Cloud Computing für Anfänger

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Alle reden darüber, richtig Bescheid wissen aber nur wenige. Daniel Prokop vom Netzwerkspezialisten Ciena liefert das Grundlagenwissen über Cloud Computing.

Verfolgt man Trendanalysen und die Berichterstattung über Entwicklungen in der IT, kommt man zur Zeit an einem Thema kaum vorbei: Cloud Computing. Auch wenn es nach Einschätzung der Marktforscher von Gartner noch einige Jahre dauern wird, bis Cloud Computing wirklich die volle Marktreife erreicht und sich zu einem etablierten IT-Produkt entwickelt hat, ist der Trend schon klar absehbar.

Der Markt befindet sich in einer aktiven, wachstumsträchtigen Phase mit viel Potential. Deswegen empfiehlt Gartner Unternehmen »mit einer technologisch offensiven Anwendungsentwicklung«, Cloud Computing für taktische Projekte bereits bis zum Jahr 2011 in Betracht zu ziehen.

Doch was steckt eigentlich hinter diesem Ausdruck? Wie relevant sind die Entwicklungen für Unternehmen? Was gilt es zu bedenken? Wer einen Umzug einzelner Komponenten der Unternehmens-IT in die Wolke plant, sollte sich auch mit möglichen Nebenwirkungen auseinandersetzen.

Was ist Cloud Computing?
Der Ansatz stellt die Cloud, also das Internet, in das Zentrum der IT-Infrastruktur eines Unternehmens. Das Internet wird auf Schaubildern oft als Wolke dargestellt, so kam es zu dem Namen. Daten und Dienste vom eigenen Rechenzentrum werden also in diese Wolke verlagert, dadurch kann die Auslastung vorhandener Ressourcen optimiert werden.

Die inzwischen allgemein verfügbaren hohen Bandbreiten und der immer einfachere Internet-Zugang über mobile Endgeräte sind beides Antreiber für die Auslagerung der IT in die Cloud. Die Vorteile des Cloud Computing liegen gerade in Krisenzeiten auf der Hand – wie beispielsweise die theoretisch unbegrenzte Skalierbarkeit der Dienste und die Option, IT-Services rasch an veränderte Anforderungen anzupassen.

Die Vorteile von Cloud Computing
Im Grunde handelt es sich bei der Virtualisierung der Computing-, Speicher- und Netzwerk-Infrastruktur um das Kernelement von Strategien hin zu Next-Generation Rechenzentren: höhere Auslastung und Effizienz und kein Ärger mehr mit veralteter Hardware im Haus. Sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht ergibt ein solcher Umzug durch das Plus an Effizienz Sinn.

IT-Kapazitäten für kleinere Unternehmen
Auch kleinere Unternehmen können je nach Bedarf IT-Kapazitäten hinzuholen und in der virtuellen Welt genauso gut aufgestellt sein wie ein Großkonzern. Für den Nutzer ist dieser Wandel idealerweise nicht bemerkbar und mit Vorteilen, wie gesteigerter Mobilität verbunden.

Seine Daten werden aktuell aus der Cloud bereitgestellt, anstatt von der Festplatte oder vom Unternehmens-Server gezogen zu werden und der Mitarbeiter blickt über sein Endgerät auf einen stets aktuellen Datenbestand – egal, ob vom PC oder mobil von seinem Smartphone. Diese Vorzüge werden laut einer IDC-Umfrage deutliche Auswirkungen auf die weltweiten Ausgaben für Cloud-Dienste haben. Diese sollen sich bis zum Jahr 2012 auf 42 Milliarden Dollar verdreifachen, zehn Prozent der gesamten IT-Ausgaben.

Die Hürden für Cloud Computing
Wer Teile seines Rechenzentrums auslagert und auf den Anbieter eines Cloud Computing-Dienstes baut, gibt natürlich auch ein wenig Kontrolle ab. Die Daten und Dienste sind nicht länger lokal gespeichert und der Datentransfer wird ins Web verlagert.

Die Internetverbindung, die gleichbedeutend mit Zugang zu den Diensten und Lösungen ist, wird dadurch zum entscheidenden Element der Unternehmens-IT. Mit der Wichtigkeit der ausgelagerten Anwendungen steigt die Bedeutung der Verbindung. Der Dienstanbieter wird also indirekt zum Anbieter des Anwendungs-Zugangs. Das Unternehmen muss sich darauf verlassen können, dass jederzeit eine zuverlässige und leistungsstarke Verbindung besteht.

Die Konsequenzen für Unternehmen
Anbieter müssen ihre Netzwerk-Architektur und die Modelle zur Bereitstellung ihrer Dienste neuen Anforderungen anpassen. Die optimierte Architektur muss flexibel sein und die Kapazitäten bieten, rasch auf Kundenanforderungen reagieren zu können und die Zeit zwischen Auftrags- und Ertragseingang zu minimieren. Das ist nur möglich, wenn die Netzwerk-Ressourcen dynamisch und mit minimalem personellem Aufwand umkonfiguriert werden können. Ein Rechenzentrum der nächsten Generation muss flexibel und On-Demand reagieren können.

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Investitionen in ältere Infrastruktur
Auf Grund der bisherigen Investitionen können ältere Infrastrukturen nicht einfach ersetzt werden. Gleichzeitig zeichnet sich aber auch ab, dass traditionelle Netzwerkstrukturen und Bereitstellungsmodelle die rasanten Entwicklungen nicht mehr lange tragen können. Es ist daher entscheidend, dass alte Dienste und Datenverkehrsarten auch während eines graduellen Umzugs weiter unterstützt werden und den allmählichen Übergang zu einer flexibleren und wirtschaftlicheren Infrastruktur der nächsten Generation gewährleisten.

Es gibt keine Patentlösung. Entsprechend der verfügbaren Infrastruktur und dem Bedarf an Bandbreiten können Lösungen sehr unterschiedlich aussehen.

Laut einer neuen Studie der McKinsey Group kann eine softwaregestützte Netzwerk-Architektur bei der Erstaufstellung von Diensten die Probezeit und Zeit der Bereitstellung um 20 Prozent reduzieren, bei einer Optimierung der Leitungen (Bandbreite, Servicetyp, Quality-of-Service, etc) sogar um bis zu 70 Prozent. Gewissenhafter Planung und Netzwerk-Expertise kommt daher entscheidende Bedeutung zu. Man muss sich gezielt nach Anbietern umsehen, die ein umfassendes Portfolio bereitstellen und dieses stufenweise einrichten können, wenn Weiterentwicklungen des Netzwerks nötig werden.

Die Voraussetzungen für Cloud Computing

Grundsätzlich müssen Netzwerke dynamischer und verstärkt softwaregesteuert werden.
Drei Punkte sind hierbei entscheidend:

Time-to-market
Netzwerkanbieter müssen in der Lage sein, ihre Dienste schnell zu entwickeln, zu aktivieren und bereitzustellen. Dies ist besonders relevant in Metro- und Access-Netzwerken.

Differenzierung von Diensten
Anbieter müssen ihre Dienste über Service Level Agreements (SLAs) abgrenzen, um verschiedene Anforderungsprofile zu identifizieren und im Endeffekt mehr Umsatz pro Kunde zu erzielen. Dafür müssen Dienstanbieter ein erhöhtes Service-Denken entwickeln, damit sie eine verbesserte Abstufung ihrer Dienste, beispielsweise über QoS, bieten können.

Flexibilität
Dienstanbieter müssen ihre Netzwerkkapazität ohne großen Aufwand bereitstellen und skalieren können, um dynamisch auf unvorhersehbare Schwankungen in der Nachfrage zu reagieren. Niemand kann mit Sicherheit sagen, welches Gerät, welche Anwendung oder welcher Dienst der nächste große Cloud-basierte »Bandbreitenfresser« wird.

Dienstanbieter benötigen in einer Cloud-dominierten Ära eine völlig neue Herangehensweise – weg vom heutigen Modell des einfachen Bereitstellens von Anwendungszugängen, hin zu intelligenten, automatisierten und dienstleistungsorientierten Netzwerken. Damit die beteiligten Unternehmen aus den neuen Diensten Kapital schlagen können, muss sich die Infrastruktur weiterentwickeln, um sich den durch Cloud Computing getriebenen Innovationen und Änderungen flexibel anzupassen.
(Daniel Prokop, Account Manager, Ciena EMEA/mt)

Weblinks
Ciena Deutschland
ITU-Report über Cloud Computing