T-Mobile G1 Android
Das Google-Handy im Test

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Das G1 kommt demnächst nach Deutschland und soll Googles neuem Betriebssystem zum Aufstieg verhelfen. Wir haben uns angesehen, was die deutsche Version so zu bieten hat. Mehr dazu im Test.

Androiden an die Macht

Das Handy-Betriebssystem des Suchmaschinen-Giganten nennt sich Android. Das Maskottchen ist ein kleiner grüner Roboter. Der erste Vertreter heißt G1 und wird exklusiv von T-Mobile vertrieben. Bisher war das Gerät nur in den USA zu haben. Am zweiten Februar kommt es nach Deutschland. PC Professionell hat sich vorab eines der deutschen Geräte gesichert. Auf den ersten Blick hat sich nur wenig getan: Die bunten Tasten sind verschwunden und einem einheitlichen Schwarz-Weiß-Look gewichen.

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Bereits nach dem Auspacken ist man selbst als erfahrener Nutzer vor zwei Rätsel gestellt: Wo genau sich SIM- und Speicherkarte einsetzen lassen, offenbart erst ein Blick in die Kurzanleitung. Die Lösung: Beide Probleme lassen sich durch das Aufschieben des Displays und etwas Gewalt lösen – nichts für Zartbesaitete. Die Benutzeroberfläche selbst wirkt übersichtlich und eher minimalistisch, alle wichtigen Funktionen sind versteckt. Indem man mit dem Finger auf dem Bildschirm nach rechts oder links gleitet, kann man zwischen den einzelnen Desktops wechseln. Ganze drei stehen zur Verfügung und lassen sich nutzen, um Widgets oder Anwendungen abzulegen. Einen Menü-Knopf wie bei anderen Touchscreen-Handys sucht man vergeblich. Stattdessen gibt es unten in der Mitte einen virtuellen Slider, der sich nach oben schieben lässt und das Hauptmenu offenbart. Darin sind sämtliche installierten Anwendungen zu finden. Die können bei Bedarf auf den Desktop gezogen werden, um die wichtigsten Programme schnell griffbereit zu haben. Einziges Manko: Der Touchscreen hat manchmal Aussetzer. Vor allem in Listen und bei sehr kleinen Elementen bleibt der Bildschirm immer wieder einfach hängen. Der Grund dafür ist nicht ersichtlich, da der Touchscreen ansonsten eigentlich ganz gute Arbeit leistet. Falls der Bildschirm mal wieder keine Berührungen registriert, heißt es zum Trackball greifen. Der wirkt gut verarbeitet und erinnert stark an die BlackBerry-Variante. Alternativ lässt sich auch das Display hochschieben und die Tastatur benutzen. Störend fielen im Test die zu flachen Tasten auf – schnelles Tippen wird dadurch gebremst.

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Über zu wenig Software können sich Android-Nutzer wirklich nicht beklagen: Durch die Open-Source-Umgebung existieren viele Erweiterungen für die Plattform. Zum Beispiel gibt es eine Anwendung, die die eingebaute Kamera nutzt um Barcodes zu scannen. Einmal geschehen, listet die Software automatisch den Produktnamen, günstigsten Preis im Internet und Alternativen auf. Es gibt eine Software, die die aktuelle Position des Handys ermittelt und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung sucht oder den Android-Nutzer zum nächsten Taxi-Stand geleitet.


Ungenutztes Potential

Natürlich dürfen auch die beliebtesten Google-Anwendungen nicht fehlen. Deren Nutzung wird auf dem G1 regelrecht zelebriert: Selbst bei der Wiedergabe von Songs im Mediaplayer lassen sich mit einem Klick auf dem Namen des Interpreten oder Albums auf Google oder YouTube Informationen finden. Ansonsten ist die Musik-Wiedergabe nichts Besonderes: Die Tracks lassen sich nach Album oder Interpret sortieren. Dazu passend wird das Album-Cover eingeblendet und erleichtert so die Übersicht. Nicht nachvollziehbar ist hingegen, dass im G1 kein Kopfhörer-Anschluss verbaut wurde. Lediglich das mitgelieferte Headset lässt sich an die Universal-Buchse anstöpseln. Das ist aber sowohl im Klang als auch in der Ergonomie enttäuschend. In Punkto Multimedia kann das G1 dem iPhone leider bei Weitem nicht das Wasser reichen.

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Das G1 überzeugt, aber es könnte viel besser sein. Zum Beispiel besitzt das Gerät einen Kippsensor, der vom Android-Betriebssystem aber nicht genutzt wird. Lediglich einige wenige Zusatzanwendungen machen davon Gebrauch. Auch die Benutzeroberfläche des Gerätes wirkt durchdacht und strukturiert, hat an einigen Stellen jedoch logische Aussetzer. Zum Beispiel ist nicht ersichtlich, wann und warum sich manche Elemente durch einen langen o
der kurzen Einzelklick oder gar durch einen Doppelklick auswählen lassen. Das Ganze geschieht unserer Meinung nach eher nach dem Zufallsprinzip. Der Desktop selbst ist sehr gut gemacht und die Interaktion geht flüssig von der Hand. Die vorinstallierten Anwendungen sind gut umgesetzt und wenn ein bestimmtes Programm fehlen sollte, ist die Auswahl im Download-Shop groß. Der Standard-Browser basiert ähnlich wie Chrome auf WebKit und ist sowohl schnell als auch standardkonform. Damit hört es aber auch schon auf: Die Navigation auf Webseiten hakt teilweise gewaltig. Zwar verfügt der Browser über eine Zoom-Funktion, wie und wann sich diese einschaltet, ist aber scheinbar purer Zufall. Also heißt es mal wieder: Zum Trackball greifen! Zum Glück lässt sich das G1 stark an die eigenen Anforderungen anpassen, auch wenn sämtliche Einstellungen etwas versteckt sind.

Leichter zu finden ist die eingebaute 3,2-Megapixel-Kamera, die sich über einen Knopf an der Seite aktivieren lässt und sehr ansehnliche Bilder produziert. Zwar reicht die Qualität nicht an die einer Digicam heran, aber für eine Handy-Kamera können sich die Fotos sehen lassen.


Fazit

Fest steht: Das G1 hat viele Schwächen – dafür aber um so mehr Stärken. Die große Softwarepalette überzeugt. Das Beste daran ist, dass praktisch alle Anwendungen kostenlos sind und sich das Handy so zu einem richtigen kleinen Rechner aufrüsten lässt. Es ist schnell, der Touchscreen ist gut und die Navigation auf dem Desktop und in den Menus ist einzigartig. Ärgerlich sind nur die kleinen Aussetzer des Bildschirms, die Logikfehler in der Bedienführung oder der nicht vorhandene Kopfhöreranschluss. Manchmal wünscht man sich, dass in dem G1 ein Eingabestift versteckt wäre. Davon abgesehen leistet das Gerät wirklich gute Arbeit und sticht sogar hochkarätige Konkurrenz wie das iPhone oder das Touch HD aus. Von uns gibt es also eine Kaufempfehlung!

T-Mobile G1
Hersteller: HTC
Webseite: www.t-mobile.de
Preis: ab 1 Euro (mit Vertrag), 450 Euro (ohne Vertrag)

Note: sehr gut
Ergonomie (40%): gut
Ausstattung (25%): sehr gut
Leistung (25%): sehr gut
Service (10%): sehr gut

Technische Daten
Größe: 55,7 x 117,7 x 17,1 (B x H x T)
Gewicht: 158g
Gesprächszeit: bis zu 17 Stunden
Stand-by: bis zu 400 Stunden
Netz: Quad-Band
Betriebssystem: Google Android
Datenübertragung: GPRS, UMTS (HSDPA), Bluetooth 2.0 , USB, WLAN 802.11g

Display
Bildschirmart: Touchscreen
Farben: 65.536
Größe: 3,2 Zoll
Auflösung: 320×480 Bildpunkte