Warum Xing für Manager so gefährlich ist

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IT-Experten schwärmen von Web 2.0. Doch Manager, die Mitarbeiter ermuntern, soziale Netzwerke zu nutzen, gehen ein hohes Risiko ein. Gegen Xing und Co hilft oft nur ein bisschen Geld.

Sind Sie Topmanager oder Chef eines Unternehmens, das gerade tief in der Krise steckt? Kopf einziehen und durch, das reicht nicht als Strategie. Sie sollten jetzt schnell handeln.

Hier der Plan für das Überleben der Company

Phase 1: Grenzenloses Erstaunen

Am Montagmorgen, wenn alle Mitarbeiter mit mürrischer Miene am Rechner sitzen, beginnt die Phase 1. Wenn Sie in die Firma kommen, begrüßen Sie einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin mit gedämpfter Stimme und folgenden Worten: »Ich würde mich gerne mit Ihnen über eine Gehaltserhöhung unterhalten. Kommen Sie doch gleich mal in mein Büro.«

Belangloser Smalltalk
Genießen Sie für eine Sekunde diesen kostbaren Ausdruck grenzenloser Verblüffung im Gesicht des Kollegen. Dann rauschen Sie davon. Über die Schulter rufen Sie ihm noch zu. »Holen Sie sich einen Kaffee und dann legen wir los.« Der Kollege darf höchstens eine Minute Zeit haben, sich zu sammeln. Wenn er dann mit dampfendem Kaffeebecher und erwartungsvollen Augen in Ihrem Zimmer sitzt und die Tür zugemacht hat, quälen Sie ihn erstmal. Ein bisschen Smalltalk. Möglichst belanglos. Wie war das Wochenende, oder sowas.

Jetzt beugen Sie sich urplötzlich vor, falten die Hände nachdenklich vor dem Gesicht und wechseln den Tonfall. »Ich habe am Wochenende über Sie nachgedacht. Sie machen einen erstklassigen Job. Besonders fruchtbar für das ganze Team ist ihre …. (bitte einsetzen). Deshalb würde ich Ihr Gehalt gerne anpassen. Sie wissen, dass wegen der Wirtschaftskrise zurzeit keine großen Sprünge möglich sind. Aber für gute Leute muss man eben mal … « Und so weiter.

Sie haben soeben einen Mitarbeiter glücklich gemacht.

Betriebswirtschaftlicher Wahnsinn? Ja, stimmt, aber sie müssen ja nicht viel geben. Wie viel kostet es wohl, nach der Kündigung des frustrierten Kollegen einen neuen zu suchen und einzuarbeiten? Die Hälfte dieser Summe setzen auf den Gehaltszettel des Mitarbeiters. Denn im Arbeitsleben gilt: Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts.

Phase 2: Glückliche Gesichter

Auf diese Weise arbeiten Sie sich die nächsten Wochen weiter durch das Team. Jeden Montag suchen Sie sich einen raus, der ein paar Euro und viele warme Worte mehr bekommt. Natürlich wählen Sie diejenigen aus, die für den Erfolg des Unternehmens wichtig sind oder es wirklich verdient haben.

Sie haben nun ein Team, das wieder an das Gute im Chef glaubt.

Phase 3: Genug der Wohltaten

Genug der Wohltaten. Nun ist es Zeit, die Ziele für Ihr Team neu zu definieren. Veranstalten Sie ein oder zwei Meetings dazu. Diese Meetings können Sie nutzen, um die Motivation ihrer Leute zu prüfen und nebenbei die Ziele noch ein bisschen straffer zu setzen. Nicht schön, muss aber leider sein. In der Krise muss jeder mit anpacken.

Phase 4: Raus aus der Krise

Ihre Leute stehen jetzt alle unter Dampf. Wer jetzt nicht mitzieht, der ist auch in guten Zeiten nicht zu gebrauchen. Sie haben damit einen sehr wichtigen Meilenstein gesetzt, der für Unternehmen in Krisenzeiten entscheidend fürs Überleben sein könnte. Sie haben fleißige und loyale Mitarbeiter.

Lesen Sie auf Seite 2: Was das Vertrauen zerstört hat

Warum Loyalität wichtig ist

Loyalität ist kein sentimentaler Schmonz, sondern übersetzt sich direkt in Leistung. Ein Aspekt, der in den letzten Jahren oft vernachlässigt wurde. Viele Topmanager glaubten, sie könnten ihre Abteilung oder ihr Unternehmen durch ein Upgrade des IT-Equipments oder Umstrukturierung effizienter machen. Doch was bringt ein um zehn Prozent schnelleres Netzwerk bei Kollege Frust, der keine Lust auf Arbeit hat?

Erst jetzt wird langsam deutlich, wie die Entwicklung der letzten Jahrzehnte das Vertrauen zwischen Mitarbeiter und Unternehmen zerstört hat. Schlagzeilen über explodierende Gehälter und Millionenabfindungen im Topmanagement, die undurchsichtigen Eigentumsverhältnisse im Zeitalter von Private Equity und Finanzinvestoren sowie die volatile Situation ab den Börsen haben das Vertrauen der Angestellten in ihre Brötchengeber zersetzt. Wie ein schleichendes Gift.

Als Folge dieser Entwicklung gibt es immer weniger loyale Mitarbeiter. Das ist die späte Rache der kleinen Angestellten an den Gewinnern des Raubtierkapitalismus.

Sie werden sagen, das sei nicht Ihre Schuld. Stimmt, es ist nicht Ihre Schuld. Aber es ist Ihr Problem.

Web 2.0 ist ideal für frustrierte Mitarbeiter
Und hier kommt Web 2.0 ins Spiel. Denn in sozialen Netzwerken wie Xing finden Angestellte ein ideales Spielfeld. Unter dem Deckmantel des businessorientierten Netzwerkens können sie sich auch gleich nach neuen Jobs umsehen.

Idealer Spielplatz für frustrierte Mitarbeiter: das Business-Netzwerk Xing.

Was als lockeres Netzwerken im Dienste der Firma beginnt, schlägt dann blitzschnell um in ein Bewerbungsgespräch. Menschen, die nicht wissen, ob sie ihren Arbeitsplatz morgen noch haben oder ob es ihre Firma nächsten Monat noch gibt, haben bei sowas kein schlechtes Gewissen.

Xing ist deshalb ein gefährlicher Gegner für jedes Unternehmen. Es bietet all jenen Kollegen, die am Arbeitsplatz in der inneren Emigration leben, die Chance, schnell zum Mitbewerber zu migrieren.

Firmendaten für die eigene Karriere missbrauchen
Techniken wie USB-Sticks, E-Mails, Netbooks, DVDs und mobile Festplatten tun ein übriges. Damit können Mitarbeiter alles, was an Daten nicht niet- und nagelfest ist, mitnehmen und für firmenfremde Zwecke missbrauchen.

Die Institution »Firma«, die früher einmal eine solide Festung war, ist im Digitalzeitalter zu einer höchst instabilen und löcherigen Angelegenheit geworden. Da helfen auch keine Firewalls.

Lesen Sie auf Seite 3: Die 5-Minuten-Firma

Die 5-Minuten-Firma
Das wahre Potential von Xing ist bisher noch gar nicht richtig genutzt worden. Damit lassen sich nämlich ganz schnell Geschäfte abschließen und erledigen. Theoretisch, wenn der ganze Ballast bürokratischer Hemmnisse der Genehmigungen und Handelsregistereinträge nicht wäre, könnte man so die 5-Minuten-Company auf Xing gründen. Der Prozess von der Geschäftsidee über den Verkauf des ersten Produkts bis zur Auflösung des Unternehmens würde im Zeitraffertempo ablaufen.

Der Vorteil: Firmen könnten so wesentlich schneller auf Konjunkturenticklungen reagieren. Läufts im Geschäftsfeld A nicht gut, wechselt man blitzschnell zum Geschäftsfeld B. Dann gäbe es keine Wirtschaftskrise mehr, sondern nur noch Verschiebungen und Wanderbewegungen auf der Bedarfsseite, dem die Firmen fast in Echtzeit folgen könnten.

Heute nur ein Freund auf Facebook, morgen der neue Kollege. Die Homepage von Facebook.

Das zukünftige Potential von Netzwerken ist also gigantisch. Aber bis es soweit ist, sollten Manager die Loyalität ihrer Mitarbeiter gut pflegen. Und sei es durch eine kleine Gehaltserhöhung.

Übrigens: Richtig loyale Mitarbeiter lehnen in Krisenzeiten jede Gehaltserhöhung strikt ab …
(Mehmet Toprak)

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