Globaler IT-Report: Deutschland fällt zurück

Allgemein

Der deutsche IT-Markt zeigt sich im weltweiten Vergleich stark, aber nicht besonders dynamisch. Die Spitzenplätze werden von anderen Ländern besetzt.

Die biblische Weisheit von den sieben »fetten und den sieben mageren Jahren« scheint sich auch in der Hightech-Branche zu bestätigen. So sind nach sieben Jahren aufeinanderfolgenden Wachstums die weltweiten Ausgaben für IT zum ersten Mal wieder rückläufig: Nach einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts Forrester Research werden die Ausgaben 2009 um drei Prozent auf 1,66 Billionen Dollar sinken. Im Vorjahr waren sie noch um acht Prozent gestiegen.

Allerdings scheint es keine sieben Jahre zu dauern, bis sich die IT-Konjunktur wieder erholt. Laut Forrester werden Schlüsselregionen wie der amerikanische Markt in der zweiten Hälfte 2009 wieder Tritt fassen.


IT-Ausgaben Europa von 2005  – 2009 (von links nach rechts)
Dunkelblau: PC-Ausstattung, Blau: TK, Hellblau: Software, Graublau: Services und Outsourcing (Quelle: Forrester)

Der zweite positive Aspekt dabei ist, dass der europäische Markt in Euro gemessen, 2009 immerhin ein Wachstum von einem Prozent vorzuweisen hat.

Besonders überraschend ist das Ergebniss der aktuellen Forrester-Studie nicht mehr: Allerdings enthält sie einige interessante Zahlen zum deutschen IT-Markt. Doch vorweg die wichtigsten Aussagen über die globale Sitution.

Wachstumsknick bei Hardware, Softwaremarkt bleibt stabil
Ein deutlicher Wachstumsknick zeigt sich bei den Ausgaben für Hardware wie PCs, Speicher oder Peripheriegeräten. Hier gehen die Ausgaben 2009 um vier Prozent zurück. Auch andere Marktforscher wie IDC oder Gartner kommen hier zu ähnlichen Prognosen. Laut IDC wird der deutsche IT-Markt ab 2011 wieder in Fahrt kommen.

Entwicklung der lT-Käufe bis 2010, aufgeschlüsselt nach Währungen. Grün steht für Euro-Währung und zeigt sogar einen leichten Anstieg.
(Quelle: Forrester Research )

Die Ausgaben für TK-Geräte (Router, Switches, Telefonananlagen) und für IT-Dienste (Beratung, Systemintegration und Outsourcing) werden laut Forrester jeweils um drei Prozent sinken.
Bessere Aussichten hat der Software-Markt, der wenigstens stabil bleibt.

Deutschland auf Platz 22 beim Tech Intensive Index
Einige interessante Ergebnisse hat Forrester für Deutschland zusammengetragen. Beispielsweise hat Analyst Andrew Bartels mit seinem Team ermittelt, wie hoch der Anteil der IT-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt ist. Der sogenannte Tech Intensive Index setzt Deutschland dabei mit 2,3 Prozent auf Platz 22, hinter Mexiko (2,4 Prozent) und vor Südkorea (2,2 Prozent). Nachbarland Frankreich liegt mit 2,6 Prozent auf Rang 16, die Briten auf Rang vier (3,6 Prozent).

Die höchsten IT-Ausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt haben die Australier: 4,6 Prozent, gefolgt von den Vereinigten Staaten (3,9 Prozent). Das Schlusslicht bilden Staaten wie Kenia, Marokko und Nigeria (0,3 Prozent).

Lesen Sie auf Seite 2: Die Top 12 der IT-Länder

Fünftgrößter IT-Markt
Auch über die Größe der regionalen IT-Märkte gibt die Forrester-Studie Auskunft. Demnach ist Deutschland 2009 mit einem Volumen von 81 Milliarden Dollar der fünftgrößte IT-Markt der Welt, nach den USA, China, Japan und Großbritannien, aber noch vor Frankreich und Brasilien.

Beim Wachstum stehen die Deutschen 2009 ebenfalls noch auf der Gewinnerseite, wenn auch nur knapp: genau um ein Prozent wächst der deutsche IT-Markt 2009 gegenüber dem Vorjahr.

»Verschwenden Sie Energien nicht damit, unrealistische Umsatzerwartungen erfüllen zu wollen. Vermeiden Sie große Marketing-Kampagnen.« Forrester-Analyst Andrew H. Bartels (Bild: Forrester)

Tech Twelve: Die erfolgreichsten IT-Länder
Aus dem umfangreichen Datenmaterial haben die Analysten zwölf Länder ermittelt, die ihrer Einschätzung nach stärker in Technologie investieren als andere und deshalb auch vielversprechende Absatzmärkte sein könnten. Australien, Kanada, Dänemark, Finnland, Israel, Neuseeland, Niederlande, Singapur, Schweden, Schweiz, United Kingdon und USA. Dass Deutschland nicht unter den Top 12 dabei ist, werden Kritiker sicher als erneuten Beleg für die angeblich mangelnde Technikbegeisterung in Deutschland ansehen.

Krisen-Tipps vom Analysten
»Schrauben Sie Ihre Wachstumserwartungen zurück. Verschwenden Sie keine Energie darauf, unrealistische Umsatzziele erreichen zu wollen«. Diesen Rat gibt Andrew Bartels, federführender Autor der Studie den Unternehmen mit. Diese sollten sich vielmehr darauf konzentrieren, kleinere Nischen zu bedienen, die sich dem allgemeinen Abwärtstrend widersetzen. Außerdem seien die vielversprechendsten Wachstumsmärkte in den bereits erwähnten Tech-Twelve-Ländern zu suchen. 

Die Homepage von Forrester Research: Profis aus Industrie, Technologie und Marketing will das US-Marktforschungsunternehmen Forrester mit seinen Reports erreichen.

Das Datenmaterial für die Studie hat Forrester-Analyst Bartels aus verschiedenen Quellen gewonnen, darunter Zahlen des US-Wirtschaftsministeriums, der OECD sowie die »Finanzberichte der 49 größten IT-Lieferanten«.

Wer den kompletten Bericht »Global IT Market Outlook: 2009« lesen will, kann ihn als PDF-Dokument für 279 US-Dollar auf dieser Forrester-Seite erwerben.
(Mehmet Toprak)

Weblinks
Report Forrester Research
OECD
IDC Deutschland
Gartner Group