von der Leyen wegen Kindesmissbrauchs angeklagt!
Das Admin-Wort der Woche KW 10/2009, die zweite

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Internet-Provider lachen sich ins Fäustchen: Durch ihre aktuellen Forderungen outet sich die Ministerin als nicht medienkompetent im Umgang mit dem Internet.

Das Admin-Wort der Woche KW10-2/2009 – von der Leyens Kindesmissbrauch

Liebe Frau von der Leyen,

eigentlich lasse ich mich an dieser Stelle eher über Administrator-Themen aus, aber für Sie mache ich heute eine Ausnahme. Sie haben es sich redlich verdient, denn Ihre aktuelle Schmierenkampagne zum Thema Kinderpornographie kann ich beim besten Willen nicht mehr ertragen.

Für alle die das Thema nur am Rande mitbekommen haben, hier die Kurzfassung: Sie möchten Netzsperren bei den deutschen Providern einrichten, um kinderpornographische Inhalte auszufiltern. Damit sollen zum einen den Pädophilen ihre Bilderquellen genommen werden, zum andern soll die Allgemeinheit vor Kinderpornographie geschützt werden.

Fangen wir mal mit der Allgemeinheit an: Sind Sie als repräsentative durchschnittsdeutsche Biedermutti eigentlich jemals bei Surfen über Kinderpornos gestolpert? Ich weiß ja nicht, auf welchen Webseiten Sie sich so herumtreiben, aber aus eigener Erfahrung würde ich das stark bezweifeln. Ich bin seit zehn Jahren im Internet unterwegs und habe in dieser Zeit durchaus nicht jugendfreie und auch sonst grenzwertige Webseiten gesehen, aber ein kinderpornografisches Bild oder Video habe ich bis heute nicht zu Gesicht bekommen. Man stolpert nicht aus Versehen darüber, das findet man nur, wenn man gezielt danach sucht. Insofern frage ich Sie, wovor die Allgemeinheit eigentlich geschützt werden soll.

Die zweite Gruppe die sie auf dem Kieker haben, unsere lieben Kinderschänder, hat jedenfalls keine größeren Probleme, Nachschub für ihre kranken Neigungen zu finden. Nur, auch wenn ihre Netzsperre einmal steht, wird sich das nicht grundlegend ändern. Wer eine Suchmaschine bedienen kann, hat jetzt keine größeren Probleme, an diese Inhalte zu kommen und wird es in Zukunft auch nicht haben. Bekämpfen können Sie das Problem nur an der Wurzel. Das hieße also in diesem Fall, indem man zum einen die Server mit Kinderpornographie ausfindig macht und vor allem natürlich diejenigen, die dafür verantwortlich sind, ausfindig macht und dauerhaft wegsperrt. Aber – korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege – Bemühungen dieser Art scheinen Sie ja nicht sonderlich zu interessieren, Sie haben für so was keine Zeit, Sie müssen ja gerade der Allgemeinheit verklickern, warum Netzsperren das ultimative Mittel im Kampf gegen Kinderschänder sind.

Ich finde es daher schäbig, wie Sie ein emotionsbeladenes Thema wie Kindesmissbrauch mit kaltem politischen Kalkül ausnutzen, um über diesen Umweg elegant Internet-Filter in Deutschland einzuführen, die man eigentlich eher aus totalitären Staaten wie China gewöhnt ist. Wenn hier einer Kinder für seine höchst eigennützigen politischen Zwecke missbraucht, liebe Frau von der Leyen, dann sind Sie das.

Sie sollten sich was schämen!

Grußlos, Ihr

Sascha Steinhoff


Der Autor

Sascha Steinhoff lebt und arbeitet als freier Journalist in Bangkok und München. Er veröffentlicht zu den Themen Business-IT, Administration und Fotografie. Sein aktuelles Projekt ist die Webseite www.diasdigitalisieren.info, die sich der digitalen Archivierung analoger Bildaufnahmen widmet. In seiner Zeit als Verantwortlicher für den Netzwerk-Teil der gedruckten Ausgabe der PC Professionell sammelte er zahlreiche Einblicke und Kontakte in die Welt der Administratoren.