EU hilft den Altrockern: Längerer Schutz der Musik

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Die Europäische Gemeinschaft hört auf Mick Jagger. So wirkt es wenigsten, denn die angedachte Verdoppelung des Copyrights für Tonaufnahmen dürfte vor allem langgedienten Rockopas nutzen.

Gestern traf sich in Brüssel der Rechtsausschuss des Parlaments, um über die Schutzfristen für Musik zu diskutieren. Kommissar Charlie McCreevy: “Die Künstler sollen nicht länger die armen Vettern des Musikgeschäfts sein”. Und die Kinder der Bands wohl auch nicht, denn die Kommission plant gleich mal eine Verdoppelung der Schutzfrist auf satte 100 Jahre. Allerdings wird noch kräftig diskutiert, denn der Rechtsausschuss konnte sich nicht gleich auf eine Vorlage einigen. Nächsten Dienstag wird daher zum Runden Tisch mit Abgeordneten geladen.
Wenn es nach Sir Mick Jagger (65 Jahre, etwa 317 Mio. Euronen auf der Bank) geht, klappt das natürlich mit den 100 Jahren. Der Rolling Stone gibt den Chef-Lobbyisten und berät die EU offiziell in Fragen des Online-Vertriebs. Für die 100-Jahre-Regel sprechen sich erwartungsgemäß auch Verwertungsgesellschaften und Medienkonzerne aus. Kritisiert wird das Vorhaben nur von jungen Künstlern, denn die Neuregelung entziehe alle Aufnahmen für weitere Jahrzehnte der kreativen Wiederverwendung. Dadurch konzentriere sich die Musikindustrie immer stärker auf ein paar Megastars.
Bisher beträgt das Schutzrecht ausübender Künstler in europäischen Ländern 50 Jahre ab der Aufnahme. Die ersten drei Alben der Rolling Stones würden ab 2015 nicht mehr unter der alleinigen Kontrolle der Band stehen. Ironie an der Sache: “Da auch die Rolling Stones ihren Durchbruch mit den Songs anderer geschafft haben, sollten auch heutige junge Künstler mit Remix, Sampling und Mashup experimentieren dürfen, ohne zusätzlichen Lizenzärger”, fordert Georg Jakob vom FFII. Doch gegen Rocktitan Jagger dürfte seine Stimme ziemlich untergehen. (rm)

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