Zensur-Ursel im Glück?
Das Admin-Wort der Woche KW 17/2009

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Technisch weitgehend sinnlos, moralisch fragwürdig, gekommen sind sie trotzdem: Ungetrübt von jedweder Fachkenntnis hat Ministerin von der Leyen ihr neuestes Steckenpferd durchgeboxt.

Admin-Wort der Woche KW17/2009 – Zensur-Ursel im Glück

Liebe Frau von der Leyen,

hiermit möchte ich Ihnen zu Ihrem neuesten Schildbürgerstreich gratulieren. Sie haben es geschafft, die von der Fachwelt – den ein oder anderen schmierigen Karrieristen aus dem BKA zählen wir natürlich nicht dazu – einhellig als weitgehend sinnlos eingestuften Internetsperren einzuführen. Aktuell liegt der Rekord übrigens bei 27 Sekunden um ‘Ihre Supersperre auszuhebeln. Trotzdem, soviel Hartnäckigkeit imponiert mir und vielleicht überzeugt es ja den ein oder anderen Deppen im CDU-Kreisverband, Ihnen weiterhin die Treue zu halten. Bis zu den Wahlen ist es ja – so ein Zufall übrigens – nicht mehr weit hin.

Irgendeinen Stuß durchsetzen und dabei erhebliche Ressourcen sinnlos zu verpulvern, finde ich allerdings nicht sonderlich skandalös. Das passiert in Berlin alle Tage, irgendwie muss man ja das Stimmvieh vor der Glotze bei Laune halten. Tiere, Tote, Titten, Tränen, das lässt sich auf dem Boulevard, wie Sie als ehemalige Bild-Kolumnistin sicher wissen, immer gut verkaufen. Der eigentliche Skandal liegt ganz wo anders.

Ich versuch’s mal mit einem Vergleich, den vermutlich sogar Sie verstehen, denn er kommt ganz ohne Computer aus. Nehmen wir einmal an, Sie haben einen Garten. Den müssen Sie immer durchqueren, um ins Haus zu kommen. Jetzt ist dieser Garten aber komplett zugewuchert mit Brennesseln und allerlei anderem bösartigem Unkraut, Jedesmal wenn Sie durch den Garten müssen, verbrennen Sie sich böse an den Brennesseln, was ja keine schöne Sache ist. Jeder verständige Mensch würde sich irgendwann ein paar Handschuhe anziehen und dieses Unkraut mit Stumpf und Stiel ausradieren, damit die Plage endlich ein Ende hat. Damit man selbst und die Familie in Frieden leben kann. Nur Sie, Sie machen was ganz anderes. Sie gehen zur Apotheke und kaufen sich eine Salbe. Die man jedes Mal auf’s Neue auf die Brandblasen auftragen kann. Es kühlt so gut, da kann das Unkraut fröhlich weiter wuchern. Jetzt mal unter uns Pastorentöchtern: Finden Sie das eigentlich besonders clever?

Ihre Internetsperren sind nichts anderes als eine besonders perfide Form des Wegguckens. Öffnen Sie mal Ihre Augen und unternehmen Sie endlich einmal etwas gegen das Problem, statt es außer Sichtweite zu filtern! In den Nachbarländern, die schon länger Internetsperren haben, sind die entsprechenden Server zwar gefiltert, laufen aber seit Jahr und Tag munter weiter. Da sind auch einige Server aus Deutschland dabei. Und Sie tun nichts dagegen. Das, liebe Ursel, ist staatlich geförderte Beihilfe zum Kindesmissbrauch und Sie als Familienministerin tragen dafür politische Verantwortung.

Viele Grüße, Ihr

Sascha Steinhoff


Der Autor

Sascha Steinhoff lebt und arbeitet als freier Journalist in Bangkok und München. Er veröffentlicht zu den Themen Business-IT, Administration und Fotografie. Sein aktuelles Projekt ist die Webseite www.scanguru.info, die sich der digitalen Archivierung analoger Dias und Negative widmet. In seiner Zeit als Verantwortlicher für den Netzwerk-Teil der gedruckten Ausgabe der PC Professionell sammelte er zahlreiche Einblicke und Kontakte in die Welt der Administratoren.