Mitarbeiterbespitzelung auch bei der Deutschen Bank

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Wie schon bei Bahn und Telekom sind bei der Bank Mitarbeiter bespitzelt worden, will das Handelsblatt erfahren haben. Chef-Aufseher Josef Ackermann muss sich auf einer Aktionärsversammlung heute kritischen Fragen stellen.

»Auch die Deutsche Bank hat jetzt ihre Datenaffäre«, beginnt das Handelsblatt seine Geschichte über Deutschen Kontrollwahn, der sich nach Bahn und Telekom nun auch bei den Deutschen Bankern zeigt.

Allen drei Datenskandalen gemein sei die Einschaltung der Berliner Detektei Network Deutschland als auch der Detektei Argen aus Köln. Die Berliner Firma war auch in den Ermittlungen rund um die Deutsche Bahn als auch denen um die Telekom als Datenanalyse-Spezialist aufgetaucht; das Kölner Unternehmen wiederum hatte in allen Fällen Kontoauszüge und Steuerakten von »Zielpersonen« besorgt. Bei der Deutschen Bank seien selbst Vorstandsmitglieder von der Bespitzelung betroffen.

Hessens oberste Datenschützerin Renate Hillenbrand-Beck fordere laut Handelsblatt jetzt Akteneinsicht von der Deutschen Bank und verlange bis spätestens übernächste Woche einen schriftlichen Bericht zur Affäre. Auch die Finanzaufsicht BaFin untersuche den Fall schon. Unregelmäßigkeiten wären schon bei Recherchen einer externen Anwaltskanzlei und bei einem Routinecheck der Datenschutzbeauftragten der Deutschen Bank aufgefallen.

Ein Mitarbeiter habe das Regierungspräsidium in Darmstadt informiert, das den Datenschutz aller Unternehmen im Bundesland beaufsichtigt. Anders als bei Bahn und der Telekom seien hier nicht alle Mitarbeiter ausgespäht worden – es gehe wohl nur um eine einstellige Zahl von Fällen. Doch auch hier seien Nachforschungen zum persönlichen Umfeld von Einzelnen angestellt worden.

Offiziell waren Vorstände und Journalisten nicht im Visier, einem Mitarbeiter zufolge könnten jedoch hochrangige Mitarbeiter bis hinein in den Vorstand »ungewöhnlich intensiv unter die Lupe genommen worden sein.«

Das Stichwort »Data Mining« nimmt damit eine ganz neue Bedeutung an: Mitarbeiter, die sich in sozialen Netzen tummeln, sollten sich vorsehen, was sie da eigentlich tun, denn spuren im netz sind leicht nachverfolgbar. Schon vor zwei Jahren verfasste ein Datenschutzbeauftragter für uns einen Artikel, wie sich solche Netze ideal für Spionage eignen würden. Eine externe Detektei wie bei Deutscher Bahn, Deutscher Telekom und Deutscher Bank ist da gar nicht nötig – und inzwischen lässt sich ein persönliches Umfeld auch »ergooglen«.  Auf der Tagesordnung für die heutige Veranstaltung stand noch Nichts vom Thema – das ergibt sich dann von selbst und taucht spätestens in den Abendnachrichten auf. (Manfred Kohlen)

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