Kanada auf der Suche nach der Online-Identität

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Offenbar hat man alle anderen Probleme gelöst, denn der nördliche US-Nachbar legte einen 100-Millionen-Dollar-Fond auf. Nicht, um irgendwelche Banken oder Firmen zu retten, sondern um kanadische Web-Inhalte als solche sichtbarer zu machen.

Krise? Welche Krise? Kanada scheint nur ein Problem zu kennen: In einem Meer von internationalen Internet-Inhalten geht das rote Ahornblatt ungesehen unter. Das soll sich nun ändern: Ein Fördertopf in der Größenordnung von 100 Millionen Dollar soll die einheimischen Programmierer und Inhalteanbieter unterstützen und dafür sorgen, dass sich die Sichtbarkeit des Landes im Internet steigert.
Der gut klingende Plan hat aber einen schmerzhaften Haken: Das Geld für den Fond kommt nicht aus der Staatskasse, sondern das sollen gefälligst die kanadischen Internet Service Provider aufbringen: 3 Prozent ihrer Umsätze – zufällig um die 100 Millionen Dollar – sollen in besagten Fond fließen.
Die Idee stammt von der Regulierungsbehörde CRTC, die gerade die Zukunft der neuen Medien Kanadas verhandelt. Ein Vorgang, der seit zehn Jahren nicht mehr stattfand. Das Ziel der Behörde sei nun nicht, zu regulieren, wie viel kanadische Inhalte im heimischen Internet vorhanden sein müssen, sondern durch die Maßnahme lieber die heimischen Programmierer und Web-Entwickler zu stärken. Den Content-Produzenten gefällt das natürlich, müssen sie die finanzielle Last dafür nicht tragen.
Die ISPs dagegen schreien auf, sehen darin eine unzulässige Einzelbesteuerung und sprechen der CRTC das legale Fundament ab, so etwas zu beschließen.
Die Behörde will sich die Meinungen der Beteiligten noch vier Wochen anhören und dann einen Beschluss fassen, der dann höchstwahrscheinlich gerichtlich angefochten wird. So hat sich Kanada doch ein Problemchen geschaffen, mit dem sie sich über die Zeit retten können, bis die Weltwirtschaftskrise dann doch mal im hohen Norden ankommt… (rm)

The Globe and Mail