Report: Die CES-Highlights

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Die Top-Produkte der CES in Las Vegas tauchen zumeist auch auf der CeBIT auf und sind deshalb für IT-Profis interessant. eWEEK-Reporter Rudi Kulzer gibt einen Überblick über die CES-Trends.

Die Consumer Electronic Show (CES), die jedes Jahr Anfang Januar in Las Vegas stattfindet, ist zwar in erster Linie eine Messe der Consumerelektronik, zeigt aber traditionell auch die neueste Entwicklungen der Computerindustrie für Desktops, Notebooks und Handys. Damit war die US-Messe immer schon eine Art Vorschau auf die CeBIT im März.

Optimistischer Ausblick: Mehr als 2700 Aussteller und 20 000 Produkte präsentierte die CES 2009 (Bild: CES).

Microsoft-Chef Ballmer startete am Vorabend der CES traditionell die
Veranstaltung. Dabei ging es in erster Linie um das neue Betriebssystem Windows 7. Steve Ballmer versuchte erst gar nicht, den Ruf des stark kritisierten Betriebssystems Windows Vista zu verteidigen, sondern setzte voll auf das neue System, von dem es seit Freitag eine Betaversion zum Download für jedermann gibt. Das hohe Interesse ließ erst einmal den Verteil-Server zusammenbrechen, doch das Problem scheint gelöst.

Windows 7: das bessere Vista
Microsoft will beweisen, dass es gelungen ist, die gröbsten Schwachstellen von Vista auszumerzen. Windows 7 soll schneller booten und den Anwender weniger Zwänge auferlegen, als dies bei Windows Vista der Fall war. Bei Laptops soll die neue Software dafür sorgen, dass der Rechner weniger Strom verbraucht und damit der Akku länger hält.

Windows 7 ist zwar noch lange nicht fertig, die Betaversion kann man aber schon downloaden und ausprobieren. (Bild: Microsoft)

Außerdem hat Microsoft große Anstrengungen unternommen, um Peripheriegeräte besser in das neue System einzubinden. Vista war vor allem von den IT-Verantwortlichen in Unternehmen und Organisationen mit großer Skepsis aufgenommen worden. Das neue Windows könnte noch im laufenden Jahr auf den Markt kommen.

Unterhaltungselektronik lernt vom PC
In die Geräte der Unterhaltungselektronik werden immer mehr Elemente der Computerindustrie eingebaut und damit vom PC unabhängig. Festplatten in TV-Geräten gibt es schon längst. Nun sollen die Zuseher auf den neuen Flachbildfernsehern der großen Hersteller durch eingebaute LAN-Anschlüsse künftig direkt und ohne PC auf ausgewählte Internet-Inhalte sowie Videos zugreifen können. Elektronik-Konzerne wie Sony und Samsung kündigten erste entsprechende Geräte in Las Vegas. Beide Unternehmen schlossen dafür eine Partnerschaft mit Yahoo!

Blu-Ray enttäuscht
Schwierigkeiten gibt es bei der Blu-ray-Disc. Vor einem Jahr war dies die große Attraktion der CES, hatte doch das Format im Wettstreit um das Erbe der DVD den Kontrahenten HD-DVD nach langem erbittertem Streit ausgestochen. Zwar wurde die Blu-ray-Disc in Las Vegas zwar weiterhin gepriesen, doch der von vielen erwartete überwältigende Erfolg lässt bislang noch auf sich warten. Zumindest im Markt der Blu-ray-Laufwerke für Personal Computer und Laptops sei die Entwicklung »schon enttäuschend«, war von Sony-Managern zu hören.

Palm Pre glänzt bei Smartphones
Bei den Smartphones stand das »Palm Pre« im Rampenlicht und konnte beim Veranstalter und der Presse einige Preise gewinnen. Der Herausforderer des Apple iPhone hat neben dem Touchscreen auch eine herausziehbare Tastatur und auf dem von Palm komplett neu entwickelten Betriebssystems für Smartphones (WebOS).

Comeback für Palm: Der neue Palm Pre gilt vielen schon als Konkurrent zum iPhone. (Bild: Palm)

Der auf der CES gezeigte Palm Pre ist das erste Gerät für diese Plattform und hat nach Meinung vieler Beobachter die Chance, die Platzhirsche Apple, Research In Motion (RIM) und Nokia erfolgreich herauszufordern. Pre wird in der ersten Jahreshälfte 2009 zunächst exklusiv bei Sprint in den USA erhältlich sein. An der Verfügbarkeit in Europa wird noch gearbeitet, also entsprechende Telekom-Partner in Deutschland oder Frankreich gesucht

Mini-Notebooks weiterhin im Trend
Auch Mini-Notebooks, wie man die Netbooks wegen einer möglichen Namensklage möglicherweise nennen muss, konnten in Las Vegas punkten und werden dies im März auch auf der CeBIT tun.

Auf der CES erregte als weiterer Gewinner in der Gruppe Computer-Hardware die ultra-kompakte Notebookserie Vaio P von Sony großes Aufsehen. Das Gerät ist mit 245 x 120 x 20 Millimeter etwa so groß wie ein Briefumschlag und wiegt nur 638 Gramm. Die extrem gestreckte Form soll vor allem der Tastatur zugute kommen, lässt sich aber in die Mantel- oder Handtasche stecken.

Nicht größer als ein Briefumschlag, 636 Gramm leicht, mit Windows Vista und GPS-Funktion: das Vaio P von Sony. (Bild: Sony)

Der Bildschirm ist mit acht Zoll Diagonale deutlich größer als bei herkömmlichen mobilen Kleincomputern. Das Vaio P ist mit fast allen aktuellen Funkstandards ausgerüstet. Darüber hinaus hat Sony ein GPS-Modul integriert, mit dem das Notebook auch als Navigationsgerät arbeitet. Telefonate sind aber nur über VoIP möglich, dann aber auch mit Video.

Mini-Notebook mit Windows Vista
Allerdings hat sich Sony beim Betriebssystem weder für Linux noch für Windows XP entschieden und verwendet stattdessen das leistungshungrige Windows Vista. Das Sony Vaio P kommt ab Februar 2009 in verschiedenen Farben und mit dazu passendem Zubehör in den Handel. Der Preis beträgt 999 Euro, deutlich höher als andere Mini-Notebooks.
Der PC-Hersteller Dell will mit einem ultra-dünnen Luxus-Notebook gegen Designer-Laptops wie das MacBook Air von Apple antreten. In Las Vegas zeigte der texanische Konzern kurz einen Prototyp des »Adamo«, ohne aber genaue Produktspezifikationen oder Preise zu nennen. Der neue Dell soll in der ersten Jahreshälfte 2009 kommen.

Dell kündigte auf der CES weiterhin an, sein Angebot an preiswerteren Netbooks auszubauen. Auf der Messe stellten Dell-Vertreter einen neuen Dell Mini 10 vor, der mit einem Intel-Chip Atom Z530 läuft und über einen eingebauten GPS-Empfänger sowie ein berührungsempfindlichen Bildschirm verfügt.

Green IT: Greenpeace prüft PCs und Unterhaltungselektronik
Die neueste Generation der Unterhaltungselektronik ist umweltfreundlicher als die Geräte, die noch vor einem Jahr verkauft wurden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace auf der Consumer Electronics Show veröffentlicht wurde. Die Hersteller könnten aber auf der Basis bestehender Technologien noch eine Menge unternehmen, um ihre Produkte wirklich »grün« zu machen, sagte Casey Harrell von Greenpeace International in Las Vegas.

Das »grünste Smartphone« ist das Nokia 6210, sagt Greenpeace. (Bild: Nokia)

Im Vorfeld der CES hatte Greenpeace 22 führende Hersteller von Unterhaltungselektronikgeräten aufgefordert, die Daten ihrer 50 umweltfreundlichsten Produkte einzureichen. Unter den Teilnehmern schnitt vor allem der chinesische PC-Hersteller Lenovo gut ab, der den umweltfreundlichsten Desktop-Computer (ThinkCentre M58) und M
onitor (L2440x) im Programm hat.

Das »grünste« Handy nach den Greenpeace-Kriterien ist das Samsung F268, das umweltfreundlichste Smartphone das Nokia 6210. Bei den Laptops landete Toshiba mit dem Protege R600 ganz vorne, bei den TV-Geräten Samsung mit dem LC-52GX5.

Hersteller wie Apple, Asus, Microsoft, Nintendo, Palm und Philips beteiligten sich nicht an der Umfrage und konnten daher nicht bei der Greenpeace-Studie berücksichtigt. Apple hatte vor einer Woche auf der Macworld Expo für sich in Anspruch genommen, mit seiner MacBook-Familie die »grünsten Laptops« zu produzieren. Greenpeace-Vertreter Harrell meinte, auf den ersten Blick sehe das neue MacBook von Apple tatsächlich umweltfreundlicher aus als die Vorgängerversion. Im Detail könne man das aber erst sagen, wenn Apple alle Daten zur Verfügung stelle.

Ein großer Teil der erwähnten Produkte wird auch auf der CeBIT 2009 (3. – 8. März 2009) ausgestellt. So sollen beispielsweise Green IT-Technologien in Halle 8 zu sehen sein.

Auf den Aufwärtstrend warten auch die Besucher und die Veranstalter der CeBIT 2009. (Bild: Deutsche Messe)
Auf die großen Glamour-Attraktionen der CES werden die Besucher in Hannover freilich verzichten müssen. So schmückte sich die Veranstaltung in Las Vegas auch mit zahlreichen Stars aus Sport und Showbusiness, darunter die Indycar-Fahrerin Sarah Fisher oder die Soul-Legende Stevie Wonder oder der Schauspieler Tom Hanks. Für die CeBIT haben sich die noch nicht angesagt …
(Rudi Kulzer/mt)

Weblinks
CES
CeBIT
Download Windows 7
Palm Pre
Bericht über Palm Pre