Kein Aprilscherz: Qimonda startete heute das Insolvenzverfahren

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Auch, wenn die wochenlange erfolglose Investorensuche das Amtsgericht München dazu brachte, heute doch offiziell das Insolvenzverfahren auszulösen: Der Insolvenzverwalter Michael Jaffé gibt nicht auf, doch noch einen Goldesel zu finden.

Mitarbeiter der gestrauchelten Infineon-Tochter glauben nach Start des Insolvenzverfahrens selbst nicht mehr daran, dass es weitergeht. Selbst die derzeit fleißigen Investoren aus Dubai kommen nicht mehr in Frage: Erst hatten sie AMDs Chip-Produktion übernommen, nun investieren sie Millionen in Internet-Domains wie preisvergleich.de. Einen Speicherproduzenten aber traut sich derzeit wohl niemand zu.

Investorenmangel
Schon im Januar musste man Insolvenz anmelden und gab sich Zeit, Investoren zu finden, um aus der Zahlungsunfähigkeit herauszukommen. Doch auch aus China und Taiwan kam wohl ein definitives Nein, behaupten jedenfalls Qimonda-Mitarbeiter gegenüber eweekeurope.de – die wollen aber »in der derzeitigen Situation« ihre Namen nicht nennen. Das passt gut zusammen mit den Absagen von drei russischen Interessenten, über die die Sächsische Zeitung kürzlich berichtet hatte. Diese nannte zwar Namen, die jedoch bei Qimonda niemand bestätigen wollte.

Letzte Zuckungen?
Die Noch-Beschäftigten verlieren nun ihr Recht, vom Insolvenzgeld noch etwas zu bekommen – sie müssen in Transfergesellschaften, wo sie immerhin noch drei Viertel ihres vorherigen Nettolohnes bekommen. Nur eine kleine Kernmannschaft in der Entwicklung soll bleiben und die Produktionstechnologie »Buried Wordline« fertigentwickeln. Alle Blicke auf mögliche Investoren beruhen auf dieser Technik, welche die Produktivität vervielfachen soll. Vielleicht warten die Finanzgeier nur noch auf den bestmöglichen Moment, die vollendete Technik mit nur noch wenigen Mitarbeitern zu übernehmen. (Manfred Kohlen)

Meine Meinung: Beim schon Jahre andauernden Preisverfall von Chips und speziell von Speicherriegeln mitzuhalten, ist der oft langsamen deutschen Industrie nicht möglich – hierzulande will man immer alles perfekt machen, und bis man fertig ist, hat man den Markt längst hinter ich gelassen. Wohl deshalb habe Siemens realistischerweise erst Infineon und diese Firma dann die Speichersparte Qimonda ausgelagert, lästerte ein enttäuschter Ex-Mitarbeiter. Mehrere Kollegen aus dem Ausland hätten hier ihre deutschen Green Cards (ja, die Hoffnungsträger aus der Schröder-Zeit!) nach ihrer Kündigung wieder zurückgeben müssen. Diese Spezialisten wollen angeblich nie wieder etwas von Arbeitsplätzen in Deutschland hören.

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