HP versucht sich mit Touchscreen-PCs

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Das Wall Street Journal meint, HP wolle den erlahmenden PC-Verkauf mit Hilfe von Touch-Screen-Desktops ankurbeln.

WSJ-Reporter Justin Scheck erklärt verzweifelte Versuche Hewlett-Packards, das schleichende Verschwinden des Desktop-PC-Marktes aufzuhalten. Dazu würden alte Ideen wieder ausgegraben. Die inzwischen viel angesagteren Touchscreens könnten die Kunden vielleicht dazu bringen, wieder auf Desktops zu setzen, meint man. Um nebenbei lukrativere Business-Umsätze zu machen und an öffentlichen Plätzen zu demonstrieren, was die Technik alles kann, installiert HP die Touchscreen-Desktops derzeit in Flughäfen und Stadthallen.

Von seinen bisherigen TouchSmart Desktops verkaufte HP vergangenes Jahr gerade mal 400.000 Stück – ein Tropfen auf dem heißen Stein verglichen mit den 54 Millionen verkauften traditionellen Desktops und Laptops, die IDC meldet. Die neue Strategie mit der öffentlichen Zurschaustellung begann erst vergangenen Monat so richtig. In Chicagos Flughafen hat man 40 Stück mit konkreten Anwendungen installiert, etwa den Abruf von Stadtplänen oder Restaurant-Tipps. In Michigan baut man sie ins Stadion, wo Basketball-Fans sie nutzen können, um Spielerstatistiken zu sehen und direkte Zeitlupen-Ansichten des aktuellen Spiels abzurufen.

Dies alles passiere vor dem Hintergrund der anstehenden Bilanzpresskonferenz, schreibt Scheck. HP-Chef Mark Hurd hat am kommenden Dienstag mit der Präsentation der Konzernzahlen eine schwere Aufgabe vor sich: 38 Prozent des Milliarden-Umsatzes von HP wurden im vergangenen Geschäftsjahr mit Desktops erwirtschaftet, und im letzten Quartal fiel der Umsatz mit diesen um 25 Prozent, die Anzahl der verkauften Geräte um 15 Prozent und die Gewinnmarge um 0,8 Prozent.

Die Touchscreen-PCs könnten zumindest beim Gewinn helfen, sagen Aktienanalysten, denn mit den Billigpreisen auf dem gewöhnlichen PC-Markt kann HP bald nicht mehr mithalten. Ein durchschnittlicher Windows-PC ging im März für 531 Dollar über die Theke, will Marktbeobachte NPD Group ermittelt haben. HPs günstigstes TouchSmart-Produkt dagegen gehe noch für einen Listenpreis von 1200 Dollar weg.

Im Touchscreen Desktop-Markt sind inzwischen auch Dell und Asus aktiv, doch HP versucht den Verkauf seiner Geräte dieser Klasse gleich mit Hardware- und Software-Consulting zu bündeln, »damit es den Kunden leichter fällt, sinnvolle neue Verwendungsmöglichkeiten zu finden«. Solche Bündel speziell für Nischenmärkte bietet IBM schon seit langem und reagiert entsprechend amüsiert auf HPs Anstrengungen: »Die sind doch mehr für Konsumenten gedacht« lästert IBM-VP Norma Wolcott über die TouchSmart-Geräte, und findet, sie gehörten eher in die Kühe als an den Flughafen. (Manfred Kohlen)

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