Nokia 5800 XpressMusic
Plastikbomber aus Finnland

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Wir haben Nokias erstes richtiges Touchscreen-Handy über mehrere Wochen hinweg intensiv getestet. Ob sich ein Kauf lohnt, lesen Sie im Test.

Nokia schlägt zurück

Musik per Knopfdruck: Das ist das Konzept hinter XpressMusic. Das 5800 ist das erste richtige Touchscreen-Handy des finnischen Handygiganten – also vergleichbar mit dem iPhone. Zwar spielen die beiden Geräte die gleiche Sportart, jedoch in völlig verschiedenen Ligen: Während iPhone und Co. eher versuchen, durch ihren Style und Geek-Faktor zu überzeugen, setzt Nokia auf ein unscheinbares Plastik-Gehäuse, das eher billig wirkt. Man sollte jedoch Geräte nicht nach ihrem Äußeren beurteilen, also wagten wir einen Blick unter die Plastikschale.

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Das Nokia-Handy ist vollgepackt mit moderner Technologie: Mit an Bord sind zum Beispiel A-GPS, WLAN, UMTS mit HSDPA und HSUPA, ein Client für Microsoft Exchange, eine 3,2-Megapixel-Kamera, eine Speicherkarte mit 8 GByte sowie eine gute Touchscreen-Umsetzung der S60-Oberfläche. Auch der Desktop bietet einige sehr praktische Funktionen. Zum Beispiel lassen sich dort vier Kontakte hinzufügen und übersichtlich verwalten. Zu sehen sind mehr als nur die letzten Anrufe, sämtliche Kommunikation wird protokoliert. Angezeigt werden die ersten Worte der letzten SMS, oder verpasste Anrufe – samt Datum und Uhrzeit. Mit einem Klick lassen sich Bilder oder Nachrichten an eine der Personen schicken.

Ebenfalls für Übersicht sorgt die XpressMusic-Taste. Diese befindet sich am oberen rechten Rand und erleichtert den Zugriff auf häufig verwendete Funktionen wie Musik, Bilder, Videos oder das Internet.


Pro und Contra

Das Handy wurde über mehrere Wochen hinweg ausgiebig getestet: Klar, dass es dabei an der ein oder anderen Stelle gehakt hat. Als störend empfanden wir im Test folgende Dinge:

– Das Display des Handys ist von einer Kante umgeben. Durch diese Umrahmung geht viel Ergonomie verloren. Vor allem die Auswahl von Elementen in der Nähe des Randes empfanden wir als schwierig.

– Das Ganze Gerät wirkt billig verarbeitet. Angefangen beim Gehäuse selbst bis hin zum ausziehbaren Stift, der den Charme eines Zahnstochers aus einem Schweizer Taschenmesser hat. Auch die hintere Klappe wird nicht etwa aufgeschoben, sondern aufgerissen.

– Die Steuerung ist undurchsichtig. Es fehlt eine einheitliche Struktur. An manchen Stellen wird ein Element per Doppel- und an anderen per Einzelklick ausgewählt. Das Scroll-Verhalten gibt ebenso Rätsel auf: Während man in machen Listen einfach per Finger rauf- und runter scrollen kann, müht man sich in anderen vergeblich ab und muss versuchen mit dem Finger die zu klein geratene Scroll-Leiste zu bewegen. Auch damit hat man seine Probleme, da diese am Rand liegt und sich durch die Kante kaum auswählen lässt. Zudem fehlt ein Automatismus, der zwischen großer und kleiner QWERTZ-Tastatur im Hoch- und Quer-Modus umschaltet.

– Die Bedienung des Touchscreens ist nicht für zimperliche Anwender, da das Gerät Eingaben erst ab einem gewissen Druck erkennt. So kommt es öfters vor, dass ein Klick nicht verarbeitet wird.

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Davon abgesehen, gibt es am 5800 viele Dinge die überzeugen. Dazu zählen sicherlich folgende Punkte:

– Das Gerät reagiert sehr schnell und das Vibrations-Feedback ist sehr gut. Das Display ist allgemein sehr gut. Es ist zwar nur 3,2-Zoll groß, hat aber mit 640 x 360 Bildpunkten für ein Handy eine recht gute Auflösung.

– Das viele Plastik lässt das Gerät zwar billig aussehen, sorgt aber auch dafür, dass es deutlich stabiler wirkt als die Konkurrenz. Das 5800 übersteht problemlos den einen oder anderen Sturz aus mittelgroßer Höhe und eignet sich damit sehr gut als Alltagshandy.

– Das Menu ist sehr übersichtlich – nicht zuletzt dank der XpressMusic-Taste. Wirklich überzeugend ist auch der seitlich angebrachte Hold-Slider. Es handelt sich dabei um eine Taste, mit der sich die Tastensperre ein- und ausschalten lässt.

– Der Sound ist ziemlich gut. Die eingebauten Stereo-Lautsprecher sind einzigartig und bieten einen guten Klang. Die mitgelieferten Kopfhörer sind dafür leider nur Mittelmaß.

– Die Eingabe im Quer-Format mittels großer QWERTZ-Tastatur ist wirklich gut gelungen. Auf keinem anderen Touchscreen-Handy haben wir uns im Test so selten vertippt wie auf dem 5800.

– Zuletzt verdient auch die eingebaute Kamera ein paar lobende Worte. Die geschossenen Bilder sind, von einem gelegentlichen Rot- und Grünstich mal abgesehen, ziemlich überzeugend und können sich sehen lassen. Es gibt zwar bessere Handy-Kameras, dafür aber auch deutlich schlechtere.


Fazit

Das Nokia 5800 XpressMusic hat zwar ein paar kleinere Macken, ist aber sicherlich kein Fehlkauf. Wer auf Glitter-Glamour a la iPhone und HTCs Diamond-Serie steht wird von dem Plastik-Handy sicherlich enttäuscht. Für Anwender, die Wert auf Funktionalität legen, ist das Gerät aber ein Geheimtipp. Bei einem Einstiegspreis von unter 350 Euro, kann man eigentlich nicht viel falsch machen.

5800 XpressMusic
Hersteller: Nokia
Webseite: www.nokia.de
Preis:
ab 340 Euro (ohne Vertrag)

Note: gut
Ergonomie (40%): befriedigend
Ausstattung (25%): gut
Leistung (25%): gut
Service (10%): gut

Technische Daten
Größe: 111.0 x 51.7 x 15.5 mm (H x B x T)
Gewicht: 109g
Gesprächszeit: 8,8 Stunden (GSM) 5 Stunden (UMTS)
Stand-by: bis zu 400 Stunden
Netz: Quad-Band
Betriebssystem: Symbian Version: OS 9.4 S60 5rd
Datenübertragung: WAP, GPRS, UMTS (HSDPA, HSUPA), Bluetooth 2.0 , USB, WLAN 802.11b,g, GPS (HSCSD)

Display
Bildschirmart: Touchscreen
Farben: 16,7 Millionen
Größe: 3,2 Zoll
Auflösung: 640 x 360 Bildpunkte