Wie können Unternehmen innovativ werden?

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Ideen sind planbar. Für die Entwicklung und die Einführung der Innovationen gibt es detallierte wissenschaftliche Konzepte. Wie diese aussehen, erklärt eWEEK-Experte Tom Groth.

Wenn über Technik diskutiert, dann lautet das Lieblingswort aller Politiker, Wirtschaftsprofessoren und Firmenchefs: »Innovation«. Doch was bedeutet Innovation genau? Und wie können Unternehmen wirklich innovativ werden?

Kaum jemand hat sich mit diesem Thema intensiver auseinandergesetzt als Tom Groth. Er ist Director of Innovation, TOXIQ Corporate Concepts Ltd, London. Als Innovationsberater und Management-Coach hat Groth schon unzählige innovations-Projekte für Unternehmen wie Deutsche Bank, Volkswagen, Audi, BMW oder die Telekom betreut.
Von 1998 bis 2007 war Groth als Trendscout und Chief Visioneer bei Sun Microsystems aktiv. Daneben hat er zahlreiche Bücher veröffentlicht.

Lesen Sie hier den ersten Teil des Artikels:

Innovation ist ein Modewort, Es wird von vielen Unternehmen verwendet um ihre langweiligen und alles andere als innovativen Produkte trendgerecht zu vermarkten. Um wirkliche Innovationen zu erzeugen, muss die Latte um einiges höher gehängt werden, und ein Messkriterium zur objektiven Betrachtung der Innovationstiefe eines Produktes oder einer Dienstleistung sollte schon Verwendung finden.

Generell sind die treibenden Faktoren für innovative Unternehmen:
Kultur
Methode
Handlungsfreiraum

Eine neue Funktion in ein komplexes Produkt wie einem Auto aufzunehmen ist nicht innovativ – sondern lediglich eine neue Funktion.

Ein Schlüsselthema für Innovationen ist das Erfinden. Im folgenden fokussieren wir die Methodik dahinter.

Strukturiertes Erfinden
Strukturiertes Erfinden ist ein Baukasten aus Verfahren und Methoden um aus einem Problem eine oder mehrere Erfindungen zu machen!

Ziele des strukturierten Erfindens
• Generierung von schutzfähigen Innovationen
• Technologie-Auswertung und Anpassung
• Steuerung von Produkt- und Technologieentwicklungen
• Investitionsempfehlungen
• strategische Innovationsberatung (im R&D Bereich)

Die Methodik basiert auf den Prinzipien des TRIZ Innovationsprozesses.

Hierbei werden die strategischen Elemente der Theorie des erfinderischen Problemlösens sowie praxisnahe Managementmethoden aus vielen High-Tech-Bereichen benutzt. Die Entwicklungsgesetze der technischen Evolution und technologischen Prognose werden ebenfalls eingesetzt, um funktionsorientierte Produkte und Technologien zu analysieren und systematisch Innovationsideen zu erzeugen.

»Steigerung von Nutzen und Funktionen in Richtung Unendlichkeit« Management-Berater Tom Groth.

Innovationsteam greift auf aktuelle Basis zurück
Das Innovationsteam greift dabei stets auf eine aktuelle Datenbasis an hochinnovativen Technologien im Umfeld der Luft- und Raumfahrtforschung, Elektronik, Elektrotechnik, Nanotechnologie, Telekommunikation, Medien, Material- und Werkstoffforschung sowie den Querschnittsdisziplinen Verfahrenstechnik, System- und Softwarearchitekturen zurück.

Zusätzlich werden Einflüsse aus den geisteswissenschaftlichen Bereichen Pädagogik, Psychologie und Soziologie betrachtet und mit naturwissenschaftlichen Bildern verknüpft.

Der Innovationsprozess
Ziel ist es einen Innovationsprozess nach dem technischen Grundgesetz der Idealität durchzuführen. Idealität ist das Verhältnis zwischen dem wahrgenommenen Nutzen und den Funktionen zu den impliziten Schäden und Kosten eines Systems, Produktes oder einer Dienstleistung.

Faktoren und Analyse der IST Situation:
Zähler:
– Funktionen
– wahrgenommener Nutzen
Nenner:
– Kosten
– Unpassungen – also implizite Schäden (Systemschäden)

Daraus ergibt sich folgende Innovationsformel:

Ziel der Phase, zur Feststellung des Ist-Zustandes, ist es ein umfassendes Bild der eigenen Produkte, der Produkte der Mitbewerber und potentiellen Substituten in die Bereiche »Funktionen«, »subjektiver, individueller Kunden-Nutzen«, »Kosten« sowie »Systemschäden« zu generieren.

Alleine bei diesem Schritt entstehen neue Erkenntnisse und die klassische »Betriebsblindheit« wird meistens überwunden. Die Erfahrungen haben gezeigt, das bereits 70 -80 Prozent der Lösungsansätze in dieser Phase der Problemanalyse entstehen.

Auf die IST Situation erfolgt dann eine Steigerung von Nutzen und Funktionen in Richtung Unendlichkeit, bei gleichzeitiger Reduktion von Kosten und Unpassungen in Richtung Null. Der theoretische Endpunkt nennen wir Idealität.
(Tom Groth/mt)

Den zweiten Teil des Artikels finden Sie ab Donnerstag, 19. Februar in der Rubrik Expertenbeirat.

Weblinks
Toxiq

Zum Expertenbeirat von eWEEK europe zählen neben Tom Groth unter anderem auch IDC-Geschäftsführer Wafa Moussavi-Amin, der Internet-Guru Ossi Urchs und Ex-IBM-Chef Richard Seibt.