Provider nehmen Kinderporno-Diskussion selbst in die Hand

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Nein, nicht was Ihr denkt! Auch keine eigenen Internetsperren an unserer »Zensur-Ursel« vorbei. Die Provider hoffen vielmehr, mit Beratung die Politik in die richtige Richtung drängen zu können. Dazu haben sie ein Forum »Provider gegen Kindermissbrauch im Internet« gegründet.

»Internetprovider packen an«, formuliert der Internet-Provider Spacenet seine Meldung zur Gründung des ISP-Forums, das helfen soll, etwas vernünftiger mit der Kinderporno-Diskussion umzugehen als dies publicitygeile Politiker derzeit tun. Man würde gerne »die Exekutive wirkungsvoll unterstützen – finanziell und mit Expertenwissen«, schreibt der Provider.

»Boah, ey«, mag der eine oder andere erstaunt ausrufen, »die investieren sogar Geld, um die sinnlosen Maßnahmen der Politiker umzudrehen«. So einfach ist das nicht, und Gegenstimmen dürften behaupten, es handle sich hier nur um eine andere Form des Lobbyismus.

Egal: Die Diskussion »ausgehöhlte Bürgerrechte gegen Aussperrung von Kinderpornos« wird weitergehen, egal wer sich da noch einmischt und öffentlich aufbläst. Die Provider, die sich laut ihrer Meldung »nicht als ausführende Organe vor den Karren der Regierung spannen lassen wollen« wollen »effektivere Wege suchen, um Kindern wirkungsvoll zu helfen«.

Das Forum »Provider gegen Kindermissbrauch im Internet« soll unter Federführung der Münchener SpaceNet AG zusammenfinden – ohne deren Engagement es übrigens auch den Internet-Knotenpunkt DE-CIX nicht so gäbe wie er jetzt ist. In diesem Sinne ist zu hoffen, dass das Forum mit funktionierendem Wissenstransfer Einfluss auf die Politik nehmen kann. Anmerkung der Redaktion: Dazu sind aber lernwillige Politiker gefragt, denn das mangelnde Know-how von Abgeordneten hat schon so manches unsinnige Gesetz durchgebracht.

Spacenet-Chef Sebastian von Bomhard scheint den Schwerpunkt seines Engagements eher in die Unterstützung der Polizeiarbeit setzen zu wollen. Gut so, enn die ist auf jeden Fall nicht so von der Öffentlichen Selbstdarstellung abhängig wie die Politik. Ohne dies explizit zu sagen, heißt es in der Verlautbarung zur Gründung: »Die Mitglieder des Forums verpflichten sich zu konkreten materiellen und immateriellen Leistungen wie Erfahrungs- und Wissensweitergabe«. Bleibt zu hoffen, dass nicht nur die Exekutive profitiert, sondern auch die Legislative sich bei der Gesetzgebung zu Technikthemen beraten lässt. Viel Glück, Herr von Bomhard! µ

Spacenet

Verlautbarung zur Gründung des Forums

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