Deftige Worte im Kampf um Mobilfunk-Kunden

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»Scheißdrecksteure Handy-Gebühren!« betitelt klarmobil seine neue Werbekampagne. Man setzt auf eine Kultfigur, denn mit Preisen kann man kaum noch werben: Niedriger gehen die Gebühren selbst ohne Verluste oder Quersubventionierung kaum noch – alle sind inzwischen fast gleich günstig.

Dass uns die Simyos, Alditalks, blau.de‘ler und all die anderen Anbieter und Wiederverkäufer das günstige Mobiltelefonieren und die Abkehr von bindenden Verträgen beschert haben, steht außer Frage. Aber wie entscheidet man sich für einen Anbieter?

Eine Rolle spielen die Verfügbarkeit von Prepaid-Karten wie bei Aldi oder die bürokratiefreie Rechnungsstellung wie bei blau.de, aber wie erreicht man Neukunden und »Jungvolk«? Klarmobil hat sich vor längerer Zeit einen österreichischen Kabarettisten geangelt und unter dem Namen »Trenki« reden lassen – und nun soll er in einer neuen Werbekampagne richtig böse vom Leder ziehen.

Da spricht der Telefon-Ötzi von abgezockten und eingeschüchterten Kunden (der Mobilfunk-Giganten, aber das sagt man besser nicht dazu) und lässt in Diskussionen mit diesen oft kein Schimpfwort aus. Wie toll das doch sei, einfach die neue SIM-Karte einzulegen, schwadroniert der Werbestar dann etwas milder.

Da mussten wir einfach mal die Preise vergleichen und schauen, ob es sich wieder mal nur um Werbegeschwurbel handelt. Bei Aldi sind die Preise identisch: 3 Cent innerhalb des eigenen Netzes und 9 Cent nach außen. Die Unterschiede zeigen sich bei Anrufen in andere Mobilnetze und in das Festnetz: Aldi verlangt hier bis zu 13 Cent pro Minute, dafür kostet dort der Abruf des Anrufbeantworters nichts. Klarmobil berechnet auch diesen. Auch bei Simyo, der Billigmarke von E-Plus, liegen die Preise für Telefonate auf dem gleichen Niveau. »Drunter geht nicht mehr«, erklärte und voriges Jahr schon eine Marketingfrau eines anderen Telefon-Anbieters, »wenn Sie nicht irgendwie auch andere Einnahmequellen haben«. Aha. Recht hat sie, um in der Finanzkrise Arbeitsplätze abzusichern, doch den Kunden interessiert das kaum. Der will nur billig.

Was aber bei allen wahnsinnig variiert, sind die Preise für SMS, MMS und das Online-Surfen. Letzteres ist bei allen sündhaft teuer. Wer also mehr will als nur billig miteinander zu plauschen, sollte sich dann vielleicht doch eine Tarifbindung aufschwatzen lassen. Für Geschäftsleute durchaus erträglich sind etwa die iPhone- und g1-Flatrates bei T-Mobile, Privatkunden müssen je nach Bedarf recherchieren. Andere Mobilfunkanbieter dürfen übrigens hier ruhig auch ihren Senf dazugeben – bei den sich ständig ändernden Preisstrukturen ist sicher für eine Menge neuer Kommentare zu diesem Posting gesorgt.

So lange dürfen sich Vodafone, E-Plus, O2 und Co auch noch einen Telefon-Ötzi oder etwas Ähnliches einfallen lassen – wir warten mit Spannung auf Ideen! (Manfred Kohlen)

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