IBM sollte seine LotusLive-Absichten offenlegen

Netzwerke

Analysten warnen den Konzern, mit dem LotusLive-Vorstoß die Geschäftskunden zu verwirren.

Der IBM-Plan, die Business-Software der Lotus-Marke über das LotusLive-Angebot mit sozialen Netzwerken zu verknüpfen, könne die kleinen und mittleren Unternehmen abschrecken, warnen gerade einige Markt- und IT-Analysten. Big Blue müsse seine Firmenkunden dringend aufklären, wohin die kommunikative Reise mit Instant Messaging, Dateitausch, Profilen und Webtelefonie gehen soll, klinge das alles doch zu konsumentenlastig.

Das neue Angebot werde in die Bluehouse-Marke eingebunden, welche seit gut einem Jahr die Unternehmen (SMB-Markt) an sich binden will. Doch jene könnten sich laut Gartner-Analyst Robert Anderson etwas ausgeschlossen fühlen. Daher müsse dieser Schwenk durch zusätzliche Informationen unterfüttert werden: In einem schwierigen Marktumfeld ist es für IBM von entscheidender Bedeutung, neben den Konzernen nun auch den Mittelstand und die kleineren Firmen zu gewinnen, um zusätzlichen Profit zu erzeugen, argumentiert Anderson. Die richtige Technologie zu haben, sei da nur die halbe Miete. Die andere Hälfte bestehe in Verständnis und Vertrauen in die Lösung.

Karen Hobert von der Beratungsfirma Top Dog warnt den Technologiekonzern davor, dass eine Flut von Software/Service-Bundles nicht der richtige Weg vorwärts wäre. Die Kunden wollen ganz klar auf ihre Geschäftsbedürfnisse und Firmengröße zugeschnittene Pakete, glaubt Hobert. Sie wollen zudem wissen, was die Lotus-Angebote exakt kosten, was bislang nicht verraten wurde. Oder wann die E-Mail-Technologie von Outblaze, jüngst erst zugekauft, in die Plattform eingebaut werde.

Bob Picciano, Generalmanager bei Lotus Software, verteidigt naturgemäß die IBM-Strategie: Jede Sparte und Abteilung in einem Großunternehmen funktioniert und verhält sich wie ein Kleinunternehmen. Es sei daher wichtig, jedes Team zu unterstützen, unabhängig von der Firmengröße. (Ralf Müller)

Top Dog

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