Wird Oracle die Sun-Hardware abstoßen?

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Durch die überraschende Übernahme von Sun hat Oracle-Chef Larry Ellison eine Reihe wichtiger IT-Komponenten bekommen – auch die Hardware-Produkte. Doch was soll er damit, fragen sich viele Marktbeobachter.

Wenige Tage nach der angekündigten Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle herrscht große Sorge unter den etwa 30 000 Mitarbeitern von Sun. Sie fürchten um ihren Arbeitsplatz. Allen Beobachtern ist klar, Larry Ellisons Motiv für den hilfreichen Schritt der Übernahme waren die Software-Schätze, die Sun in seinem Portfolio hat.

Sun ist in erster Linie eine Hardware-Firma
Doch der Silicon-Valley-Pionier ist nach wie vor in erster Linie eine Hardware-Firma. Gut dreiviertel des Sun-Umsatzes sind »metallgebunden«. Es ist dem lange Zeit von Scott McNealy geführten Unternehmen nie gelungen, aus seinen Softwareschätzen wie Java, Solaris, MySQL und Open Office gewinnbringende Einnahmen zu generieren. Der Software-Umsatz schlägt mit einem Anteil von einem Viertel zu Buche, allerdings auf dem niedrigen Niveau von nur 600 Millionen.

Die künftigen Potenziale der Sun-Software in der Hand von Larry Ellison zu analysieren, ist ein eigenes Thema, über das in den nächsten Monaten noch viel nachgedacht und geschrieben wird. Wenden wir uns zunächst einmal der Hardware-Frage zu.

Der SPARC-Prozessor ist nicht mehr zu halten
Etwa 50 Prozent des Sun-Umsatzes kommen von Unix-Maschinen mit dem Sun-eigenen Sparc-Prozessor, weitere 25 Prozent von Intel-basierten x86-Rechnern. Der Sparc-Prozessor ist trotz seiner unbestreitbaren technischen Leistung industriepolitisch nicht zu halten. Er wird verschwinden wie dies auch mit dem Alpha-Prozessor von Digital Equipment (DEC) geschehen ist. Damit sind auch die Sparc-Rechner mittel- bis langfristig zum Tode verurteilt.

Vieles an diesem Szenario erinnert an DEC und Unisys. DEC ging nach der Übernahme durch Compaq und anschließend durch HP völlig unter. Unisys existiert nur noch, weil es einige wichtige Installationen mit langfristiger Laufzeit wie etwa Reservierungssystem gibt.

Sun-Mitarbeiter machen sich Sorgen
Die Mitarbeiter von Sun, viele davon »Hardware-Worker« machen sich also zu Recht Sorge. Denn die meisten Projekte laufen künftig auf Intels Industriestandardplattform. Dafür gibt es Rechner von vielen Anbietern. Warum also sollte sich Larry Ellison mit hauseigener Hardware belasten? Das wird er nicht tun. Anders als Scott McNealy ist er ein Software- und Service-Mann und genau damit extrem erfolgreich.
(Rudi Kulzer/mt

Weblinks
Oracle
PCpro-Bericht über Oracle-Sun