Die sieben IT-Trends 2009

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Alle reden über Cloud Computing und Green IT. Doch sind das wirklich die entscheidenden Technologien für die kommenden Jahre? eWEEK-Autor Rudi Kulzer stellt die sieben wichtigsten Trends vor.

Jede Krise birgt immer auch eine Chance zur Veränderung. Mit solchen Binsenweisheiten trösten sich derzeit Manager und Politiker, wenn sie über die Wirtschaftskrise sprechen. Doch um welche Veränderung geht es eigentlich? Wo genau liegen die Chancen? Und was sind die entscheidenden Themen in Sachen IT-Ausstattung, um die sich die Unternehmen in Zukunft kümmern müssen.

1. Windows 7

Microsofts angekündigtes Betriebssystem Windows 7 soll dem Vernehmen nicht erst 2010, sondern schon in der zweiten Hälfte 2009 auf den Markt kommen. Microsoft und die Computerhersteller hoffen, das neue Betriebssystem werde die dringend erhoffte Absatzsteigerung bei Desktop-PCs bringen.

Windows Azure oder doch nochmal Vista? Mit dieser Frage werden sich Unternehmen eventuell in der zweiten Jahreshälfte 2009 beschäftigen müssen. (Bild: Microsoft)

Doch was bringt Windows 7 beim Einsatz als Arbeitsplatzrechner? War Vista aus dieser Sicht schon ein Flop, obwohl Microsoft dies heftig bestreitet, scheint sich auch die neue Version vom Konzept her deutlich an den Endverbraucher zu wenden (zum Beispiel: Touchscreen). Bei den Features für Unternehmen herrscht noch Unklarheit.

Comeback für Windows Vista?
Die IT-Manager sollten unbedingt die von Microsoft angebotenen Testprogramme nutzen, um herauszufinden, welche Vorteile Windows 7 im Unternehmenseinsatz zu bieten hat. Spannend wird insbesondere, ob es Microsoft mit Windows Azure gelingt, sich im neuen Geschäftsfeld Cloud Computing zu etablieren. Die Erfahrung mit dem Softwareriesen lässt vermuten, dass dies 2009 noch nicht gelingen wird. Denn meistens sind die Microsoft-Produkte erst beim dritten Anlauf richtig gut. So gesehen könnte 2009 auch das große Jahr von Windows Vista werden.

2. Netbooks

Nach Einschätzung von Marktforschern wird sich der Absatz von Netbooks 2009 verdoppeln. Die smarten, buchgroßen Kleinrechner kosten zwischen 300 und 500 Euro, und werden nach dem Erfolg des Asus EeePC nun von allen Herstellern angeboten. Auch die Telekom-Carrier sind auf diesen Zug mit Kombi-Angeboten aufgesprungen. 2008 sollen weltweit etwa 18 Million Geräte verkauft worden sein. Für die Verantwortlichen in den Unternehmen gilt es rasch herauszufinden, welche Geräte mit welchem Betriebssystem und welchen Kommunikationseinrichtungen sich am besten für den Einsatz im Firmenpool eignen. Die klassischen Laptops sind dann nur noch für Spezialisten, die auch unterwegs besonders leistungsfähige Hardware benötigen.

Der Asus EeePC hat den Riesenerfolg der Netbooks ausgelöst und damit den Mobilmarkt revolutioniert. (Bild: Asus)



3. Smartphones mit Multimedia

Bei den neuen Super-Handys war es Apples iPhone, das in Bewegung gebracht hat. Nun gibt es eine Reihe von Modellen anderer Hersteller, die in diesem Markt mitmischen wollen. Für viele Geschäftsleute unterwegs könnten die neuen, multimedialen Smartphones durchaus das einzige Gerät sein, das sie mit sich führen. Die spannende Frage für 2009 ist, wie Googles neue Mobilsystem »Android« bewährt.

4. Virtualisierung auch am Desktop

Die Virtualisierung bei Server ist schon seit geraumer Zeit im Gange. Bei Desktop-Rechnern dagegen wurde die Technik bisher nur eingesetzt, wenn Entwickler auf ihren Rechnern mit mehreren Betriebssystemen arbeiten wollten. Diese könnte sich ändern, ist doch in verstärktem Maße zu beobachten, dass auch PCs im Blade-Rack zu Einsatz kommen könnten.

Der Sachbearbeiter würde dann am Schreibtisch wieder, wie vor 30 Jahren, mit einem leichter zu kontrollierenden Terminal arbeiten. Netbooks und Smartphones könnten ergänzend hinzukommen.

5. Mehr Speichervielfalt

Das technische Angebot an Datenspeicher ist nach Vielfalt und Kapazität explodiert. Das reicht von der fingernagelgroßen Micro-SD über den USB-Stick mit 16 GByte bis zur 3,5-Zoll-Festplatte mit einem Terabyte. Techniker und Manager haben ihre Daten dann in einem Minispeicher immer dabei. Verschlüsselung und Steuerung des Zugangsrechts ist Pflicht.

6.Spracherkennung stagniert

Seit Jahren wird versprochen, dass die Spracheingabe das lästige Eintippen von Buchstaben, Zahlen und Zeichen ersetzten wird. Zwar hat es um Lauf der Jahre deutliche Fortschritte gegeben. Von einem endgültigen Durchbruch kann aber keine Rede sein.

Dragon Naturally Speaking 10 von Nuance: Für Spezialisten wie Rechtsanwälte oder Ärzte eine große Hilfe im Alltag. Auf dem Massenmarkt fristet die Technik aber noch ein Nischendasein. (Bild: Nuance)

Die Spracheingabe am PC hat bei einzelnen Fachgebieten (Rechtanwälte, Ärzte) gute Fortschritte gemacht, bei Texten mit freiem, nicht fachgebundenem Wortschatz tut sich die Spracherkennung aber immer noch schwer. Wünschenswert wäre eine Verbesserung der Spracherkennung bei Handys und im Auto. Doch hier werden wir wohl noch viele clevere Chips brauchen, um die störenden Nebengeräusche wegzufiltern.

7. Blade-Server und Mainframes

Es gilt als sicher, dass der Absatz von herkömmlichen PCs oder kleineren und mittleren Servern wegen der eingefrorenen Budgets einen Einbruch erleben wird.

Dafür bekommen aber spezielle Lösungen wie Blade-Server oder neue Mainframes eine neue Chance. Denn angesichts der starken Konsolidierung im Finanzwesen ist eine hohe IT-Leistung als Instrument der Veränderung gefragt. Diese ist jedoch nur in Kombination mit guten Dienstleistungsangeboten im Rahmen des Outsourcings und der Kundenbetreuung möglich.

Fazit: Mit Rechenleistung schneller aus der Krise
Insgesamt sieht es für die IT-Branche also gar nicht so schlecht aus. Experten rechnen damit, dass die Branche als einer der ersten Industriebereiche wieder aus der Krise steuern wird.
(Rudi Kulzer/mt)

Weblinks
Spracherkennung Nuance
Windows Vista
Netbooks Asus EeePC
Smartphones Research in Motion
Interview zu Windows Azure