Innovationen: Überlebensfrage für Deutschland

Start-UpUnternehmen

Das meiststrapazierte Wort der IT-Branche heißt: Innovationen. eWEEK-Autor Stefan Girschner sagt, warum wir Innovationen brauchen und welche wirklich erfolgreich sind.

Neulich auf dem 2. Innovationsgipfel. Wieder einmal ein Gipfel zu Innovationen und der Rolle der IT. Der Vortrag von Professor Joachim Milberg bringt es auf dem Punkt: Bei Innovationen geht immer um die drei großen M ­– »Moneten, Menschen, Mentalitäten«. Und tatsächlich ist es so: Ohne gut ausgebildete Mitarbeiter gibt’s keine Innovationen. Und gutes Bildungswesen basiert auf ausreichend hohen staatlichen Zuwendungen.

Für die richtige innovationsfördernde Einstellung sind schließlich alle verantwortlich, aus Politik, Unternehmen, Verbänden und Hochschulen. Milberg, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und Aufsichtsratsvorsitzender von BMW, weiß aber auch: In Deutschland ist es bei den Innovationen nicht auf das Beste bestellt. Deutschland liegt bei der Innovationsfähigkeit im weltweiten Ranking auf Platz acht. Das ist eher Mittelmaß, auch mit Blick auf den Platz zwei der USA.

Professor Joachim Milberg, Präsident des acatech, war ein begehrter Interviewpartner auf dem 2. Innovationsgipfel in München. (Quelle: acatech)

Die Wertschöpfungskette beim iPod
Informationstechnologien leben geradezu von immer neuen Innovationen, Letztere sind ohne diese kaum denkbar. Beispiele für erfolgreiche Innovationen aus deutschen Landen gibt es viele. So etwa die Erfolgsstory des MP3-Musikformats entwickelt am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen ISS. Wenngleich die Masse der MP3-Player in China produziert werden, die Wertschöpfung findet zum größten Teil beim Hersteller statt.

Bei iPod von Apple sieht das so aus: 40 Prozent der Wertschöpfung fließen in den Vertrieb, 45 Prozent bleiben beim Hersteller und nur 15 Prozent verdienen die Hersteller der Bauteile.

Ein anderes Beispiel für innovationsgetriebene Produkte liefert die kleine, aber feine Firma Biocomfort mit ihren elektromedizinischen Produkten für Therapie und Diagnostik.

Von der Wirtschaftskrise zur Innovationskrise
Was passiert nun aber mit dem Innovationsklima in wirtschaftlich schwierigen Zeiten? Die öffentlichen Mittel für die Bildung werden gekappt, viele junge Menschen schrecken vor einem Ingenieursstudium zurück, und Unternehmen reduzieren ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung. Nicht gerade ein Klima, welches Innovationen fördert.

Intel zeigt, wie es anders geht. Dort gehört Innovationsfähigkeit quasi zum Geschäftsmodell. 90 Prozent der zu Jahresanfang auf dem Markt gebrachten Produkte sind am Ende des gleichen Jahres veraltet und daher nicht mehr im Portfolio. Die kurzen Marktzyklen in der Prozessortechnologie erklärt das Moore’sche Gesetz von der Verdoppelung der Prozessorleistung alle 18 Monate.

Zugleich wird dem Moore‘schen Gesetz durch Innovation weiterhin Gültigkeit verliehen. Und Intel ist auch an qualifiziertem Nachwuchs interessiert, wie der bundesweite Schülerwettbewerb »Intel Leibniz Challenge« zeigt.

Die Innovationsfähigkeit der führenden Industrieländer im Vergleich. Deutschland (roter Balken) liegt auf Platz acht. (Quelle: DIW Berlin)

Innovationskrise als Managerkrise
Ist die Innovationskrise in Deutschland letztendlich eine Managerkrise? In einer Wirtschaftskrise schrumpfen die Absatzmärkte. Durch Innovationen, sprich innovative Produkte legen sie aber auch wieder zu. Die hierfür richtigen Stellschrauben zu drehen, ist Aufgabe des Managements. Antworten zur Krisenbewältigung gab der dritte nationale IT-Gipfel in Berlin, bei dem es um die Zukunftsfähigkeit der deutschen IKT ging.

Viele der Botschaften, die dort zu hören waren, hängen eng mit der Innovationsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft zusammen:

Das sind die wichtigsten Faktoren

1. Begleitung des demographischen Wandels durch ITK
2. Mehr Lebensqualität durch Vernetzung und Konvergenz des privaten Alltags
3. Flexibilisierung und Effizienzsteigerung durch IKT
4. Effizienterer Einsatz der Ressourcen durch IKT
5. Ausbau der Embedded Systems
6. Aktivierung des Entrepreneurship

Durch Innovation aus der Rezession
Politik, Wirtschaft und Wissenschaft haben es längst erkannt: Ohne Innovationen kein Wettbewerbsvorteil, ohne Wettbewerbsvorteil kein Wachstum, ohne Innovationen kein Wirtschaftswachstum. Dies gilt umso mehr in einer Rezessionsphase.

Die IT-Branche hat durch ihre ureigene Innovationsfähigkeit den Weg schon aus mancher Krise gewiesen. So könnte sie einmal mehr Vorbild für die ganze Wirtschaft und Gesellschaft sein – und Zugpferd für den nächsten Aufschwung.
Stefan Girschner ist IT-Journalist

Weblinks
Akademie der Technikwissenschaften
Intel-Leibniz-Challenge
Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen ISS
Innovationsindikator Deutschland