Schlechte Zahlungsmoral in der ITK-Branche

Allgemein

In der Wirtschaftskrise steigt auch für ITK-Unternehmen das Risiko. Der Kredit-Fachmann Till Roth beleuchtet die aktuelle Finanzsituation.

Trotz guter DSL-, UMTS- und Smartphone-Umsätze geht die Krise auch am Telekommunikationssektor nicht spurlos vorbei. So beobachtet Till Roth von Intrum Justitia, einem Anbieter von Credit Management Services, dass jene Konsumenten mit Liquiditätsengpässen bereits Forderungen von Telekomunternehmen vernachlässigen.

Viele Kunden würden inzwischen die zweite oder dritte Mahnung abwarten, bevor sie eine Rechnung begleichen. Dieser Negativtrend werde sich in den kommenden Monaten weiter verschärfen. Roth erwartet eine steigende Zahl echter Forderungsausfälle. Schon jetzt läge die Quote bei etwa 10 Prozent der Rechnungssummen.

Steigende Zahl von Insolvenzen
Das wird natürlich die Liquidität der Unternehmen belasten. Nicht alle Marktteilnehmer könnten das locker wegstecken, da sie nicht alle stabil genug aufgestellt seien, um finanzielle Durststrecken zu überstehen. »Daher rechnen wir mit einer steigenden Zahl von Unternehmensinsolvenzen«, warnt der Berater gegenüber dem Wirtschaftsdienst Dow Jones.

Auch bei gewerblichen Kunden sei in den nächsten Monaten mit mehr Zahlungsverzögerungen und -ausfällen zu rechnen, bis hin zur Insolvenz des Kunden.

ITK-Firmen brauchen mehr Liquidität
Professionelles Kreditmanagement sei das Gebot der Stunde. ITK-Unternehmen sollten auf die Signale ihrer Geschäftspartner achten. Bereits ein Ändern der Zahlungsart (Scheck statt Überweisung) könne ein Hinweis auf mögliche Liquiditätsengpässe sein.

Eine neue Bankverbindung bedeutet womöglich, dass es mit dem bisherigen Institut Probleme gab. Roth rät, die Risiken offen und ehrlich einzuschätzen und entsprechend mehr Liquidität aufzubauen.

Auf die wichtigen Kunden fokussieren
Den IT- und Telekom-Firmen rät er, während der Rezession den Fokus nicht mehr auf Akquisition und Wachstum zu richten, sondern sich auf die profitablen und wichtigen Kundensegmente zu konzentrieren und den wertvollsten Abnehmern unbedingt passende Leistungen und Produkte anzubieten. Wichtig sei es auch, den guten Kunden individuell angepasste Bezahlarten anzubieten und nicht durch starre Firmenregeln abzuschrecken.
(Ralf Müller/mt)

Weblinks
Intrum Justitia