Nur Brasilianer haben mehr Sicherheitsbedenken als die Deutschen

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Obwohl die Deutschen die höchsten sicherheitsbedenken von allen Befragten haben, fühlen sie sich bei Finanzen und persönlicher Sicherheit sehr wohl. Nur die Brasilianer fühlen sich unsichererer.

Der IT-Dienstleister Unisys will regelmäßig den Blick über den Tellerrand wagen und befragt in seiner “Security Index Studie” die Bevölkerung nicht nur zur Computersicherheit: Auch ihre Sicherheitsbedenken in Bezug auf Finanzen, sozialpolitisches Umfeld, Terrorismus und Gesundheit stehen im Blick der Umfrage, die die Liebermann Research Group weltweit für Unisys durchführte.

Ergebnis: Die Deutschen reagieren ängstlich, aber nicht hysterisch. Der Gesamt-»Furcht«-Index für Deutschland betrug laut Unisys Ende Februar 2009 ganze 169 Punkte und ist damit im Vergleich zur letzten Erhebung im Herbst 2008 (Indexwert 160) um lediglich 9 Punkte angestiegen – trotz der gegenwärtigen Finanzkrise.

Europa habe einen durchschnittlichen Indexwert von 127 – je höher die Zahl, desto höher die Sicherheitsbedenken. Die Zauderer in Deutschland hätten der Studie zufolge seit jeher die höchsten Bedenken im Vergleich zum restlichen Europa und den USA. Nach den Deutschen folgen die Spanier mit den zweithöchsten Sicherheitsbedenken (Index 151), gefolgt von den Briten (135), Belgien (96) und den Niederlanden (86 Punkte). Mehr Angst als wir haben derzeit wohl nur die impulsiven Südamerikaner.

Im Detail: Hierzulande hat man die größte Angst bei Datenschutz und Kreditkartenmissbrauch. 81 Prozent der befragten Deutschen hatten extreme oder große Angst vor dem Diebstahl und Missbrauch ihrer persönlichen Daten, nur sechs Prozent sind überhaupt nicht besorgt (August 2007: 12 Prozent, September 2008: vier Prozent). 76 Prozent haben Angst vor Kreditkartenbetrug. (73 Prozent im September 2008).
Weniger besorgt als bei IT-Sicherheit ist man hier übrogens bei den Finanzen: 41 Prozent der Deutschen sind stark besorgt, ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen zu können (2008: 33 Prozent), also weitaus weniger, als das Unisys-Management erwartet hatte. Die Datenschutzbedenken sind im Verhältnis dazu doppelt so groß (Anmerkung der Redaktion: Und das, obwohl viele Bürger in einer Art Seelenstriptease alles über sich in sozialen Netzen ausplaudern, offenbar ohne Datenschutzbedenken.)

So eine Studie macht ein Dienstleister natürlich vor allem, um Services zu verkaufen und zu belegen, wohin man sie verkaufen kann. Und so schreibt Unisys-Deutschland-Chef Dietrich Schmitt in seiner Pressemeldung: »Kriminelle wollen aus der gegenwärtigen Verunsicherung vieler Konsumenten Kapital schlagen – insbesondere über das Internet« und nennt auch seine Schlüsselkunden: »Vor allem Banken und Finanzdienstleister müssen jetzt alles tun, um das Vertrauen ihrer Kunden zurückzugewinnen. Dazu gehören hohe Sicherheitsmaßnahmen zum Daten-, Identitäts-, Kreditkarten- und Geldkartenschutz«. Logisch, dass der Dienstleister sie »mit umfassenden Sicherheitskonzepten, Technologien und deren Umsetzung« unterstützen will.

Kann er wsicher, daskostet aber auch ein paar Euro. Aber ist das Geld für diese Dienste noch da bei den Banken?

Unabhängig von der Intention hinter der aktuellen Studie: Weltweit wurden 8.500 zufällig ausgewählte Personen über 18 Jahre befragt, davon in Deutschland 957. Und wer sich die internationale Auswertung ansieht, merkt: Wir Deutschen entsprechen dem Bild, das man von uns hat: Wir haben wahnsinnig viele Bedenken und Ängste, aber (Zitat) »der deutsche Michel macht einfach alles mit« – und fühlt sich recht sicher. Nur die Brasilianer haben mehr Bedenken – auch bei der IT-Security. Das haben wir nun nicht so erwartet.

Die vollständigen Daten der Security Index-Studie stehen übrigens auf www.unisyssecurityindex.com. Hier kann sich jeder seine Belege für die eigenen Vorurteile herausklauben. µ

Unisysys Security Index

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