Warum SUSE gegen Ubuntu ziemlich alt aussieht
Das Admin-Wort der Woche KW 09/2009

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IT-im-Unternehnmen-Autor Sascha Steinhoff wundert sich diese Woche, warum Ubuntu das Server-Umfeld für sich erobert, während es um die anderen Linux-Serversysteme stiller wird.

Admin-Wort der Woche – die wundersame Ubuntu-Wandlung

Lange Zeit wurde die Ubuntu Linux Distribution von Canonical nicht richtig ernst genommen. Ein Clicki-Bunti-Linux Betriebssystem? Noch dazu eines, das sich explizit an den Endanwender, also normale Menschen handelt? Das fanden vielen Administratoren sehr verdächtig und blieben zumindest auf dem Server lieber bei Ihren SUSE-, RedHat- oder Debian-Installationen. Speziell im Unternehmenseinsatz war der offizielle Hersteller-Support für die kommerziellen Anbieter RedHat und SUSE auch ein immer wieder gern benutztes Verkaufsargument.

Aber Ubuntu hat sich konsequent weiterentwickelt. Während Red Hat und SUSE eisern an ihrem serverzentrierten Weltbild aus den neunziger Jahren festhielten, hat Ubuntu eine fortschrittlichere Strategie verfolgt. Der Anwender war und blieb für den Ubuntu Hersteller Canonical immer wichtig, aber auch die Server-Distribution wurde konsequent weiterentwickelt.

Anders als bei RedHat und SUSE kostet auch bei kommerziellem Einsatz Ubuntu Software kein Geld. Man kann, aber muss keinen kostenpflichtigen Hersteller-Support hinzubuchen. Das liberale Lizenzierungsmodell hat – gerade in Zeiten der Rezession – offensichtlich seine Anhänger gefunden. Bei Wikipedia löst Ubuntu gerade die vorhandenen Fedora/Red Hat Distributionen ab. Selbst auf dem konservativen deutschen Markt ist Ubuntu nach einer aktuellen Trendstudie  inzwischen schon Nummer zwei hinter Debian und hat damit SUSE hinter sich gelassen. Auf dem Desktop ist Ubuntu ohnehin schon Marktführer. Bei den ganz großen Installationen haben SUSE und Red Hat zwar momentan noch die Nase vorn, aber auch diese Bastion bröckelt.

Fazit: SUSE und RedHat sollten sowohl ihre Lizenzmodelle als auch ihre Ausrichtung auf Linux für den Servereinsatz noch mal überdenken. Statt irgendwelche Nischenmärkte zu pampern, bedient Ubuntu auf den gesamten Markt, und der Erfolg dieser nachhaltigen Strategie ist jetzt schon sichtbar. Somit ist Ubuntu momentan der einzige Distributor, der Microsoft mittelfristig ernsthaft gefährden könnte.


Der Autor

Sascha Steinhoff lebt und arbeitet als freier Journalist in Bangkok und München. Er veröffentlicht zu den Themen Business-IT, Administration und Fotografie. Sein aktuelles Projekt ist die Webseite www.diasdigitalisieren.info, die sich der digitalen Archivierung analoger Bildaufnahmen widmet. In seiner Zeit als Verantwortlicher für den Netzwerk-Teil der gedruckten Ausgabe der PC Professionell sammelte er zahlreiche Einblicke und Kontakte in die Welt der Administratoren.