Internet Explorer 8 RC1 im Test
Microsofts neuer Browser unter der Lupe

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Microsofts Internet Explorer 8 steht vor der Vollendung. Im jetzt veröffentlichten Release Candidate sind alle neuen Features an Bord – bis zur fertigen Version geht es nur noch ums Bugfixing. PC Professionell hat einen intensiven Blick auf den neuen Browser geworfen.

Neue Features: Webslices & Schnellinfo

War Microsoft bisher nicht gerade dafür bekannt, Vorreiter bei der Browser-Entwicklung zu sein, so führt man mit dem Internet Explorer 8 erstmals Funktionen ein, die der Konkurrenz fehlen. Wer den neuen Browser ausprobieren will, kann seit heute den Release Candidate herunterladen. Der sollte zwar noch nicht auf Produktivsystemen eingesetzt werden, da bis zur Veröffentlichung der finalen Version noch Bugs gefixt werden, die die Programmstabilität und Performance beeinflussen. Doch zum Ausprobieren taugt er schon, da alle neuen Features an Bord sind.

Der IE8 RC1 steht in 25 Sprachen für die 32- und 64-Bit-Versionen von Windows Vista, Windows XP und Windows Server 2003 sowie Windows Server 2008 zum Download bereit. Eine Version für Windows 7 will Microsoft demnächst mit einem Update für das neue Betriebssystem folgen lassen.

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Gleich beim ersten Start stolpert der Nutzer über eine neue Funktion des Microsoft-Browsers, die aus Datenschutzsicht bedenklich ist. Diese analysiert den Verlauf, um dem Anwender darauf basierend Websites vorzuschlagen, die zu seinen Interessen passen. Das mag vielleicht für User sinnvoll sein, die selbst eine kurze Recherche mit Suchmaschinen scheuen. Da dafür aber Daten über die Surfgewohnheiten an Microsoft übertragen werden, empfiehlt es sich, die Funktion nicht einzuschalten. Das immerhin macht Microsoft nicht automatisch, sondern lässt dem User die Wahl.

Rein äußerlich sieht der Internet Explorer 8 seinem Vorgänger sehr ähnlich – die Unterschiede offenbaren sich erst auf den zweiten Blick. So liefert das in den Browser integrierte Suchfeld schon beim Tippen Vorschläge und Tabs werden gruppiert. Öffnet man auf einer Webseite Links in weiteren Tabs, so haben diese alle dieselbe Farbe. Das erleichtert die Orientierung bei vielen geöffneten Tabs deutlich. Ebenfalls sehr übersichtlich sich die Vorschläge, die beim Tippen in der Adressleiste gemacht werden, da Microsoft die bereits zuvor vom User eingegebenen Adressen von Seiten aus dem Verlauf trennt.

Wichtige neue Funktionen gibt es aber auch – vor allem Webslices und Schnellinfos wären hier zu nennen. Webslices ist ein recht interessantes Konzept, durch das einzelne Teile einer Webseite abonniert werden können, so dass der Anwender Änderungen erfährt, ohne die Seite aufzusuchen. Das ist praktisch, um etwa Aktienkurse zu verfolgen oder bei eBay-Auktionen auf dem Laufenden zu bleiben. Leider muss der Website-Betreiber die Teile seiner Webseiten kennzeichnen, die sich auf diese Art abonnieren lassen sollen; bis auf Microsoft bei MSN und eBay – vorausgesetzt man steigt über die richtige Seite ein – macht das noch kaum ein Anbieter. Bleibt abzuwarten, ob sich Webslices durchsetzen können, schließlich hat Microsoft dank Firefox auf dem Browser-Markt nicht mehr die dominierende Position wie noch vor ein paar Jahren.

Praktisch sind auch die Schnellinfos, im englischen Accelerators genannt. Mit ihnen lassen sich Teile einer Website per Kontextmenü zu anderen Diensten übertragen, etwa um Texte in Mails und Weblog-Beiträge zu übernehmen, Namen bei Xing nachzuschlagen, Begriffe zu übersetzen oder an Microsofts Live Search weiterzureichen. Eine ganze Reihe von Schnellinfos bietet Microsoft bereits an. Diese sind in kürzester Zeit installiert. Zudem ist davon auszugehen, dass es schnell mehr werden, wenn die Betreiber von Verzeichnissen und Nachschlagewerken eigene Schnellinfos bereitstellen.


Stabiler & Sicherer

Bei der Browser-Sicherheit und -Stabilität hat Microsoft noch einmal nachgebessert. Jedes Browser-Fenster läuft nun in einem eigenen Prozess, so dass bei einem Absturz nicht alle Fenster samt geöffneten Tabs im Nirvana verschwinden. Den exzessiven Ressourcenhunger der Beta-Version zeigt der Release Candidate an dieser Stelle dankenswerterweise nicht mehr. In der Regel lassen sich zudem alle Fenster nebst Tabs wieder herstellen, wenn der Browser abstürzt.

Mit dem IE8 will Microsoft den User besser vor Malware und Datenklau schützen. So hat man neue Mechanismen zum Erkennen von Cross-Site-Scriptings (XSS) eingebaut und einen SmartScreen genannten Filter, der den User warnt, wenn er sich auf unsichere Websites begibt – seien es Phishing-Seiten oder solche, die Malware verbreiten. Das neue Domain- Highlighting hebt den Domain-Namen in der URL hervor, was speziell bei langen URLs helfen soll, die eigentliche Domain und damit die womöglich zweifelhafte Herkunft einer Seite zu erkennen.

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Im neu eingeführten InPrivate-Modus, im Volksmund auch »Porno-Modus« genannt, speichert der Internet Explorer 8 keinerlei Surfspuren. Wird InPrivate gestartet, öffnet sich ein neues Browser-Fenster, in dem in Adressleiste und auf den sicheren Modus hingewiesen wird. Schließt man das Fenster wieder, werden Cookies, Verlauf und Cache sowie die in Adresszeile und Webformulare getippten Daten gelöscht, so dass nichts
darauf hindeutet, auf welchen Seiten der User unterwegs war.

Eine andere Art der Spurenvernichtung bietet das InPrivate-Blocking, die sich bislang nur im Zusammenspiel mit dem InPrivate-Modus nutzen ließ, nun jedoch auch unabhängig von diesem bereitsteht. Ist die Funktion aktiviert, verhindert sie, dass Informationen über das Surfverhalten an Dritt-Anbieter weitergereicht werden. Das passiert etwa beim Einblenden von Werbebannern oder beim Tracking via Google Analytics. Wer will, kann den IE generell anweisen, den Datenaustausch zu verhindern. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Filterung gezielt für einzelne Dienste zu aktivieren oder zu deaktiveren.


Standards & Geschwindigkeit

Hielt sich der IE7 schlussendlich doch nicht in dem Umfang an Webstandards, wie viele Website-Betreiber das zunächst gehofft hatten, so hat Microsoft beim IE8 deutlich nachgebessert. Das sorgt allerdings für einige Probleme, wurden doch viele Webseiten speziell für den Internet Explorer und seine Eigenheiten angepasst und sehen nun unter Umständen ganz anders aus als gedacht. Microsoft bietet für diese Fälle zwei Lösungen: Die Website-Betreiber können in ihren Seiten in einem Meta-Tag vermerken, ob sie mit der Engine des IE7 oder der des IE8 gerendert werden sollen. Zudem hat der IE8 einen Kompatibilitätsmodus, in dem er Seiten wie im IE7 darstellt. Gibt es bei der Darstellung einer Seite Probleme, kann der Nutzer mit einem Mausklick in den Kompatibilitätsmodus wechseln. Wer will, kann auch festlegen, dass bestimmte Seiten immer im Kompatibilitätsmodus geöffnet werden.

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Perfekt ist die Standardunterstützung aber auch im IE8 noch nicht. Den Acid2-Test durchläuft der Browser ohne Probleme – beim neuen Acid3-Test, der vor allem dynamische Fähigkeiten prüft, die im Web 2.0 immer wichtiger werden, scheitert er dagegen schnell. Browser wie Opera und Firefox sind hier schon weiter – und was die Seitendarstellung angeht schneller. Die aktuellen Versionen Opera 9.63 und Firefox 3.0.5 hängen den Internet Explorer 8 RC1 sowohl beim CSS-Benchmark als auch beim Javascript-Benchmark ab.


Testergebnis

Der Internet Explorer 8 vermag zu überzeugen. Microsoft hat wichtige Funktionen wie den InPrivate-Modus nachgerüstet und sich auch neues einfallen lassen. Ob sich Webslices durchsetzen werden, bleibt abzuwarten – die Idee ist auf jeden Fall gut. Im Test läuft der Release Candidate schon sehr stabil, so dass für IE-Nutzer nichts dagegen spricht, mit Erscheinen der fertigen Version umzusteigen. Dass Firefox- oder Opera-Nutzer ob der neuen Funktionen zum IE wechseln, darf bezweifelt werden – als Zweit-Browser taugt der IE8 aber allemal.

Internet Explorer 8 RC1
Hersteller: Microsoft
Internet: www.microsoft.com/windows/internet-explorer/
Preis: kostenlos

Note: gut
Ausstattung (35%): gut
Leistung (35%): befriedigend
Bedienung (30%): gut

Das ist neu
Webslices
Schnellinfos
InPrivate-Modus
bessere Unterstützung von Webstandards

Systemvoraussetzungen
Betriebssystem: Windows XP/Vista, Windows Server 2003/2008

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