenen Jahr die Online-Aktivitäten von ARD und ZDF entscheidend ein. Die Sender dürfen bestimmte Angebote, die zu keiner Sendung gehören, nicht mehr betreiben und müssen TV-Sendungen nach sieben Tagen von ihren Seiten entfernen. Videos zu Großereignissen und von Bundesliga-Spielen sollen sogar schon nach 24 Stunden verschwinden.

Anhand dieser Vorgaben haben ARD und ZDF nun Konzepte eingereicht, welche Inhalte künftig wie lange auf ihren Seiten zu finden sein sollen. Es entspreche zwar nicht dem Wesen des Internets, Inhalte nach einem kalendarischen Muster wieder zu entfernen, sagte ZDF-Intendant Markus Schächter, doch man habe ein schlüssiges Konzept vorgelegt, publizistisch wertvolle Inhalte für festgelegte Fristen im Netz zu belassen.

Alles in allem werden die Web-Angebote kräftig abspecken müssen, was man beim ZDF zum Anlass nimmt, stärker auf Videos zu setzen. »Das Bewegtbild im Internet ist unsere Kernkompetenz. Dafür werden wir den Textanteil deutlich reduzieren und den Videoanteil in den Vordergrund rücken«, erklärte Schächter.

Auch die ARD wird sich einschränken müssen und entfernt die auf einer Negativ-Liste gelisteten Dienste, darunter Spiele und Tarifrechner. »Es geht nicht um den Anspruch, eine Enzyklopädie des Wissens zu sein. Aber es schmerzt nicht nur uns, sondern auch die Nutzer, die – ganz untypisch für das Internet – künftig wohl häufiger bei ihrer Suche erfolglos bleiben«, sagte der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust.

Allerdings kann er dem Ganzen auch Positives abgewinnen. »Durch die journalistische Überprüfung wird das Profil unserer Telemedienangebote noch einmal deutlich geschärft«, soBoudgoust. Denn alle Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender müssen künftig einen Drei-Stufen-Test durchlaufen, der klären soll, ob sie vom öffentlich-rechtlichen Auftrag gedeckt sind, zum publizistischen Wettbewerb beitragen und wie viel sie kosten werden. (Daniel Dubsky)