»Lückenhafte Implementierung«

CloudServerVirtualisierung

Optimales IT-Management hilft, Kosten zu sparen. Doch viele Unternehmen nutzen das Einspar-Potential zu wenig aus. Avocent-Manager Wolfgang Goretzki erklärt, wie effizientes IT-Management aussehen sollte.

Wolfgang Goretzki ist Product Marketing Manager EMEA bei Avocent, einem Hersteller für Managementlösungen für IT-Infrastrukturen. Im eWEEK-Interview zeigt Goretzki wo Unternehmen durch mangelnde Effizienz beim IT-Management Geld verschenken und wie man Green IT optimal plant. Das Interview wurde per E-Mail geführt.

eWEEK: Wo sehen Sie in Unternehmen die größten Möglichkeiten zur Kosteneinsparung im Zusammenhang mit der IT-Ausstattung?
Goretzki: Eine IDC-Studie aus dem Jahre 2007 zeigt, dass bei Servern die Kosten für das Management sieben Mal so hoch sind wie für den Kauf. Wenn die IT Kosten reduziert werden sollen, dann sind leistungsfähige IT-Management-Werkzeuge der stärkste Hebel.

Diese müssen möglichst alle IT-Technologien im Rechenzentrum abdecken. Dazu gehören ein konsolidierter Zugang, Legacy Server, Server mit Serviceprozessoren, Blades und auch virtuelle Server.

Aber im Rechenzentrum gibt es nicht nur Server …
Klar, deshalb müssen auch Storage-Geräte, Firewalls und vieles mehr eingebunden werden. Die besagte IDC-Studie sagt auch voraus, dass bereits 2010 die Kosten für Energie und Kühlung im Rechenzentrum auf 70 Prozent der Gesamtaufwendungen für Server anwachsen werden. Auch hier gibt es also großes Einsparpotential.

Wie stark werden diese Möglichkeiten in Unternehmen tatsächlich genutzt?
Die meisten Unternehmen haben heute zumindest Managementwerkzeuge, die einen Fernzugang garantieren, auch wenn die Systeme möglicherweise selbst über das Netzwerk nicht mehr kommunizieren können. Dazu nutzen die Admins so genannte Out-of-Band-Werkzeuge, wie Konsolenserver, KVM oder IP Switches, Serviceprozessoren oder intelligente Stromleisten.

Firmen verschenken Effizienz durch lückenhafte Implementierung von Management-Tools, meint Avocent-Manager Wolfgang Goretzki. (Foto: Avocent)

Dann gibt es ja keinen Handlungsbedarf.
Doch, denn in sehr vielen Fällen ist die Implementierung lückenhaft. Damit wird viel Effizienz verschenkt. Beim Power Management ist die Situation noch schwieriger: Nach einer Untersuchung von Research Concepts ist weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen (47 Prozent) in der Lage, den Gesamtstromverbrauch im Rechenzentrum zu beziffern.

Nur etwa 17 Prozent kennen den Stromverbrauch im Detail, also zeitlich und auf den einzelnen Verbraucher heruntergebrochen. Mangels genauer Kenntnis des Stromverbrauchs lassen sich damit letztendlich auch nur mäßige Verbesserungen des Energieverbrauchs erzielen.

Warum werden die Möglichkeiten nicht ausreichend genutzt?
Eine Hauptursache ist das mangelnde Bewusstsein über das Einsparpotential durch eine umfassende Managementlösung. Damit werden die entsprechenden Komponenten der Lösung bei einer Rechenzentrumserweiterung oder gar einem neuen Rechenzentrum häufig nicht budgetiert.

Was bedeutet das konkret?
Die Konsequenz daraus ist, dass obwohl der Kostenanteil dieser Werkzeuge im Vergleich zu allen anderen Investitionen sehr gering ist, keine Mittel mehr dafür zur Verfügung stehen oder zu spät mit der Planung begonnen wird und dann wieder nur Flickwerk entsteht. Dadurch wird letztendlich sogar mehr Geld ausgegeben als bei richtiger Vorgehensweise. Im Bereich des Power Managements sieht es etwas anders aus – hier gibt es erst seit Kurzem leistungsfähige Lösungen.

Wie sieht es bei kleineren und mittleren Unternehmen aus?
Die verzichten häufig auf Remote Management, da sich das IT-Personal meistens in der Nähe des Rechenzentrums befindet. Trotzdem ginge es effizienter mit einem zentralen Zugang und einer einheitlichen Bedienkonsole. Auch das Sicherheitsniveau steigt dadurch deutlich an. Die so genannten »lights out Rechenzentren« eliminieren die Notwendigkeit der physischen Präsenz im Rechenzentrum. Das reduziert wiederum die Möglichkeit unerlaubter Eingriffe in die Systeme.

Stichwort Green IT. Empfehlen Sie Managern jetzt schnell auf energiesparende Hardware umzusteigen? Oder sollten man einfach den gewohnten Update-Zyklus abwarten?
Die beste Lösung ist sicherlich erst die Situation zu analysieren und dann gezielte Maßnahmen anzupacken.

Die LANDesk Management Suite kümmert sich um alle Aspekte der Netzwerk-Ausstattung von der Software-Lizenzierung über die Fernwartung bis hin zum Asset Management. (Grafik: Avocent)

Diese Maßnahmen sind vielfältig und bei weitem nicht auf einen Hardwareaustausch beschränkt: So können beispielsweise Virtualisierung oder Verlagerung von zeitunkritischen Applikationen in »Off-Peak-Zeiten« Leistungsspitzen vermeiden und gleichzeitig den hohen Energieaufwand für die Kühlung reduzieren.

Sinnvoll ist auch eine Policy, die bei Stillstand von Clientsystemen in den Stromsparmodus oder Standby geht oder ganz abschaltet. Das alles setzt eine Analyse der Situation voraus, die mit entsprechenden Management-Tools durchgeführt werden kann. Im Anschluss daran ist sicherlich auch ein gezielter Austausch einzelner Hardware-Komponenten angeraten.
(Mehmet Toprak)


Weblinks
Avocent
Stromspar-Tipps für Firmen