Verhungern bald die Internet Service Provider?

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Provider investieren recht häufig und heftig in die Bandbreite. Doch neuerdings stagnieren die Umsätze oder schmelzen sogar weg, weshalb sich für manchen ISP in Zukunft die Existenzfrage stellen könnte.

Kim Perdikou, Manager bei Juniper Networks, thematisiert als Sprecherin auf der NetEvents-2009-Konferenz in Barcelona
dieses Thema. Es sei zu beobachten, dass die Internet Service Provider zunehmend aus der Futterkette zwischen Endverbraucher und Content-Provider herausgehalten werden. Während sich die Umsätze nicht mehr positiv entwickeln, nehmen die Anforderungen an die Infrastruktur weiter zu. Ein Teufelskreis, angesichts von Traffic-Steigerungen zwischen 40 bis 60 Prozent. “Wie können Service-Provider in so schwierigen Zeiten mit den Marktanforderungen mithalten, wo von den Transaktionen vor allem andere Firmen profitieren?”, stellt sie die Gretchenfrage. Und verlangt vom Markt, darauf eine Antwort zu finden: “Viele Internetnutzer nehmen es als selbstverständlich hin, dass man jederzeit und flott online gehen könne. Wenn wir aber keinen Weg finden, dass der Service Provider dabei Geld verdient, wird das nicht mehr lange der Fall sein”, warnt die Fachfrau.
Und hat natürlich auch gleich einen Vorschlag zur Hand: Der Provider habe ja einen exklusiven Zugang zu wertvollen Informationen über den Nutzer – von Standort über echte Identität bis hin zum Nutzungsverhalten. Die Infos solle er nun keineswegs an Datenkraken verscherbeln, sondern dem Content-Lieferanten gegen Gebühr helfen, das Kauf- und Surferlebnis des jeweiligen Kunden zu verbessern und individueller zu gestalten, mit passenden Videos und der jeweiligen Lieblingsmusik des Nutzers aufzupeppen. Gelänge es, Mehrwert über Rich-Media-Applications zu erzeugen, wäre es eine Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten.
Ansonsten sieht Perdikou natürlich noch die altmodische Methode, die Kosten des täglichen Betriebs zu senken. Oder man könne das Geschäftsmodell anpassen und sich auf bestimmte Nischen konzentrieren. Zum Beispiel als Großhändler nur die pure Bandbreite verkaufen oder als neuartiger “Peering-Service” auftreten, wobei sich mehrere kleine IPSs oder Service Provider miteinander verknüpfen. Auch eine Spezialisierung auf Cloud-Dienste, Software-as-a-Service, Video-on-demand oder Online-Gaming könnte sich rentieren. Wer die Kapazität, den Mut und das Know-how besäße, könnte aus seinem Netz ein Open-Garden-Network machen und damit zum echten Infrastruktur-Großhändler mutieren.
Perdikou sieht natürlich die Grenzen solcher Ideen, denn je nach Land und Markt setzen Datenschutz, Netzneutralität und andere Vorschriften gewisse Grenzen. Doch man müsse sich bewegen, um in turbulenten Zeiten zu überleben. (Ian Williams/rm)

Infrastructure Products Group, Juniper Networks

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