Gute Besserung, Mr Jobs

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Apple-Chef Steve Job ist krank und bei Apple machen schlimme Befürchtungen die Runde. Wie wichtig ist Jobs für Apple? Sehr wichtig – und nicht nur für Apple.

Ehrlich gesagt, habe ich Apple-Rechner nie so richtig gemocht. Zu glatt, zu perfekt, zu designorientiert. Und zu teuer. Mac ist der Computer für Leute, die keine Computer mögen. Ich liebe Computer, deshalb bin ich Windows-Anwender. Schrauben, konfigurieren, patchen und tunen, und dabei ganz viel auf Microsoft schimpfen, das war schon immer meine Welt.

Andererseits muss man auch anerkennen: Apple ist seit vielen Jahren der Trendsetter unter den IT-Herstellern. Alle blicken jedes Jahr gebannt auf die MacWorld und was Apple-CEO Steve Jobs mit den Worten »Eine Sache hab ich noch …« wieder aus der Tasche holt. Es gibt keine IT-Veranstaltung, die so viel Faszination ausstrahlt wie die MacWorld.

Leitfigur der Branche
Das und nicht nur das ist das Verdienst von Steve Jobs. Jetzt ist der Apple-Chef krank und will sich bis Ende Juni eine Auszeit nehmen. Bei Apple machen die schlimmsten Befürchtungen die Runde. Und nicht nur bei Apple. Denn Jobs ist eine Leitfigur für die ganze Branche. Er hat sein Unternehmen seit 1997 wieder zum Erfolg geführt und damit ein Beispiel gegeben, wie erfolgreiches Management aussieht.


Steve Jobs will sich bis Ende Juni vom Tagesgeschäft bei Apple zurückziehen. (Bild: Apple)

Apple ist heute das, was Sony bis in die 80er Jahre hinein war. Die coole Company, die Elektronik und Lifestyle lässig miteinander miteinander verbindet. Während Sony in dieser Hinsicht nur noch ein Schatten seiner selbst ist, setzt Apple heute die Maßstäbe, denen alle – naja, fast alle – hinterherhecheln.

Banale Elektronik, geniale Verpackung
Steve Jobs hat es geschafft, banale Elektronik so zu verpacken, dass sie nicht nur gut aussieht, sondern auch in der Bedienung genial einfach ist. Egal, was Apple in den letzten zehn Jahren angepackt hat, die anderen machen´s nach. Die transparenten Plastikgehäuse der iMacs wurden ebenso kopiert, wie das schlanke iBook, das Scrollrad im iPod oder der Touchscreen im iPhone.

Steve Jobs hat neben Apple einige weitere schöne Einträge in seinem Lebenslauf. Tim-Berners-Lee soll das World Wide Web auf einem NeXT-Rechner »erfunden« haben. Die Firma hatte Steve Jobs auch gegründet. Ach ja, und die Musikindustrie hat er mit iTunes umgekrempelt. Und die Pixar Animation Studion mitgegründet, die zwanzig Academy Awards gewonnen haben. Was ja auch nicht übel ist.

Manchmal habe ich den Verdacht, der Apple-CEO Jobs ist nur ein Produkt cleverer Spin doctors bei Apple und der wirkliche Mann eine ganz durchschnittliche Nummer. Aber das würde nichts ändern, denn das Symbol funktioniert ja bestens.

Teuer aber gut: die superflachen Macbooks von Apple trotzen dem Trend zum billigen Notebook. (Foto: Apple)

Kundenorientierung + Design + Bedienung = Apple
Es gibt keinen CEO, der nicht ständig von Kundenorientierung, Innovationen und Bedienfreundlichkeit redet. Es gibt nur einen, der das wirklich ernst meint: Steve Jobs mit seinem Team. Genau damit ist er zur Leitfigur der Branche geworden.

Sein Gegenspieler Bill Gates hat das nie auch nur annähernd geschafft. Zwar hat Gates auf Veranstaltungen wie der TechEd oder der CES auch immer gerne den Visionär gegeben, aber ein Visionär war er nie. Ein solider Firmenmanager, ein cleverer Stratege, ein geschickter Verhandler ja, aber Trends hat er nie gesetzt. Microsoft war immer viel zu groß und zu stark vom Massenmarkt abhängig, um wirklich innovativ zu sein. Diesen Part hat Steve Jobs übernommen.

Jetzt wird die Leitfigur der IT-Branche ein paar Monate lang fehlen. Wir hoffen, dass er spätestens Juni wieder auf dem Posten ist. Und dann mit seinem Team all den PC-Herstellern eine Nase dreht.
Wie schon erwähnt, ich werde wohl immer ein Windows-User bleiben. Aber, dass Steve Jobs für diese Branche unendlich wichtig ist, musste einmal gesagt werden …
(Mehmet Toprak)

Weblinks
Apple
Steve Jobs auf  Wikipedia
Macworld
Brief von Steve Jobs