Pfusch bei Grafikchipsets: Sammelklage gegen nVidia

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Eigentümer von Apple-, Dell- und HP-Laptops schließen sich zusammen, um den Grafikchip-Hersteller zu verklagen. Dessen angebliche Problembehebung verhinderte nur das Schlimmste, weil ein BIOS-Update die Chips nur besser kühlte – nicht aber die Fehler beseitigte.

Apple-Notebooks seien nicht betroffen vom Fehler in den nVidia-Chips, hatte der Chiphersteller auf Apples Anfrage noch gesagt. Einige MacBook-Pro-Rechner waren dann doch betroffen von den Grafikprozessoren, die ihren Geist wegen Überhitzung aufgaben. »nVidia hat Mist gebaut«, erklärte Apple dann im Oktober in einem Schreiben an die Kunden und bot auch über die Garantiezeit hinaus einen kostenfreien Austausch an.

So viel Glück hatten die Besitzer der Windows-Notebooks namhafter Hersteller nicht gleich. Nun aber schlossen sich fünf Kläger zur Sammelklage zusammen. Die Eigentümer verschiedener Notebook-Marken wollen Chip-Austausch und Schadensersatz. Dem könnten sich durchaus die gleichfalls geschädigten Rechner-Produzenten anschließen.

Das Unternehmen nVidia, das im vierten Quartal vorigen Jahres und jetzt im ersten Quartal schon Verluste aufweisen musste, sieht sich damit einem neuen finanziellen Problem gegenüber, denn die nicht funktionsfähigen Chipsätze könnten Millionen von Netbook-Nutzern betreffen. nVidia hatte zwar vergangenes Jahr den Fehler zugegeben, doch die 196 Millionen Dollar, die man vorsorglich 2008 für den Austausch beiseite legte, scheinen den Schaden nicht annähernd auszugleichen.

HP und Dell gaben erst die von nVidia vorgeschlagenen BIOS-Updates weiter an ihre Kunden. Diese behoben aber mitnichten den Fehler im Chip, sondern kühlten ihn nur häufiger: Das BOS wurde so verändert, dass der Lüfter einen Überhitzungs-Absturz des Chips verhinderte. Dell und HP verlängerten erst einmal ihre Garantien.

Das aber reichte den Klägern nicht: Dieses Angebot sei absolut inadäquat und würde auf lange Sicht auch Batterielaufzeit, Systemleistung und Lärmbelästigung durch Lüfter mit sich ziehen, steht in der Klageschrift. Die bisherigen Schritte würden vermutlich die Geräte nur über die Garantiezeit bringen, bevor sie dann im Zeitraum »nach dem Service« ganz unbrauchbar würden.

Eine New Yorker Anwaltskanzlei hatte schon im September 2008 Klage eingereicht, weil nVidia den Fehler in Millionen von Chipsätzen geheim gehalten hatte – die Klage ist noch nicht bearbeitet.

Nicht nur den Chips ist ganz schön heiß: Auch das NVidia-Management kommt nun gehörig ins Schwitzen. µ

Computerworld zur Sammelklage
Wall Street Journal zu NVidia-Verlust im ersten Quartal

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